Private Krankenversicherungen lehnen die Finanzierung einer Suchtbehandlung grundsätzlich ab. Das "Jahrbuch Sucht 2015" kritisiert die Diskriminierung als "existenzbedrohend" und weist darauf hin, dass Suchttherapie chronische Folgeerkrankungen verhindern kann. Die anfängliche Einsparung löst damit eine überproportionale Kostenlawine aus. Die Problematik betrifft ca. 250.000 suchtkranke Privatversicherte in Deutschland.
Die erste feste Beziehung macht glücklich - verändert aber kaum die Persönlichkeit
Eine aktuelle Studie zeigt: Die erste Beziehung, die ein junger Mensch eingeht, erhöht zwar klar dessen Lebenszufriedenheit, verändert seine Persönlichkeit aber nur wenig. Forscher der Universitäten Kiel und Tübingen verglichen die Entwicklung der Persönlichkeit und der Lebenszufriedenheit von 312 jungen Erwachsenen, die im Laufe von vier Jahren ihre erste Beziehung eingingen oder Single blieben. Sie fanden nur geringe Einflüsse der ersten Partnerschaft auf die Persönlichkeit und das Selbstwertgefühl.
Anspruchsvolle Tätigkeiten im Beruf wirken sich auch noch im Alter positiv aus. Das geht aus einer Studie der Universität Leipzig hervor, die jetzt in der amerikanischen Fachzeitschrift "Neurology" veröffentlicht wurde und internationale Beachtung findet.
Angstforschung: Mehrere Signalstoffe und -wege steuern angeborenes Fluchtverhalten
Die Nase nimmt nicht nur Düfte wie von Rosen oder Orangen wahr, sondern auch chemische Botenstoffe wie Kairomone. Sie spielen im Tierreich eine Rolle und werden etwa von Katzen, Wieseln und anderen Raubtieren abgesondert. Bei Beutetieren wie Mäusen lösen sie ein angeborenes Fluchtverhalten aus. Forscher der Saar-Uni haben untersucht, wie drei dieser Stoffe im Gehirn verarbeitet werden. Für sie gibt es jeweils einen eigenen Signalweg. Erst in zwei Hirnregionen, der Amygdala und dem Hypothalamus, fließen die Informationen zusammen. Beim Menschen steuern diese Areale zum Beispiel Gefühle wie Angst. Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift "Current Biology" veröffentlicht.
Rache kann süß sein! Warum auch die Rache gegen Unbeteiligte Genugtuung verschaffen kann
Psychologen der Universität Marburg zeigen: Rache kann selbst dann "süß" sein, wenn sie gegen eine unbeteiligte Person gerichtet ist - allerdings nur, wenn diese Person und der ursprüngliche "Täter" einer gemeinsamen Gruppe angehören. In drei Untersuchungen mit mehr als 300 Teilnehmern untersuchten die Forscher Rachehandlungen an Tätern und Stellvertretern. Die Ergebnisse der Studien wurden im "Journal of Experimental Social Psychology" veröffentlicht.
Hilfe für Kinder drogenkranker Eltern: Chirurgen fordern verbesserte Kinderschutzstrukturen an Kliniken
Hierzulande leben etwa 2,6 Millionen Kinder in Familien mit einem suchtkranken Elternteil - geschätzte 30 000 von ihnen haben drogenabhängige Eltern. Diese Kinder sind gefährdet, seelisch, psychisch und sozial Schaden zu nehmen, später selbst an einer Sucht zu erkranken oder auch Opfer von physischer Gewalt zu werden. Kinderchirurgen kommen mit diesen Kindern in Kontakt, etwa wenn sie ein verletztes Kind behandeln - und sollten dann Hilfestellungen im Sinne des Kindes einleiten. Jedoch mangelt es in vielen Krankenhäusern an geeigneten Strukturen, die sich dieser Familienproblematik annehmen könnten. Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) fordert deshalb deutschlandweit interdisziplinäre Kompetenzstrukturen für den Kinderschutz in und um Kinderkliniken. Die DGKCH macht dies deutlich anlässlich der 7. wissenschaftlichen Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Kinderschutz in der Medizin vom 8. bis 9. Mai 2015 in Dresden.
