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Die Attraktion von Dominanz

Das Stimulationsbedürfnis (Sensation Seeking) im klinischen und differentialpsychologischen Kontext

Welche Eigenschaften haben Menschen, die sich zu einem dominanten Partner hingezogen fühlen? Dieser Frage gingen Psychologen an der Universität Konstanz nach. In einer Online-Untersuchung kamen Dr. Gilda Giebel und ihre Kollegen zum Ergebnis, dass Menschen, die ein hohes Erregungslevel brauchen und aufregende soziale Aktivitäten suchen, starke Tendenzen hin zu einem dominanten Partner zeigen. Das gleiche gilt für Frauen, die Ängstlichkeit als Charaktereigenschaft aufweisen. Mit einer Ausnahme. Die Ergebnisse wurden in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift Personal Relationships veröffentlicht.

Als Sensation Seeker werden Menschen bezeichnet, die ein hohes Erregungsmuster brauchen, um sich wohl zu fühlen. Sie suchen starke Gefühle und Abenteuer und versuchen auf jeden Fall, Langeweile zu vermeiden. Bungee-Jumping ist ihre Sache, Routine nicht. Auf der anderen Seite stehen Menschen, bei denen Ängstlichkeit - Trait Anxiety - eine hervorstechende Charaktereigenschaft darstellt. Sie machen sich viele Sorgen und sind allgemein angespannt. Die Konstanzer Psychologen haben bei ihren insgesamt 172 Studienteilnehmenden diese beiden Eigenschaften abgefragt und gleichzeitig untersucht, inwiefern diese mit der Präferenz für dominante Partner einhergehen.

Das Ergebnis war eindeutig: Sensation Seeker, ob männlich oder weiblich, die schnell gelangweilt sind und gern aufregende soziale Kontakte eingehen, suchen dominante Partner. "Dominante Partner sind für sie attraktiv. Ob sie dabei eher eine Kurzzeitaffäre als einen stabilen Langzeitpartner im Auge haben, muss in einer weiteren Studie untersucht werden", erläutert Gilda Giebel. Das Ergebnis der Sensation Seeker gilt sowohl für die männlichen Studienteilnehmenden als auch für die weiblichen.

Was die Personen des ängstlichen Typs betrifft, ist beim weiblichen Anteil nochmals zu differenzieren. Hier ist bei einigen der Wunsch nach einem dominanten Partner ausgeprägt vorhanden. "Wir gehen davon aus, dass diese Personen in einem dominanten Partner eine starke Schulter zum Anlehnen suchen. Als Langzeitpartner gibt er den Weg durchs Leben vor", erläutert Gilda Giebel dieses Ergebnis. Der umgekehrte Effekt, dass sich ängstliche Männer zu dominanten Frauen hingezogen fühlen, konnte nicht beobachtet werden.

Unter den weiblichen Personen, die eher ängstliche Verhaltenseigenschaften aufweisen, wurden allerdings auch Frauen identifiziert, die ihre Ängstlichkeit durch einen alternativen Lebensweg kompensieren. Diese weibliche Personengruppe sucht keinen Partner, sondern fokussiert ihr Interesse auf Kultur, dem sie aktiv nachgeht. Die Frauen suchen neue Erfahrungen, indem sie möglicherweise viel reisen, viel lesen und sich allgemein der Kunst und Kultur widmen. "Da würde ein Mann, der sehr dominant ist und den Lebensweg dieser Person beeinflusst, nur stören", interpretiert Gilda Giebel dieses Einzelergebnis. Die einen suchen sich somit einen Partner, der ihnen beisteht, die anderen bauen sich einen eigenen Lebensstil auf.

Während sich die Psychologen bei der Abfrage der Eigenschaften Sensation Seeking und Trait Anxiety standardisierter Fragebögen bedienten, haben sie für den Punkt Dominanz einen eigenen Fragebogen entwickelt, den ersten zu diesem Thema. Dominanz wird hier als soziale Dominanz begriffen. Insgesamt zeigt die Studie, dass Frauen in diesem Sinne immer noch eine höhere Präferenz für einen dominanten Partner haben.

Originalpublikation: Gilda Giebel, James Moran, Anne Schawohl und Roland Weierstal, The thrill of loving a dominant partner: Relationships between preference for a dominant mate, sensation seeking, and trait anxiety. Personal Relationships, Volume 22, Issue 2, 275-284, June 2015. DOI:10.1111/pere.12079

 

Literatur:

Das Stimulationsbedürfnis (Sensation Seeking) im klinischen und differentialpsychologischen Kontext
Hammelstein, Philipp
2008, 284 Seiten

 




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