Wenn das eigene Leben wie ein Film vorbeizieht: Das Depersonalisations-Derealisationssyndrom bleibt oft unerkannt
Von dem Depersonalisations-Derealisationssyndrom Betroffene befinden sich über Monate oder gar Jahre in einem veränderten Bewusstseinszustand, so als ob alles unwirklich und "wie in einem Film" sei. Von ihren eigenen Empfindungen und der Außenwelt fühlen sie sich wie abgetrennt. Obwohl das Syndrom seit Jahrzehnten als psychische Störung bekannt ist, wird die Diagnose nur extrem selten gestellt. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften in einer gemeinsamen Leitlinie hin. Allgemeinmediziner, aber auch Fachärzte für psychische Erkrankungen, kennen das Syndrom häufig nicht. Patienten müssen mitunter Jahre ohne angemessene Behandlung auskommen, erklärt die Fachgesellschaft.
Schulpsychologie: Wie Gruppenunterricht erfolgreicher werden kann
Schulpsychologie: Gruppenunterricht kann äußerst wertvoll sein. Doch die Chancen werden häufig kaum genutzt. Dr. Ludwig Haag registrierte in einer Studie, wieviel LehrerInnen im Gruppenunterricht falsch machen können - mit unerfreulichen Folgen für alle Beteiligten. Und er beobachtete auch, dass wissenschaftliche Befunde oft nur spärlich im Schulunterricht umgesetzt werden.
Religiöse Entwicklung: Wie die Evolution den Gläubigen zum Untertan disponiert
Religiöse Entwicklung - des Einzelnen wie der großen Gemeinschaften - entsteht und verläuft unter verschiedensten Einflüssen. Als prägendes Element identifizierte der Psychologe Professor Dr. Franz Bruggle (Freiburg/Breisgau) die Evolution. Sie hat dem Menschen die Überlebens- und Entwicklungsmöglichkeiten nur unter den Bedingungen der Gruppen- und Hierarchiebildung belassen. Die Praxis der Hochreligionen ist konsequent danach ausgerichtet, in Sekten werden die Strukturen extrem radikalisiert.
Die Sterblichkeit von Patienten mit Alkoholsucht in Allgemeinkrankenhäusern ist um ein Vielfaches höher als bei Behandelten ohne Alkoholabhängigkeit. Außerdem sterben sie im Schnitt rund 7,6 Jahre früher als Krankenhauspatienten ohne einen solchen Suchthintergrund. Das haben Wissenschaftler der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn mit britischen Kollegen anhand von Patientendaten mehrerer Allgemeinkrankenhäuser in Manchester (England) herausgefunden. Die Forscher fordern eine frühere und intensivere psychotherapeutische Begleitung von Alkoholkranken. Die Studie ist nun im Journal "European Psychiatry veröffentlicht.
Anleitung zur Textanalyse: Sprachreflexion stimuliert Lust zu Wissen
Sprache wird auch in Geisteswissenschaften mangelhaft verwendet. Hätte die Philosophie Sprachreflexion allenthalben betrieben, wären Denkprozesse häufig anders verlaufen, postuliert Professor Dr. Harald Schweizer (Tübingen). Als relevantes Beispiel unreflektierten Sprachgebrauchs nennt er "die Wertethik - etwa von Max Scheler und Nikolai Hartmann, die davon ausgeht, wir könnten mit Hilfe des Gefühls Kontakt zu ´an sich seienden Werten´ aufnehmen." Anhand der alttestamentlichen Geschichte der "Opferung Isaaks" verdeutlicht Schweizer in seiner Monografie, wie der Weg vom Gesagten (bzw. Geschriebenen) zum Gemeinten gelingen kann. Einerseits bietet Schweizer - von Haus aus Alttestamentler - eine praktische Textanalyse, anderseits formuliert und verdeutlicht er die wichtigsten Theorie-Weichenstellungen.
