Forensik: Minimale Spielräume für gute Psychiatrie und Psychotherapie
Forensik: Seit der spektakulären Affäre Mollath kommt die Fachdiskussion um Fehlgutachten und Fehlurteile nicht zur Ruhe. Professor Dr. Dirk Fabricius (Bremen) berichtet in der Fachzeitschrift "Psychologie und Gesellschaftskritik" über einen vergleichbaren und ähnlich verhängnisvollen Fall. Der Vorgang ist nicht wirklich atypisch für die Forensik; denn im strafprozessualen Feld bringen systemisch induzierte Einflüsse die Beteiligten regelmäßig vom gesetzlich vorgeschriebenen wahrheitssuchenden Kurs ab. Die herausragenden Unrechtsfälle unterscheiden sich von unspektakulären Normalfällen nur darin, dass solche Einflüsse besonders zahlreich, kräftig und additiv wirken, resümiert der Strafrechtler, Kriminologe und Rechtspsychologe.
Wirtschaftspsychologie: Kreative Balance zwischen Werten, Interessen, Ideen
Wirtschaftspsychologie: Klugheit definiert Dr. Claudia Thea Schmitt als "Wertebasierte Flexibilität" und als einen lebenslangen Prozess unterschiedlichster kreativer Balanceakte. In ihrer Monografie "Was ist Klugheit?" belegt die Psychologin wissenschaftlich-empirisch, wie "wertebezogenes Handeln im Führungskontext" entscheidend zur Humanisierung im Arbeitsleben beitragen kann.
Warnung: Cannabis vor allem für Kinder und Jugendliche gefährlich
Cannabis ist als Auslöser schwerer Psychosen bekannt. In erster Linie sind alle Jugendlichen und eine genetisch disponierte kleine Erwachsenengruppe betroffen. Aktuelle Studien differenzieren die Cannabis-Risiken immer mehr, berichtet Dr. Derik Hermann im 2. Alternativen Drogen- und Suchtbericht.
"Das Ausmaß von Pornokonsum wird meist überschätzt. Keine Untersuchung belegt schädliche Auswirkungen der Pornografie auf das Sexualleben Jugendlicher und die Lebensgestaltung insgesamt. Sofern Jugendliche aus Neugier, Lust oder anderen Motiven Pornografie rezipieren, bevorzugen sie überwiegend ´weiche´ Pornografie," stellt Professor Dr. Kurt Starke in seiner Expertise "Pornografie und Jugend" fest.
Nicht die allgemeine, sondern die spezifische Intelligenz ist relevant
Die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung gilt häufig als entscheidender Gradmesser für Intelligenz. Professor Dr. Hans-Martin Süß hält "diesen Ansatz für unzureichend, da damit nur wenig Varianz bei komplexen kognitiven Leistungen erklärt werden kann." In seinem Beitrag zum Reader "Perspektiven der Intelligenzforschung" plädiert er für eine Differenzierung verschiedener Subkonstrukte von Intelligenz.
Experimentelle Psychologie: wichtige Befunde sollten reproduziert und kontrolliert werden
Befunde aus der experimentellen Psychologie sind häufig fragwürdig - zumindest dann, wenn die Studienautoren nicht ihre Untersuchungsdetails so detailliert offen legen, dass andere Wissenschaftler das Experiment eins zu eins oder modifiziert reproduzieren können. Professor Dr. Jochen Fahrenberg (Freiburg) fordert daher in seinem neu publizierten Grundlagenwerk "Theoretische Psychologie" entscheidende Änderungen der wissenschaftlichen Praxis. "Wichtige Ergebnisse sollten durch unabhängige und qualifizierte Wissenschaftler kontrolliert werden. Damit ist die Erwartung verbunden, dass Forschung sich selbst kontrolliert und schrittweise auf der Grundlage replizierter Befunde weiterentwickelt."
Don Juan und Femme fatale: Wie VerführerInnen die Liebe verfehlen
Don Juan und Femme fatale sind alles andere als glücklich. Ihr Syndrom steigert die allgemein verbreitete Kontaktangst und die narzisstisch prekäre Beziehungsform. Sonja Rieder identifiziert Donjuanismus als "einzigartige Verdichtung eingeschränkter Liebesfähigkeit, die unter einer Schicht von Reiz, Rausch und kurz währender Leidenschaft schlummert: zwanghafte Suche, Schmerz, Oberflächlichkeit und unerfüllte Sehnsucht." In ihrem aktuellen Reader "Don Juan auf dem Hot Seat" analysiert die Psychotherapeutin die Leiden "amourös-narzisstisch strukturierter Menschen" - und zeigt mögliche Auswege. Betroffene und TherapeutInnen erhalten ebenso einfühlsame wie fundierte Hinweise.
Angst vor Zahnbehandlung: durch Verhaltenstherapie in fünf Stunden heilbar
Zahnbehandlungsangst basiert meist auf relevanten ängstigenden Erinnerungen und kann zu Behandlungsverweigerungen mit verheerenden Folgen führen. In einem verhaltenstherapeutischen Therapieprogramm sind Betroffene erfolgreich behandelbar und nehmen relativ entspannt auf dem Zahnarztstuhl Platz. Verhaltenstherapie erweist sich in diesem Zusammenhang der Hypnose und der Narkose deutlich überlegen. Die Arbeitsgruppe um Jürgen Margraf (Bochum) stellt das Fünf-Stunden-Programm in der aktuellen Ausgabe von "Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin" detailliert vor.
Wirtschaftspsychologie: Bewerbungsunterlagen diagnostisch kaum verwertbar
Wirtschaftspsychologie: Personalverantwortliche und Bewerber achten darauf: In den Bewerbungsunterlagen sollte keine biografische Lücke stehen, ehrenamtlich-soziale Arbeit liefert ein positives Image, und Führungserfahrungen können nie schaden. Professor Dr. Uwe Peter Kanning (Hochschule Osnabrück) untersuchte die Validität der drei Faktoren mit dem Ergebnis: Keiner sagt etwas wirklich Relevantes über die berufliche Eignung aus.
Franz Kafka diagnostizierte den psychosomatischen Zusammenhang seiner Krankheiten
Kleinkinder benötigen eine konstante, verlässliche Bezugperson. Fehlt sie, werden lebenslange psychische und somatische Störungen vorprogrammiert. Anhand der Anamnese historischer Persönlichkeiten verdeutlichen Prof. Dr. Rudolf und Dr. Barbara Klußmann (München) die häufig unterschätzten, folgenschweren Risiken.