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Nach dem Überleben im KZ: Schuldgefühle und ein traumatisches Erbe

Der Überlebende eines Konzentrationslagers ist Zeuge der Vernichtung, der er selbst entkommen war. Insofern enthält sein Zeugnis auch einen blinden Fleck, eine Leerstelle. Er kann nicht von der Vernichtung selbst berichten und nicht das eigentliche Zeugnis ablegen. Diese Unmöglichkeit äußert sich in einer Qual für Überlebende: immer wieder sprechen müssen, vielleicht unter Schuld oder Scham leiden, analysiert Univ.-Doz. Dr. Markus Zöchmeister (Wien) in seiner Studie mit Shoah-Überlebenden und ihren Nachkommen. Die Untersuchung erschien in der Fachzeitschrift "Psychologie und Gesellschaftskritik".

"Die traumatische Vergangenheit dringt unscheinbar und eher zufällig, alltäglich auch in die Psyche der Nachgeborenen, nistet sich darin ein und erzeugt ein Gefühl, als ob sie immer schon dagewesen wäre," berichtet Zöchmeister. In seinen Interviews "konnte kein Nachgeborener sagen, wann ihm zuerst bewusst geworden wäre ... Nein, es war immer schon da, es war ein atmosphärisches Wissen. Es schien so, als gäbe es keine Träger dieses Wissens, keine Objekte, die es transportierten. Zudem gab es manchmal keine oder nur sehr spärliche Erzählungen darüber. Trotzdem beharren die Nachgeborenen auf diesem Wissen ..."
 
"Dieses ort- und zeitlose Wissen ist verbunden mit dem Gefühl des Unheimlichen; es ist ebenso rätselhaft wie gewiss; es stellt sich als absolut Fremdes dar, aber gleichzeitig bezeichnet es das Ureigenste der Person. Oft beschreiben die Nachgeborenen die Überlebensgeschichte in ihrer Familie, die ihrer Existenz vorangegangen war, als einen unheimlichen, verbotenen Ort. Es gab eine Ambivalenz, die mit diesem Wissen einherging. Einerseits bedeutete es eine Gewissheit, andererseits blieb es radikal fremd und tabu. Einerseits waren die Kinder von der Erfahrung ausgeschlossen, anderseits war es so, als hätten sie die Erfahrung selbst erlebt ..."




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