Weniger Stress und höheres Wohlbefinden in der Grundschule durch Einführung des Elterngesprächs
Das Ersetzen der verbindlichen Grundschulempfehlung durch das beratende Elterngespräch in Baden-Württemberg seit 2012 erhöht bei Mädchen in der vierten Klasse das Wohlbefinden. Dies haben Forscher der Pädagogischen Hochschulen Schwäbisch Gmünd und Karlsruhe in einer wissenschaftlichen Studie herausgefunden, die jetzt in der Fachzeitschrift "Psychologie in Erziehung und Unterricht" veröffentlicht wurde.
Psychologie und Gesellschaftskritik: wenig Kinderrechte, wenig Kindeswohl im Familiengericht
Psychologische Gutachten am Familiengericht beschränken sich in aller Regel auf die Frage: Welchem Elternteil sollte bei einer Trennung das Sorgerecht für das Kind zugesprochen werden? Privatdozent Dr. Günter Rexilius (Rheydt) sieht in diesem Standard keine Wahrung des Kindeswohls. Denn: "Die fachliche Arbeit in Trennungs- und Scheidungssituationen muss in allererster Linie die Aufgabe haben, die betroffenen Kinder vor dem Zerreißen des sozialen Netzes, das ihnen Sicherheit und Orientierung gibt, zu schützen."
Wirtschaftspsychologie: Home-Office - reichlich Nutzen, wenig Nutzung
Wirtschaftspsychologie: Zeitlich und örtlich flexibles Arbeiten bietet viele Vorteile - für Angestellte und ihre Angehörigen, für Arbeitgeber und ihre Produktivität. Doch die Möglichkeiten werden wenig genutzt; in Deutschland sind flexible Arbeitsmodelle während der letzten Jahre eher zurückgegangen. Warum? Wie lässt sich die Flexibilisierung im Interesse aller Beteiligten stärker nutzen? Die Professoren Hartmut Schulze, Jens O. Meissner, Johann Weichbrodt und Kollegen bieten in der aktuellen Ausgabe der unabhängigen Fachzeitschrift "Wirtschaftspsychologie" einen wissenschaftlich fundierten Überblick.
Wohnungsnot: Wie Sozialbehörden Rechte von Obdachlosen missachten
Etwa 250.000 Menschen in Deutschland sind obdachlos. Eine weitere, wesentlich größere und wachsende Bevölkerungsgruppe lebt in prekären, oft gesundheitsgefährlichen Wohnverhältnissen. Regelmäßig verweigern zuständige Behörden den Betroffenen die Erfüllung elementarer Rechtsansprüche, kritisiert Rolf Keicher, Vorstandsmitglied der Evangelischen Obdachlosenhilfe e.V. In seinem Beitrag zum Reader "Deutschland morgen - Visionen der Zukunft" postuliert er keine sozialen Wohltaten; er beschränkt sich auf die Forderung, gesetzeskonform zu handeln.
Horror auf Rädern: Autofahrphobie mit Verhaltenstherapie überwinden
Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin: Angst vor dem Autofahren kann pathologische Ausmaße annehmen und Betroffene daran hindern, sich jemals wieder ans Steuer zu setzen. Die Autofahrphobie ist jedoch erfolgreich behandelbar. Susanne Horn und KollegInnen berichten in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin" detailliert über eine Frau, die ihre Ängste dank Verhaltenstherapie überwand und inzwischen wieder unbeschwert ihren Wagen steuert.
Das Gedächtnis braucht seinen Schlaf, er festigt die Lerninhalte des vergangenen Tages. Forscher haben auch Möglichkeiten gefunden, die Schlafphasen zu beeinflussen und dadurch die Gedächtnisleistungen zu verbessern. In zwei voneinander unabhängigen Studien haben Forscherinnen und Forscher um Professor Jan Born vom Institut für Medizinische Psychologie der Universität Tübingen nun überprüft, wo die Grenzen des Lernens im Schlaf liegen: Neu erlernte motorische Fertigkeiten, so ergab die eine Studie, lassen sich durch eine Schlafphase stabilisieren, nicht jedoch weiter steigern. Die zweite Studie bestätigte, dass gezielt gesetzte akustische Signale im Schlaf die Leistungen beim Merken von Inhalten verbessern können, zeigte aber auch, dass dieser Effekt nicht beliebig gesteigert werden kann. Beide Studien erscheinen in der aktuellen Ausgabe von "The Journal of Neuroscience".