Wird unsere Gesellschaft zunehmend narzisstischer? Wissenschaftler vermuten einen Anstieg des Narzissmus von Generation zu Generation und sprechen sogar vom Ausbruch einer "Narzissmusepidemie" in unserer Gesellschaft. Ein Forschungsteam von Psychologen um Dr. Eunike Wetzel von der Universität Konstanz überprüfte nun diese Annahme anhand von rund 60.000 Persönlichkeitstests von amerikanischen Studierenden aus drei Jahrzehnten. Die Psychologen kamen zu einem überraschenden Ergebnis: Narzissmus ist in den letzten 25 Jahren nicht etwa angestiegen, sondern ging sogar leicht zurück.
Vegetarisch oder vegan essende Menschen zeigen spezifische Persönlichkeitsmerkmale
In Deutschland ernähren sich einer großen sozialwissenschaftlichen Erhebung zufolge etwa sechs Prozent der Bevölkerung überwiegend oder auch ausschließlich vegetarisch oder vegan. Diese Gruppe von Menschen hat im Vergleich zu FleischesserInnen eine etwas andere Persönlichkeitsstruktur: Sie sind offener für neue Erfahrungen und liberaler, haben ein größeres politisches Interesse und generell größeres Vertrauen in ihre Mitmenschen. Sie sind aber nach eigenen Angaben auch etwas weniger gewissenhaft. Darüber hinaus sind VegetarierInnen und VeganerInnen oder Menschen, die sich hauptsächlich so ernähren, vorwiegend weiblich, jünger und besser gebildet. Das zeigt eine kürzlich veröffentlichte Studie der Mainzer PsychologInnen Tamara Pfeiler und Boris Egloff auf Basis von Daten der für Deutschland repräsentativen Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am DIW Berlin. Die Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift Appetite veröffentlicht.
Demenz: Alzheimer im Frühstadium kann mit Nährstoffkombination stabilisiert werden
Das europäische Forscherkonsortium LipiDiDiet unter Leitung von Professor Tobias Hartmann von der Universität des Saarlandes wird am 31. Oktober im Fachmagazin "The Lancet Neurology" die Ergebnisse einer klinischen Langzeitstudie mit Alzheimer-Patienten veröffentlichen. Die Personen mit so genanntem prodromalem Alzheimer, also dem vordementiellen Stadium der Krankheit, wurden mit einem Nährstoffgemisch behandelt. Sie zeigten in neuropsychologischer Hinsicht im Vergleich zu einer Testgruppe keine Veränderung. Jedoch verbesserten sich ihre kognitiven und funktionellen Leistungen im Alltag signifikant. Auch das Gehirn schrumpfte im Vergleich weniger.
Demenz - Angehörige am Ende ihrer Kräfte: Neun von zehn Pflegenden fordern mehr Unterstützung
Pflegen bis zur Erschöpfung: Wer sich intensiv um demente Angehörige kümmert, ist oft am Ende seiner Kräfte. 59 Prozent geben dies an. Selbst im weiteren Umfeld von Menschen mit Demenz sagt jeder Dritte, oft erschöpft zu sein. Neun von zehn fordern mehr Unterstützung. Außerdem sind 80 Prozent der Deutschen der Meinung, dass sowohl Menschen mit Demenz als auch deren Familien mehr Respekt verdienen. Das geht aus dem aktuellen Pflegereport der DAK-Gesundheit hervor. Der Report zeigt erstmals, dass jeder Fünfte Wohngruppen für die beste Betreuungsform Demenzkranker hält. In Wohngruppen leben jedoch nur knapp zwei Prozent der Betroffenen.
