Wirtschaftspsychologie: Beschäftigte sollen den Zeitbedarf selbst errechnen
Wie lassen sich Personalbemessung und Zeitbedarf bei Humandienstleistungen adäquat berechnen? Der führende Wirtschaftspsychologe Professor Dr. Winfried Hacker (Dresden) schlägt eine partizipative Planung der Beteiligten vor und rät von der Einschaltung fremder Arbeitswirtschaftler ab. Letzteren sind beispielsweise für die Altenpflege unrealistische Zeitvorgaben zu verdanken: Entsorgen von Ausscheidungen bzw. Inkontinenzartikeln in zwei Minuten, An- und Ablegen von Prothesen in vier Minuten. In seiner Monografie "Arbeitsgegenstand Mensch" analysiert Hacker moderne Humandienstleistungen. Das Buch wird morgen während der Messe Personal in Köln vorgestellt.
Schizophrenie: Chancen der Frühintervention bisher meist ungenutzt
"Es ist an der Zeit, Primärprävention auf die psychische Gesundheit anzuwenden und ihre Modelle in die psychologische Medizin, vorrangig in die Psychiatrie, zu integrieren," fordert Professor Dr. Wielant Machleidt (Hannover). Er hofft auf eine "neue Generation von Sozialpsychiatern mit neuen Ideen und Querdenker-Qualitäten, die diesen Pioniergeist in die Psychiatrie einbringen."
Kinder, die nicht akzeptiert wurden, verfallen häufig in depressive Persönlichkeitsstörungen
Die depressive Persönlichkeitsstörung wurde bereits im griechischen Altertum beschrieben - allerdings nicht vollständig als Krankheit gesehen. "Aristoteles fand, dass alle Menschen, die in der Philosophie, Politik, Poesie oder Kunst herausragende Leistungen vollbringen, eine melancholische Persönlichkeit haben." Als Ursache der Störung wird in der aktuellen Psychotherapie-Forschung "ein interpersonaler, bedeutsamer Verlust in einem frühen Alter angenommen", berichten Daniela Victor und Christoph Mundt.
Geldspielautomaten: Öffentliche Hand und Betreiber gewinnen immer mehr
Geld- und Gewinnspiele bedeuten für Abhängigkeitskranke und ihre Angehörigen den Ruin, für die öffentlichen Kassen in Deutschland jedoch ein zunehmend profitables Geschäft: 1,3 Milliarden Euro Jahreseinnahmen stehen weniger als 300 Millionen Euro Kosten gegenüber, berichten Professor Dr. Dr. Franz Peren und Kollegen (Bonn) in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Rausch".
Forensische Psychiatrie und Psychotherapie: Ausländer sind nicht krimineller als Inländer
Immer mehr Migranten unterschiedlichster Herkunft werden in der forensischen Psychiatrie und Psychotherapie behandelt. Damit wachsen Komplexität und Risiken in der Stationsarbeit. Erstmals hat eine forensische Klinik (München-Ost) in einem umfassenden Buch konkret offengelegt, wie sie interkulturellen Spannungen begegnet und multikulturelle Integrationsnmöglichkeiten wahrnimmt. Chefarzt Dr. Herbert Steinböck räumt bereits initial ein Missverständnis zur Seite: "Ausländer sind nicht krimineller als Inländer. Migranten sehen sich jedoch einem höheren soziokulturellen Druck ausgesetzt."
SOEP-Studie: Arbeitslosigkeit schmerzt auch wenn viele Menschen in einer Region betroffen sind
Arbeitslosigkeit schmerzt. Wer seinen Job verliert, leidet mehr als doppelt so stark wie ein Mensch, der seinen Partner verliert - und zwar unabhängig davon, ob viele oder wenige Menschen in der näheren Umgebung arbeitslos sind. Das ist das zentrale Ergebnis einer jetzt in der renommierten Fachzeitschrift European Sociological Review online veröffentlichten Studie auf der Basis von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und des Swiss Household Panel.
Strategien zur Förderung des Unglücks: Haben beruhigt
Tatkräftig und unermüdlich schmieden Menschen an ihrem Unglück. Wer dazu noch ergänzender Anregungen bedarf, schlage im neusten Ratgeber des Psychotherapeuten Dr. Reinhold Aßfalg nach: "Über das Glück ... Neun Strategien zur Förderung des Unglücks". Beispiel: "Das Prinzip des Sammelns besteht darin, das zu sammeln, was man nicht braucht. Weil wir in Wirklichkeit so vieles nicht brauchen, darf es nicht verwundern, dass es unzählige Dinge gibt, die sich dazu eignen, gesammelt zu werden."
Playfulness relates primarily to a high expectation of intrinsic and a low expectation of extrinsic goals
"The prototypic playful adult can be described as being extraverted, low in conscientiousness, open, gelotophilic, agreeable, following intrinsic life goals with extrinsic goals being of low importance, an endorsement of pleasurable and engaged life, and having both a high self-perception of the own ability to be genuine with also a trend towards greater psychometrically measured ingenuity," Dr. Rene Proyer (Zürich) found in his study "Playfulness in Adults", published in Psychological Test and Assessment Modeling.
Spitzenkongress der Psychologie kommt nach Bielefeld
Die Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) wird vom 23. bis 27. September erstmals in der Universität Bielefeld ausgerichtet. Der Kongress der DGPs gilt als die bedeutendste und größte Konferenz für psychologische Forschung in Deutschland. Knapp 2.500 Psychologinnen und Psychologen nehmen daran teil. Unter dem Motto "Faszination Forschung" präsentiert der 48. Kongress Spitzenforschung aus allen Feldern der Psychologie und angrenzende Disziplinen. Die Spannbreite der Vorträge und Workshops reicht von der klassischen psychischen Gesundheit über die Frage, wie wir zu den Menschen werden, die wir sind, bis hin zur Frage, auf welchen Grundlagen wir tagtäglich unsere Entscheidungen treffen. Die Veranstalter laden alle Interessierten zu zwei öffentlichen Vorträgen ein, die von hochrangigen Experten gehalten werden.
Ein neuer Versuch, eine alte Erkenntnis zu reflektieren: "Kann der Mensch in der Zeit glücklich werden?" Jörg Zirfas, Professor für ästhetische Bildung, antwortet: "Dagegen spricht, dass Glück auf Dauer nicht glücklich macht. In der Gewöhnung an das Glück als Zufall, Lust etc. verblasst dieses zur Normalität des gelebten Lebens. Und zudem scheint es Glück nur in der Vergangenheit oder der Zukunft zu geben. Der Mensch kann sein Glück nur nachträglich oder hoffend genießen, denn der rechte Augenblick verweilt nie und ist immer schon vorbei oder aber noch nicht eingetreten ..." Zirfas und Kollegen reflektieren in "Psychologie und Gesellschaftskritik" ein Thema, das nicht zu be-greifen ist - "zum Glück".