Förderschule für körperlich Behinderte: Pädagogen übernehmen die Pflege und intensivieren die Beziehung
Seit Zivildienstler kaum noch zur Verfügung stehen, übernehmen in Förderschulen für körperlich Behinderte immer mehr Lehrerinnen und Lehrer die Pflege: Hilfe beim Toilettengang, Wickeln, Anreichen von Essen und Trinken, Ankleiden, Körperpflege. Die meisten Pädagogen sehen in der Pflege eine wichtige erzieherische Aufgabe, auch wenn sie u.U. den Unterrichtsablauf stört. Eine Studie der Universität Köln befragte betroffene Lehrerinnen und Lehrer zum Thema. Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift "Empirische Sonderpädagogik".
Spielsucht am Computer ist meist nur eine vorübergehende Erscheinung
Eine repräsentative Längsschnittstudie der Universitäten Hohenheim und Münster legt nahe, dass überraschend wenig Computerspieler dauerhaft ein problematisches Spielverhalten haben. Die negativen Folgen wie Spielsucht seien zudem überschaubar, zumindest für die überwiegende Mehrheit der Spieler, bewertet Projektleiter und Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Thorsten Quandt von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU).
Concerto Rosso: Wehe, der letzte Takt erklingt ...
Die Einschussstelle und der geronnene Blutfleck auf den Tasten. Die Partitur ist geöffnet auf der ersten Seite des Adagio. Die Augen des Opfers starren auf einen Punkt jenseits des Notenblatts. Aus einer Schusswunde hinter dem Ohr tropft ein Blutfaden auf ein Cis, dehnt sich aus und stockt zwischen einem C und einem D. "Entsetzlich," murmelt Lehmann und fügt resolut hinzu: "Das Konzert findet trotzdem statt." Mit "Concerto Rosso" schrieb Pier Luigi Berbotto einen Kriminal-, Musik- und Mysterienroman, der es in Italien zum Bestseller brachte. Die in´s Deutsche übersetzte Fassung vermittelt deutschen Lesern eine mediterrane, unheimliche Atmosphäre, die dem normalen Touristen verborgen bleibt.
Aggression: Reaktiv aggressive Gewalttäter leiden unter einem Wahrnehmungsmangel
Aggression: Warum reagieren einige Menschen auch ohne plausiblen Grund aggressiv und gewalttätig? PD Dr. Petra Retz-Junginger (Universitätsklinikum Hombrug/Saar) identifizierte in einer Studie ausschlaggebende Gründe: Betroffene verfolgen meist grundsätzlich eine feindselige Tendenz; und: Sie sind nicht oder kaum in der Lage, im Gesicht des Gegenüber Angst, Trauer oder Ekel wirklich zu erkennen. Über diese Wahrnehmungsdefizite berichtet die forensische Psychologin in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin".
Zwischen drei und sechs Prozent der Schulkinder leiden an einer ausgeprägten Rechenstörung. Und obendrein, auch das konnten LMU-Forscher jetzt zeigen, haben diese Kinder weit häufiger als bislang angenommen mit einer Legasthenie zu kämpfen.
Frühgeborene haben kein erhöhtes Risiko für eine spezifische Rechenstörung
Zu früh geborene Kinder leiden nicht häufiger an einer Rechenstörung als Kinder, die nach regulärer Schwangerschaftsdauer zur Welt gekommen sind. Das ergaben Analysen der Bochumer Entwicklungspsychologin Dr. Julia Jäkel und ihrer Kollegen - im Gegensatz zu vorangegangenen wissenschaftlichen Untersuchungen. Anders als frühere Studien bezogen die Forscher den IQ der Kinder in ihre Berechnungen mit ein.
Erziehung: Eltern sollten akzeptieren, wenn Kinder Ängste und Verluste erleiden
Erziehung: Dramen des Alltags können riskanten Stress verursachen. Ein Kind "kann" nur noch im Bett der Eltern schlafen, ein anderes Kind macht den Lehrer "fertig", eine Jugendliche reißt dann und wann aus, ein Junge wird mit dem Tod des Vaters nicht fertig ... Die Schwierigkeiten sind meist nicht krankhaft; fast immer sind sie lösbar. Anhand von Fallbeschreibungen bietet Dr. Michael Angermeier (Frechen b. Köln) eine Serie allgemeinverständlicher Lösungshilfen für Problemkinder.
Wissenschaftler untersuchen Rolle der Mediennutzung als mögliche Quelle von Stress und Belastung
Wer kennt das nicht: Nach einem langen Arbeitstag locken Unterhaltungsmedien wie TV oder Computerspiele als willkommenen Gelegenheit zur Entspannung und zum Abschalten. Eine kürzlich im Journal of Communication veröffentlichte Studie von Kommunikationswissenschaftlern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Freien Universität Amsterdam zeigt jedoch mögliche Fallstricke dieser Erholungsstrategie auf: Statt entspannt und erholt fühlten sich insbesondere gestresste und erholungsbedürftige Menschen schuldig angesichts ihrer Mediennutzung in der Freizeit.
Das Experiment: 25 gesunde Probanden wurden mit einem Magnetresonanztomografen getestet. In dem Gerät bekam jede Versuchsperson 14 Filme gezeigt, die zweimal eingespielt wurden: einmal in 2D und einmal in 3D. Die Reihenfolge der 40 Sekunden langen Filme war zufällig und bei jedem Probanden anders. Auch wurden die 2D- und 3D-Filme nicht im Block abgespielt, sondern wahllos zwischen ihnen hin- und hergewechselt. Gezeigt wurden unter anderem eine aufgehende und sich wieder schließende Blüte, ein Fallschirmsprung und eine Achterbahnfahrt. Während die Versuchspersonen die Filme sahen, wurde mit der funktionellen Magnetresonanztomografie ihre Hirnaktivität gemessen.
Vielen Menschen in Deutschland fehlt es an Zeit. Das zeigt eine Studie der Leuphana Universität Lüneburg, die in Kürze in der Fachzeitschrift "Journal of Economic Inequality" erscheint. Die Forscher zeigen darin, dass zu wenig Zeit die Lebenszufriedenheit ähnlich beeinträchtigt wie zu wenig Geld. Sie schlagen daher einen neuen Armutsbegriff vor, der auch den Mangel an Freizeit berücksichtigt. Nach dieser Definition liegt in Deutschland jeder achte Erwerbstätige unter der Armutsgrenze. Bei Alleinerziehenden ist jeder Fünfte betroffen, bei Selbstständigen sogar jeder Dritte.