Kinderwunschbehandlung: Wie Frauen nach einer erfolglosen künstlichen Befruchtung leiden
Nach künstlicher Befruchtung werden nur etwa 20% der Frauen schwanger. Betroffene Paare leben häufig mit einem extrem ausgeprägten Kinderwunsch und sind nach einem Misserfolg meist stark frustriert. Dr. Britt Hoffmann befragte Frauen, die sich - oft nach mehrfachen Versuchen - mit der Kinderlosigkeit abfinden mussten; die Wissenschaftlerin identifizierte in ihrer Studie vier unterschiedliche Bewältigungsformen:
In der Ruhe liegt die Kraft. Eine alte Weisheit, die in der heutigen Zeit der allgemeinen Umtriebigkeit, des immer "Höher - Schneller - Weiter" aber offensichtlich nur noch eine Nebenrolle spielt. Die allgemeine Rastlosigkeit wirft dunkle Schatten: Mit verschiedenen "Filtersystemen" unterscheidet unser Gehirn wichtige von unwichtigen Geräuschen. Wenn wir sprichwörtlich "zu viel um die Ohren haben", können die Filtersysteme überlastet sein, und eigentlich irrelevante Geräusche gewinnen an Bedeutung - eine häufige Folge ist Tinnitus.
Freundlichkeit ist wichtiger als Gruppenzugehörigkeit
Obwohl die Schlagzeilen weltweit vor allem von Uneinigkeit und Konflikten beherrscht werden, schließen Menschen seit jeher Freundschaften über Gruppenzugehörigkeiten hinweg. Doch nach welchen Kriterien wählen sie Freunde aus, die einer anderen Gruppe angehören? In Zusammenarbeit mit Gartenbauern aus Bolivien haben Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und der University of California Santa Barbara herausgefunden, dass Menschen sehr ähnliche Kriterien anwenden wie bei der Auswahl von Freunden innerhalb der eigenen Gemeinschaft: In beiden Fällen zählen vor allem individuelle kooperative Eigenschaften. Nur wenn es darum geht, begrenzte Ressourcen aufzuteilen, beeinflussen Gruppeneigenschaften die Wahl.
Wenn Menschen finanziell absteigen und nur noch ein Einkommen unter der Armutsgrenze zur Verfügung haben, führt das dazu, dass sich ihre sozialen Beziehungen verschlechtern. Das belegt nun erstmals eine für Deutschland repräsentative Studie auf Basis der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) am DIW Berlin. Demnach treffen sich in Armut geratene Menschen seltener als zuvor mit Bekannten, Kollegen und Kolleginnen oder Menschen in ihrer Nachbarschaft. Außerdem verändert sich ihr Freundeskreis. Dort finden sich immer weniger Menschen mit einem festen Job. Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift "European Sociological Review" veröffentlicht.
Suchttherapie von Straftätern: Versäumnisse und ungleiche Erfolgschancen
Die Mehrheit der Straftäter leidet unter Suchtproblemen - im Straf- und im Maßregelvollzug. Teilweise ist die Suchttherapie mangelhaft; Experten analysieren derartige gesetzwidrigen Zustände in einem aktuellen Standardwerk: "Gesundheit und Haft", herausgegeben von Dr. Marc Lehmann u.a.. Der ärztliche Direktor des Justizvollzugskrankenhauses Berlin referiert während der Fachtagung "Straf- und Maßregelvollzug mit Suchtproblemen" in Essen (7. November).
Wirtschaftspsychologie: Fairer Umgang bei Kündigungen am wichtigsten
Wirtschaftspsychologie: Kündigungen sind ein unangenehmes Thema: Arbeitgeber müssen den Mitarbeitern, von denen sie sich trennen möchten, die schlechte Nachricht überbringen, für die Gekündigten bedeutet es eventuell eine existenzielle Krise. Trotz aller Notwendigkeit ist das Thema dennoch psychologisch weitgehend unerforscht. Die Doktorarbeit von Manuela Richter von der Saar-Uni zum Thema "Trennungsmanagement" bringt hier Licht ins Dunkel. Die Psychologin hat untersucht, worauf es bei dem heiklen Thema Kündigung ankommt. Nun wurde sie von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie für die beste Dissertation in Deutschland auf dem Gebiet der Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie ausgezeichnet.