Fatigue-Risiko versechsfacht: Schädel-Hirn-Trauma verursacht häufig krankhafte Müdigkeit
Nach einem Schädel-Hirn-Trauma (SHT) leiden mehr als 60 Prozent der Patienten an ausgeprägter Müdigkeit, dem sogenannten Fatigue-Syndrom. Therapien gegen die krankhafte Erschöpfung nach einer SHT sind bisher weitestgehend unbekannt. Klinische Neurophysiologen untersuchen Betroffene daher im Schlaflabor. Als Ursachen des erhöhten Fatigue-Risikos nach einem SHT stehen Depressionen, Angstzustände und Schlafstörungen zur Debatte. Neue Studien weisen darauf hin, dass auch ein verkürzter REM (Rapid Eye Movement)-Anteil im Schlaf und eine verminderte Melatonin-Produktion eine Rolle spielen könnten. Eine Therapie mit diesem Hormon kombiniert mit einer Verhaltenstherapie oder einer Lichttherapie, halten Experten der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN) daher für vielversprechend.
Kognitive Verhaltenstherapie: Traum und Alptraum als Ausgangspunkte für Veränderungen nutzen
Depressive und posttraumatisch belastete Patienten leiden häufig unter Alpträumen. Wieweit der Alptraum in diesen Zusammenhängen ein Symptom oder eine eigenständige Erkrankung ist, scheint bisher unklar. Deutlich ist jedoch: Eine spezifische Alptraum-Therapie kann sich auch auf die Depression und die posttraumatische Belastungsstörung günstig auswirken. Dr. Johanna Thünker und Prof. Dr. Reinhard Pietrowsky berichten Details in Verhaltenstherapie & Verhaltensmedizin 3/2012.
Klinische Philosophie: Hoffnung und Selbstheilungskräfte stimulieren
Kein Geringerer als Emanuel Kant hat postuliert, die Philosophie besitze die Potenz eines "Arzneimittels" für die Seele. Doch inzwischen ist die Philosophie aus derlei Anwendungsbezügen zurückgedrängt; Psychiatrie, Psychologie und Sozialarbeit haben das Feld besetzt. Den Philosophen und Therapeuten Dr. Martin Poltrum hat dies nicht ruhen lassen. Im Anton Proksch Institut in Wien - der größten Suchtklinik Europas - betreibt er "klinische Philosophie". Sein europaweit einmaliges Therapiekonzept kann inzwischen überzeugende Erfolge vorweisen.
Das Glückshormon Dopamin stärkt das Langzeitgedächtnis. Dies hat ein Team unter der Leitung von Prof. Emrah Düzel, Neurowissenschaftler am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, festgestellt. Die Forscher untersuchten Probanden im Alter zwischen 65 und 75 Jahren, denen eine Vorläufersubstanz von Dopamin verabreicht wurde. In einem Gedächtnistest schlossen diese Personen besser ab als eine Vergleichsgruppe, die ein Scheinpräparat zu sich genommen hatte.
Forensische Psychiatrie und Psychotherapie: Increasing oxytocin-levels contraindicated in sexual offenders
"The high oxytocin levels we have found in one third of our population were also present in the subpopulation of sex offenders. This has implications for future (treatment) research", J.A. Troelstra and W.J. Smid (Utrecht/NL) report (in Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, Supplement 1/2012).
Psychoanalyse: Die Identität der Juden liegt in ihrer einzigartigen Heterogenität
"Wie können sich Juden ihrer eigenen Heterogenität überantworten?" fragt Uri Kuchinsky (Düsseldorf) und resümiert: "Indem sie JA sagen zur einzigartigen Heterogenität ihrer Existenz - und zugleich eine Essenz des Jüdischen beibehalten, z.B. eine sich immer wieder erneuernde Subversität, den Drang, Vertrautes und Gewusstes in Frage zu stellen, Denkgewohnheiten (auch die Eigenen) gegen den Strich zu bürsten." In "Psychoanalyse" 1/2012 reflektieren Kuchinsky und Kollegen das Thema Jüdische Identitäten.
Psychological Test and Assessment Modeling: New developments in Configural Frequency Analysis (CFA)
Mark Stemmler and Alexander von Eye (Guest Editors) present the last part of the special topic on Configural Frequency Analysis (CFA) in Psychological Test and Assessment Modeling 3/2012. This part includes three articles which represent again further developments and sample applications of the statistical method of CFA.
Forscher am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften haben nun die neuronalen Grundlagen dieses Phänomens näher untersucht. Sie konnten zeigen, dass Wörter und Lippenbewegungen einander umso besser zugeordnet werden, je größer die Aktivität in einer bestimmten Region im Schläfenlappen des Gehirns ist. Im oberen temporalen Sulcus werden visuelle und auditive Informationen miteinander verknüpft.
Forensische Psychiatrie und Psychotherapie: künftig Therapievorbereitung im Strafvollzug
"Die strikte Trennung zwischen psychiatrischem Maßregelvollzug und Strafvollzug im Rahmen der Zweispurigkeit des deutschen Strafrechtssystems erscheint nicht mehr zeitgemäß angesichts der hohen Prävalenz psychischer Störungen unter den Gefangenen sowie der mangelnden empirischen Fundierung des Schuldfähigkeitskonstrukts." Vor diesem Hintergrund fordert Prof. Dr. Norbert Konrad (Charite Berlin) eine Durchlässigkeit zwischen den forensischen Systemen. In der aktuellen Ausgabe von "Forensische Psychiatrie und Psychotherapie" belegt der Psychiater seine detaillierte Argumentation.
Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung ist Vergessen nicht immer nur eine Schwäche oder Fehlfunktion des Gedächtnisses, sondern manchmal auch ein willentlicher Akt des Gehirns: In einer aktuellen Studie konnte der Psychologe Dr. Simon Hanslmayr, Fellow des Zukunftskollegs der Universität Konstanz, die Steuerungsprozesse des Gehirns nachweisen, mit denen das Gedächtnis willentlich irrelevante Informationen ausblendet und durch neue Informationen ersetzt.
Semantic memory retrieval processes in dual-tasks require access to central capacity resources and are subject to attentional capacity limitations, Dr. Rico Fischer (Dresden) observed in his study.
Diskussion über Jugendgewalt bei Maybrit Illner: Intensivtäter und Hilfsindustrie sind schwach
Die Diskussion um Jugendgewalt bei Maybrit Illner hat wieder verdeutlicht, wie frühzeitig bei jungen Menschen Aggressivität beachtet und - pädagogisch oder therapeutisch - behandelt werden sollte. Von einem gewissen Stadium und Alter an seien bei Intensivtätern alle Bemühungen um Gewaltprävention fast aussichtslos, beklagte Güner Balci bei Maybrit Illner. Und Polizeigewerkschafter Rainer Wendt bemängelte das Fehlen jeder Qualitätskontrolle in der Präventionsarbeit; hier konsumiere eine "Hilfsindustrie" unkontrolliert Steuergelder - allein in Berlin mehr als 400 Millionen Euro jährlich.