Wer unangenehme Gefühle permanent unterdrückt, wird über kurz oder lang krank. Das postulierte bereits Ende des 19. Jahrhunderts der "Vater" der Psychoanalyse Sigmund Freund. Obwohl häufig zitiert und in der Alltagspsychologie mittlerweile fest verankert, stand der wissenschaftliche Beweis für die Richtigkeit dieser These bislang aus. "Die Forschung zum direkten Zusammenhang zwischen der Verdrängung negativer Emotionen und dem Auftreten physischer Symptome und Beschwerden beruht bisher auf vielen teils widersprüchlichen Einzelbefunden", erklärt Prof. Dr. Franz J. Neyer von der Friedrich-Schiller-Universität Jena diese Forschungslücke. Zwar seien Spekulationen vor allem in der populärwissenschaftlichen Literatur weit verbreitet, so der Psychologe. "Doch ob Menschen, die negative Gefühle vermeiden, tatsächlich häufiger unter körperlichen Krankheiten leiden als andere, ist bislang nicht nachgewiesen worden."
Manche Menschen leben getreu dem Motto "no risk - no fun!" und gehen kaum einem Risiko aus dem Weg. Andere verhalten sich deutlich vorsichtiger und setzen bei Kapitalanlagen und sonstigen Geschäften vor allem auf Sicherheit. Wissenschaftler der Universität Bonn untersuchten mit ihren Kollegen der Universität Zürich die Risikoeinstellungen von 56 Probanden. Dabei zeigte sich, dass bei zur Sicherheit neigenden Menschen bestimmte Hirnregionen stärker aktiviert werden. Darüber hinaus unterscheiden sie nicht so deutlich wie die Risikofreudigen, ob eine Situation mehr oder weniger riskant ist als erwartet. Die Ergebnisse sind nun im renommierten "Journal of Neuroscience" veröffentlicht.
Eine neue Studie, die in dem Journal Neuron veröffentlicht wurde, deckt auf, wie das Gehirn Informationen darüber abspeichert, wer in einer Gruppe das Sagen hat. Die Studie, die gemeinsam von Wissenschaftlern des Instituts für Kognitive Neurologie und Demenzforschung der Universität Magdeburg (IKND), des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE, Standort Magdeburg) und der University College London (UCL) durchgeführt wurde, zeigt, dass Menschen zum Lernen von sozialen Rangfolgen einen bestimmten Teil des Gehirns brauchen. Die Größe dieses Gehirnareals sagt voraus, wie gut jemand soziale Rangfolgen lernen und einschätzen kann.
Forensische Psychiatrie und Psychotherapie: Nachteinschluss bedeutet eine willkürliche Behandlungsunterbrechung
Etwa die Hälfte der forensisch-psychiatrischen Kliniken schließt ihre Patienten nachts ein. Für diese Maßnahme werden meist Sicherheitsüberlegungen geltend gemacht. Nach Einschätzung von Dr. Jan Bulla und Professor Dr. Klaus Hoffmann reduziert diese Maßnahme in der forensischen Psychiatrie die Behandlungsmöglichkeiten und widerspricht dem Selbstbild des therapeutischen Personals. Zusätzlich machen die Psychiater (Reichenau) ethische und juristische Bedenken geltend. Die Analyse erschien in Forensische Psychiatrie und Psychotherapie 2/2012.
Why don´t students study? Procrastination, amotivation, teacher-effect, time investment
´Not studying´, although a seemingly straightforward problem, comes in many forms and has a range of potential antecedents. Three new studies investigated the question: Why don´t students study? The Results are published in the abstract-book of the International Conference on Motivation 2012.