Verhandeln: Richtige Wortwahl erhöht die Erfolgsaussichten
Bei der nächsten Gehaltsverhandlung, beim Feilschen auf dem Flohmarkt oder dem Verkauf eines Gebrauchtwagens sollte man auf seine Wortwahl achten. Denn die richtige Formulierung kann bares Geld wert sein. Das zeigt eine aktuelle Studie der Leuphana Universität Lüneburg und der Universität des Saarlandes. Schon kleine sprachliche Änderungen können demnach das Verhandlungsergebnis maßgeblich beeinflussen - ein Effekt, den auch Verhandlungs-Laien für sich nutzen können. Die Arbeit erscheint in Kürze im Journal of Personality and Social Psychology (DOI: 10.1037/pspi0000009).
Gute Anführer sind oft auch Kommunikationsgenies: Wer gut mit seinen Mitmenschen kommunizieren kann, hat das Zeug zur Führungskraft. Zwischen ihm und seinen Gefolgsleuten entsteht währenddessen eine besondere Verbindung: Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig und der Pädagogischen Universität Peking zufolge synchronisiert sich die Aktivität im sogenannten linken temporoparietalen Übergang zwischen Schläfen- und Scheitellappen in der Großhirnrinde des Anführers mit dem entsprechenden Areal im Gehirn seiner Gefolgschaft, wenn er zum Anführer einer Gruppe gleichberechtigter Individuen gewählt wird. Anhand der Hirnaktivitäten konnten die Forscher sogar voraussagen, wen eine Gruppe zum Anführer wählen wird und zu welchem Zeitpunkt. Die Synchronisation der Hirnaktivität beruht demnach eher auf den kommunikativen Fähigkeiten der Anführer und weniger darauf, wie viel sie reden. In einer Gruppe gleichberechtigter Individuen wird also meist der der Anführer, der zur richtigen Zeit das richtige sagt....
Unstatistik des Monats: Googeln mit Smartphone macht denkfaul!
Die Unstatistik des Monats März ist die Berichterstattung über eine kanadische Studie zu den Auswirkungen der Smartphone-Nutzung. Demnach scheint jetzt wissenschaftlich bewiesen, was mancher schon vermutete: Smartphone-Nutzung macht denkfaul. Wer häufig googelt, riskiert seine Intelligenz. Google statt Grips. Smartphone - oder eher Dummphone? Handy entmündigt. All das, so versicherten Medien - wie beispielsweise das Internetportal gesundheitsstadt-berlin.de am 10. März 2015 - hätten Forscher der Universität im kanadischen Waterloo herausgefunden.
Mensch und Roboter an einem Arbeitsplatz - Vorträge des Workshops online
Anfang März 2015 fand in der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund der erste Workshop "Mensch-Roboter-Zusammenarbeit" statt. Rund 100 Teilnehmer befassten sich mit aktuellen wissenschaftlichen Fragestellungen aus dem Bereich der Mensch-Roboter-Kollaboration. Neue technische Möglichkeiten, die oft biologische Vorbilder aufgreifen, eröffnen neue Einsatzmöglichkeiten von Robotern. Der Workshop befasste sich mit Fragen von Akzeptanz, Sicherheit und Produktivität in Mensch-Roboter-Teams sowie mit Rechtsfragen. Die Vorträge gibt es jetzt im Internetangebot der BAuA unter www.baua.de/dok/6075160.
Internetkriminalität wird in Deutschland stark unterschätzt
Identitätsdiebstahl, Phishing, Onlinebetrug mit Waren- und Dienstleistungen sowie Angriffe mit Schadsoftware kosten die Privatbürger in Deutschland pro Jahr rund 3,4 Milliarden Euro. Das ist eines der Kernergebnisse des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungsprojektes "Wirtschaftswissenschaftlicher Sicherheitsindikator für Deutschland" (WISIND), das das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) gemeinsam mit dem Brandenburgischen Institut für Gesellschaft und Sicherheit (BIGS) durchgeführt hat.