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Künstlerische Therapien im Alter: Bildbetrachtung kann Türen öffnen

Die Betrachtung von Kunstwerken kann als wesentlicher Bestandteil einer Psychotherapie dienen. In mehreren Arbeiten hat Professor Dr. Georg Franzen die Wirksamkeit der rezeptiven Kunsttherapie belegt. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Musik-, Tanz- & Kunsttherapie (1/25) konkretisiert er die tiefenpsychologischen Wirkungen anhand des Gemäldes "Die Toteninsel" von Arnold Böcklin.

"Das Bild ist stark autobiographisch geprägt; das Thema Tod spielte sowohl in Böcklins Leben als auch in seinen Werken immer eine bedeutende Rolle. Er verlor acht seiner vierzehn Kinder; er erkrankte an Typhus und erlitt einen Schlaganfall. Er bewältigte mit dem Bild die eigene Trauer. Der Tod als ´sanftes Gleiten´ dargestellt, übertönt zugleich reale körperliche Schmerzen und Traumatisierungen durch die Kriege. Postkarten mit der ´Toteninsel´ waren während des Ersten Weltkriegs weit verbreitet. Dadurch war es möglich, die realen Schrecken des Krieges zu transzendieren, und tatsächlich war dies eine Hilfe für die Trauernden," schreibt Franzen.

"Das Kunstwerk kann über eine Interaktion mit dem Selbst der BetrachterInnen die Funktion eines fördernden Selbstobjekts übernehmen und hierbei die Entfaltungs- und Entlastungsmöglichkeit des Selbst unterstützen. Auch ein Zugang zu verschütteten Ressourcen wird hierbei möglich. Der subjektive Aspekt einer Beziehung zu einem unbewussten Objekt wird durch die Anwesenheit eines Symbols vermittelt. Dies ist ausschlaggebend dafür, dass dieses Objekt als Selbstobjekt dienen kann..."

"Die Szenerie der Toteninsel ist mythischer Ort und heiliger Raum zugleich, die Natur selbst wird zum Grabmal erhoben. Die Insel ist nach antiker Sage ein Ort, an dem Helden Unsterblichkeit erlangen. ... Die Ängste vieler Patienten steigen - auch in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod. Hier kann die Arbeit mit Kunst, Musik, Tanz, Kreativität eine wichtige Ressource sein, um sich dem Todesthema anzunähern. Die Arbeit mit dem Bild kann hilfreich sein, um das Unsagbare zu verbalisieren, aber auch die Offenheit für spirituelle Themen, um den Übergang zu ermöglichen. Und das Bild ist ein Trostbild, öffnet den relationalen Raum für neue Möglichkeiten, Abschied und Neubeginn ..."

Wie weit der Raum ist, verdeutlicht Professor DDr. Karl Hörmann in der gleichen Ausgabe der Zeitschrift mit seinem Beitrag "Tontherapeutische Rezeption von Kompositionen zu Böcklins ´Toteninsel´".

 

In: Musik-, Tanz & Kunsttherapie 1/2025.
Themenschwerpunkt "Künstlerische Therapien im Alter"
Pabst, 
Print:  ISSN 0933-6885, PDF ISSN 0933-6885

https://www.psychologie-aktuell.com/journale/mtk/bisher-erschienen/inhalt-lesen/2025-1-2.html
 

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