Deutsche AIDS-Hilfe zu EGMR-Urteil: Bayern muss Gefangene jetzt endlich substituieren
Der Freistaat Bayern muss heroinabhängigen Häftlingen Zugang zu einer Substitutionstherapie gewähren, wenn dies medizinisch geboten ist. Das geht aus einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) von Donnerstag hervor. Geklagt hatte ein Häftling, dem die Substitution verweigert worden war. Die bayerische Justiz hat in diesem Fall laut Urteil gegen Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention verstoßen, der unmenschliche oder erniedrigende Strafe und Behandlung verbietet.
Lebenszufriedenheit der Deutschen wird langfristig kaum von ökonomischem Statusverlust beeinflusst
Veränderungen des Einkommens und in der Haushaltsstruktur (z.B. Ein- und Auszug, Tod und Geburt) sowie der Verlust der Erwerbstätigkeit können sich stark auf die Einkommensmobilität auswirken. Wie es scheint leidet die Lebenszufriedenheit der Deutschen darunter weniger als man annehmen könnte. Besonders jüngere Generationen stellen Werte wie Meinungsfreiheit, Selbstverwirklichung und Lebensqualität über ihren ökonomischen Status.
Studie belegt erstmals: Autofahren mit Flip Flops ist gefährlich
An heißen Sommertagen ist die Verlockung groß, mal eben mit Flip Flops ins Auto zu springen und einfach loszufahren. Wie gefährlich das ist, haben jetzt Wissenschaftler der Leuphana Universität Lüneburg mit einer Untersuchung belegt. Professor Friedrich Müller und sein Team vom LüneLab, dem Institut für Experimentelle Wirtschaftspsychologie der Leuphana, werteten dazu an einem Fahrsimulator 5.400 Bremsmanöver aus.
Gewalt gegen ältere Menschen: Pflegeteams können Opfer schützen
Es ist eines der letzten großen Tabuthemen in der Öffentlichkeit: Gewalt gegen ältere, pflegebedürftige Menschen. Schläge, Beleidigungen oder auch finanzielle Ausbeutung finden im engsten Kreis statt. In der Familie zu Hause, in Pflegeheimen oder auch in Kliniken. Nur kaum einer redet drüber. Dabei gibt es Strategien zur Hilfe. Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) wollen deshalb aufklären. Wie können Misshandlungen erkannt und vor allem vorgebeugt werden? Darüber sprechen in einem Doppelinterview Dr. Mark Lachs vom Weill Cornell Medical College in New York und Frau Prof. Dr. Susanne Zank von der Universität Köln.
Neuroökonomie: Der Kampf zwischen Gier und sozialem Miteinander in unserem Gehirn
Warum sind wir bereit, für Lebensmittel mit Bio-Siegel deutlich mehr zu zahlen? Was bringt intelligente, seriöse Bankmanager dazu, das Geld ihrer Anleger zu verzocken und Existenzen zu vernichten? Warum gehen wir bei der Verteilung von Werten lieber leer aus, als einen unfairen Anteil zu akzeptieren? "Man könnte annehmen, wirtschaftliche Entscheidungen sind das Ergebnis logischer Rechenexempel. Der Blick ins Gehirn verrät aber etwas anderes", sagt Prof. Christian Elger. Der leitende Epileptologe der Universität Bonn forscht an der Schnittstelle von Neurologie und Ökonomie und hat sich mit einem Taktgeber unseres Handelns beschäftigt: das Belohnungszentrum im Gehirn.
Not lehrt doch nicht beten: Medizinprofessor widerlegt eine weit verbreitete Vermutung
Gereon Heuft ist Medizinprofessor der Universität Münster und Direktor der Uniklinik für Psychosomatik und Psychotherapie. Er hat nun einen zweiten Doktortitel erworben - in Theologie. In seiner Dissertation zeigt er, dass Menschen durch körperliche oder psychische Not nicht "religiöser" werden.
Klärungsorientierte Psychotherapie: Patient als Therapeut, vielleicht auch Wut im Spiel
Die Klärungsorientierte Psychotherapie (KOP) klärt in erster Linie die störenden Schemata und Motive des Klienten. Im Anschluss werden sie bearbeitet. Herzstück dieser therapeutischen Arbeit ist das Ein-Personen-Rollenspiel: Der Patient spielt zwei Personen: sich selbst und den Therapeuten. Der wirkliche Therapeut avanciert zum Supervisor. Professor Dr. Rainer Sachse und Mitarbeiter (Bochum) beschreiben verschiedene Varianten des Spiels ausführlich in ihrem Fachbuch "Perspektiven der Klärungsorientierten Psychotherapie".
Psychotherapie mit traumatisierten Kindern: multimodal und mit bildhafter Kommunikation
Gewalt gegen Kinder und Jugendliche nimmt eher zu als ab. Traumatisierungen werden nur selten erkannt und noch seltener therapiert. Die Symptome sind meist relativ unspezifisch. Betroffene verhalten sich oft "normal" und haben das traumatische Erlebnis abgespalten - möglicherweise sogar aus der Erinnerung gelöscht. Andrea Gallasch-Stebler, Kinderpsychotherapeutin in Basel, berichtet - teils sehr persönlich - über ihre eigenen Erfahrungen mit schwer Traumatisierten: Der Reader "Nächste Station Erde" enthält eine Serie subtiler Farbzeichnungen, die im Dialog zwischen Therapeutin und Patienten entstanden sind.
Politische Psychologie: Pluralistische Parteien und vage Wahlversprechen sind glaubwürdiger
Politische Psychologie: Eine politische Partei, die verschiedenste soziale Schichten vertritt, gilt bei Wählern als "wärmer", allerdings auch weniger kompetent. Eine Partei, die eine spezifische Gruppe relativ homogen repräsentiert, wird eher als kühl und kompetent wahrgenommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine experimentelle Studie der Universität Koblenz Landau, publiziert in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Politische Psychologie".
Multiloog: Psychiatrieerfahrene reflektieren ihre alltägliche Umwelt kritisch
Psychiatrieerfahrene - Patienten, Angehörige, Professionelle - verarbeiten eigene Erfahrungen häufig in gemeinsamen Gesprächsgruppen, sogenannten "Psychoseseminaren" oder "Trialog"-Kreisen. Niederländische Psychologen haben das Konzept, angeleitet von der "Kritischen Psychologie", zum "Multiloog" weiterentwickelt. In der aktuellen Ausgabe von "Psychologie und Gesellschaftskritik" stellen Heinz Mölders und Margitta Matthies das inzwischen erfolgreich etablierte Konzept vor.