Antidepressiva: Deutliche Unterschiede in der Kosten-Nutzen-Relation
Einige Medikamente zur Behandlung schwerer und mittelschwerer Depressionen haben im Verhältnis zu ihrem Nutzen deutlich höhere Preise als andere. Das zeigt die erste Kosten-Nutzen-Bewertung (KNB) der Wirkstoffe Venlafaxin, Duloxetin, Bupropion und Mirtazapin, deren vorläufige Ergebnisse das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) am 19. November 2012 veröffentlicht hat. Der Vorbericht belegt auch, dass die vom IQWiG gewählte Methode der Effizienzgrenze geeignet ist, der Selbstverwaltung fundierte Informationen über den angemessenen Betrag zu liefern, zu dem die gesetzlichen Krankenkassen ein Medikament erstatten. Bis zum 17. Dezember können interessierte Personen und Institutionen Stellungnahmen zu diesem Bericht abgeben.
Therapie eines komplex traumatisierten Kindes: von der Hölle zur Erde
Marco (10) spielt ernstlich das Monster und foltert anhaltend das imaginierte Baby mit Höllenqualen. Das Szenario ist für seine Psychotherapeutin kaum zu ertragen. Marco ignoriert sie und seine Umwelt. Er ist inkubiert in seine Höllenspiele. Er ist komplex traumatisiert. Seine Behandlung gilt als chancenlos - und führt dennoch nach Jahren zu einem guten Ausgang. Die Therapeutin, Andrea Gallasch Stebler, veröffentlicht jetzt ihren "Arbeitsbericht".
Self-Assessment: advantages for students and universities
Vahid Aryadoust and colleagues (Singapore) report on the development and administration of the Academic Listening Self-rating Questionnaire (ALSA) in the leading journal Psychological Test and Assessment Modeling 3/2012. The self-assessment-tool ALSA was developed on the basis of a proposed model of academic listening comprising six related components.
Psychiatry: Research identifies echoes of drug culture in modern music
"There is a broad relationship between drug use and different components of music production and musical preferences. It seems evident that ´there are echoes of drug culture in music´. It is therefore unsurprising that epidemiological research shows up certain patterns of drug use in any group that shares some lifestyle components - including musical preferences", Professor Dr. Alfred Springer (University Vienna/Austria) reports (in his study "Taking drugs to make music to take drugs to?").
Nach einem Konflikt pfeifen Verbündete auf die Solidarität
Ökonomen vom Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen haben jetzt anhand spieltheoretischer Experimente gezeigt, dass die Solidarität unter einst Verbündeten rapide schwindet, sobald es keinen gemeinsamen Gegner mehr zu bekämpfen gilt. Geht es nach dem Ende eines Konfliktes darum, eine Beute aufzuteilen, bekämpfen sich ehemalige Gefährten sogar noch heftiger, als es Fremde tun würden. Bereits während des Konflikts bringen Allianzmitglieder gemeinsam nur halb so viel Einsatz wie ihr Gegner. Wenn sie mit einem späteren Verteilungskonflikt rechnen müssen, fahren sie ihr Engagement sogar noch weiter zurück.
Lehrermobbing: Es wird gemobbt wie im normalen Leben!
Wer geglaubt hat, dass das Mobbing von Lehrkräften am stärksten durch Schülerinnen und Schüler erfolgt, der irrt. Eine umfangreiche Befragung von deutschsprachigen Lehrkräften durch das Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) der Universität in Landau ergab: Im Empfinden der Lehrkräfte sind die direkten Mobbingattacken aus der Sicht der Betroffenen am stärksten seitens der Schulleiter und Schulleiterinnen, gefolgt von den Kolleginnen und Kollegen, den Eltern und den Schülerinnen und Schüler der eigenen Klasse.
Bei einem Flirt kommen sich Frau und Mann nahe. Die "soziale Distanz" sorgt aber dafür, dass sie dabei einen gewissen räumlichen Abstand einhalten. Forscher unter Federführung der Universität Bonn untersuchten, ob sich diese Distanz durch das Bindungshormon Oxytocin verringern lässt. Das genaue Gegenteil war der Fall: In Partnerschaften gebundene Männer hielten unter Oxytocin-Einfluss sogar eine größere Distanz zu attraktiven Partnerinnen ein als die Kontrollgruppe. Die Studie ist nun im renommierten "Journal of Neuroscience" erschienen.