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Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR): Stresskompetenz-Training BUSKO - Wirksamkeit bestätigt

Arbeitsausfälle und Frühberentungen wegen psychischer Erkrankungen nehmen stetig zu. Die deutsche Rentenversicherung forciert daher verstärkt die Erweiterung der medizinischen Rehabilitation um berufliche Aspekte (MBOR). Das Stresskompetenz-Training BUSKO der Klinik Werra, Klinik für Orthopädie und Verhaltensmedizin, Bad Sooden-Allendorf, ist ein Beispiel für solch ein beruflich ausgerichtetes Interventionsprogramm. In der Zeitschrift "Praxis Klinische Verhaltensmedizin & Rehabilitation" berichten Dr. Dieter Küch und Kollegen erste Ergebnisse zur Wirksamkeit des Programms bei Patienten mit besonderen beruflichen Problemlagen.

Ein Großteil der Rehabilitationspatienten in Deutschland  ist durch besondere berufliche Problemlagen gekennzeichnet. Einer aktuellen Studie zufolge weisen mehr als 50% der Patienten in orthopädischen Rehabilitationskliniken Schwierigkeiten in Bezug auf den Arbeitsplatz auf (Küch et al. 2011). Dauerüberlastung, Mobbing, Angst um den Arbeitsplatz oder lange Arbeitslosenzeiten sind nur einige Beispiele für die Probleme, denen sich Arbeitnehmer in Zeiten von Arbeitsverdichtung, Niedriglöhnen und zunehmendem globalen Wettbewerb stellen müssen.

"Die chronische Überlastung wird zur Normalität", sagt Dr. Dieter Küch, Psychotherapeut an der Klinik Werra und Entwickler des BUSKO Stresskompetenz-Trainings. Mit dem Programm BUSKO ("Beruf und Stresskompetenz") strebt der engagierte Psychotherapeut eine vermehrte Ausrichtung der psychologischen Programme in Prävention und Rehabilitation auf die psychosozialen Belange der heutigen Arbeitswelt an.

"Arbeitsplatzbezogener Stress lässt sich grundsätzlich durch […] verhaltensorientierte Maßnahmen bearbeiten", erläutert Küch. So könne die individuelle berufliche Stresskompetenz durch den Erwerb von Fertigkeiten wie Problemlösestrategien, Zeitmanagement und soziale Kompetenz ("instrumentelle Stresskompetenz"), das Wissen um Stress und die eigenen Anteile am Stressgeschehen ("mentale Stresskompetenz") sowie durch die Fähigkeit zu ausgleichenden Aktivitäten wie Entspannung, Bewegung, soziale Kontakte und Hobbies ("regenerative Stresskompetenz") gefördert werden. Das BUSKO Stresskompetenz-Training soll Teilnehmer in ebendiesen Stressbewältigungsfähigkeiten bestärken und liegt in zwei Varianten vor: BUSKO-KOMPETENZ und BUSKO-BALANCE.

Küch und Kollegen führten die verschiedenen Varianten des Programms bei Patienten mit beruflichen Problemlagen in der Klinik Werra durch und testeten sie auf ihre Wirksamkeit. Ihr Hauptaugenmerk: Wie werden Programme zur beruflichen Stresskompetenz wie BUSKO von der adressierten Patientengruppe angenommen? Sind die Programme in der Lage, kurz- und langfristige Veränderungen im Umgang mit Arbeitsbelastungen zu bewirken? Und: Ist ein intensives  Stressbewältigungstraining, welches hauptsächlich auf instrumentelle und mentale Bewältigungsmechanismen abzielt (BUSKO-KOMPETENZ), einem vorrangig auf regenerative Stressbewältigungskompetenz ausgerichteten Training (BUSKO-Balance) überlegen?

Insgesamt nahmen 223 Patienten der Klinik Werra an je einer Variante des BUSKO-Stresskompetenz-Trainings teil, die unter Mithilfe von Psychologiestudierenden der Hochschule Madgeburg-Stendal durchgeführt wurden. Zu drei Messzeitpunkten (unmittelbar vor dem Training, unmittelbar nach dem Training sowie 12 Monate nach Abschluss des Trainings) erhob die Gruppe um Dr. Dieter Küch eine Vielzahl von Variablen zur Spezifizierung der arbeits- und berufsbezogenen Situation (u.a. Würzburger Screening, AVEM, Items zu Gratifikationskrisen und Überbeanspruchung, Brief Symptom Inventory, Fragebogen zum Gesundheitszustand sowie Items zur Wirkung auf kognitiver Ebene und zur formativen Evaluation).

Die berichteten Ergebnisse sind vielversprechend. So fanden Küch et al. zunächst einen Beleg dafür, dass psychologische Interventionen mit Berufsbezug  - entgegen der vielfach vorgebrachten Befürchtung, diese Programme könnten auf starken Widerstand bei den Patienten stoßen -  im Rahmen der vorliegenden Untersuchung durchweg gut angenommen wurden. Einige der eingesetzten Diagnostik-Verfahren wurden zudem von den Patienten als außerordentlich hilfreich bewertet und erwiesen sich damit als geeignete Instrumente für die Trainingsdurchführung.

Doch sind Programme wie BUSKO zur beruflichen Stresskompetenz im Rahmen der Rehabilitation auch tatsächlich wirkungsvoll?

Küch bejaht diese Frage. Die Ergebnisse seiner Studie machen Mut.

"Insgesamt zeigen sich weitgehend positive Wirkungen beider Stresskompetenztrainings", so Küch. "Die ursprünglich erwartete Überlegenheit des Intensivprogramms BUSKO-KOMPETENZ war an verschiedenen Stellen sowohl kurzfristig als auch langfristig erkennbar. Es scheint sich zu lohnen, ein für die Verhältnisse der somatischen Rehabilitation doch recht zeitintensives Training anzubieten", folgert der Kliniker angesichts der Ergebnisse und macht sich für die Implementierung von psychologischen Nachfolgeprogrammen in der somatischen Rehabilitation stark: "Maßnahmen mit hohem Selbsterfahrungsanteil und komplexen Übungseinheiten erfordern mehr als eine einmalige Darbietung und Durchführung. […] Die intensive Bearbeitung von Konflikten und Problemen als instrumentelle Stresskompetenz […] kann langfristig vermutlich nur durch wiederholtes Üben und Anwenden erhalten werden. Hier liegt sicherlich noch ein Defizit."

Dennoch, die Ergebnisse der Studie stimmen optimistisch; lassen Patienten wie Praktiker hoffen. Das Stresskompetenz-Training BUSKO zeigt beispielhaft, wie berufliche Problemlagen im Rahmen der MBOR erfolgreich bearbeitet werden können. LKZ


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