Inhaltsverzeichnis
Editorial
Karl Hörmann
Einleitung – BKT-Tagung 2024
Katja Watermann
Begegnungen mit dem Ich: Menschen über 60 Jahre und ihr Erleben des Flamencos
Laura Bettag
Böcklins „Toteninsel“ – Zum symbolischen Erleben in der Kunst
Georg Franzen
Tontherapeutische Rezeption von Kompositionen zu Böcklins „Toteninsel“
Karl Hörmann
Rezeptive Künstlerische Tanztherapie mit stark bewegungseingeschränkten und teilweise dementen Senioren
Yolanda Bertolaso
Künstlerische Therapien im Alter
Wolfgang Mastnak
Ausdrucksmöglichkeiten symbolischer Bewegung in der psychotherapeutischen Arbeit – zur Bedeutung des kunsttherapeutischen Prozesses mit über-60-jährigen Patientinnen (Teil 1)
Marion Tacke
Versuch über die Ur-Theatralität des Spektakels mit Bezug zu neuen internationalen Theaterproduktionen bis zu den „Performing arts“ unter Einbezug der Theatralitätsperspektive
Enrico Otto
Die Funktionalität des Rollenstudiums im nicht-professionellen Theaterbereich
Enrico Otto
Digitalisierung in Musiktherapie
Lothar Schön
Laudatio Barbara Wichelhaus
Karl Hörmann
Rezensionen
Hans Brög (Hrsg.)
Barbara Wichelhaus – Photos
Berthold Büchele
Musik in Oberschwaben. Ein geschichtlicher Überblick
Editorial
Karl Hörmann
Einleitung – BKT-Tagung 2024
Katja Watermann
Begegnungen mit dem Ich: Menschen über 60 Jahre und ihr Erleben des Flamencos
Laura Bettag
Zusammenfassung
Ältere Menschen tanzend auf der professionellen Bühne zu zeigen, erlangte in den 1990er Jahren mit der Gründung des Nederlands Dans Theater III weitreichende Beachtung. Menschliches Ausdrucksvermögen über die gesamte Lebensspanne tänzerisch darzustellen, führte zu innovativen Formaten und partizipativen Produktionen mit Tanzenden ab 60 Jahren. Themen der Altersdiversität fanden auch im Flamenco Resonanz. Die Flamencotänzerin La Chana (* 1946) stellte durch Auritte im Sitzen unter Beweis, dass gerade im Flamenco die körperliche Verfasstheit allein nicht entscheidend für seine Wirkung sein muss. Welchen Zugang zu eigenen Potenzialen und Ressourcen das Flamencotanzen auch für nicht professionell Tanzende im Alter erönen kann, wurde 2024 mittels einer qualitativen Inhaltsanalyse untersucht. Schülerinnen (n = 17) einer deutschen Flamencoschule im Alter von 60 bis 82 Jahren betrachten es als Herausforderung, sich in altersgemischten Kursen an dem Schulprogramm zu beteiligen. Dies dient vorrangig der Selbstvergewisserung ihrer allgemeinen Lebensrealität und ist weitgehend unabhängig vom Alterungsprozess. In der Schweiz und Spanien entwickelten sich speziªschere Formate, die sich gezielt mit der individuellen Situation älterer Menschen beschäigen. Sie reichen von der rezeptiven Musik- und Tanztherapie bis zur Flamencoterapia für benachteiligte Gruppen mit körperlichen, psychischen und sozialen Einschränkungen. Seit 2019 befasst sich an der Universität Granada ein Projekt des Entwicklungspsychologen und Geriaters José Cabezas mit der systematischen Nutzung des Flamencos in großen, oenen Gruppen von Menschen ab 50 Jahren. Dies soll sozialer Isolation und Vereinsamung entgegenwirken, um die negativen Auswirkungen physischer und psychischer Beeinträchtigungen im Alter nicht zu erhöhen.
Schlüsselwörter: Tanz im Alter, Flamenco, Flamencotherapie, ethnische Tänze
Encounters with the self: people over 60 and how they experience Flamenco
Abstract
The practice of showing older people dancing on a professional stage became widespread in the 1990s with the founding of the Nederlands Dans Theater III. The presentation of human expressiveness across the entire lifespan in dance led to innovative formats and participatory productions with dancers aged 60 and up. Themes of age diversity also found resonance in ¡amenco. Flamenco dancer La Chana (born 1946) proved by performing while seated that physical condition alone is not crucial to the eect of, in particular, ¡amenco. In 2024, a qualitative content analysis was used to examine the access to one's own potential and resources that ¡amenco dancing can also open up for nonprofessional dancers in old age. Students (n = 17) at a German ¡amenco school, aged 60 to 82, see it as a challenge to participate in the school program in mixed-age classes. This primarily serves to aºrm their general reality of life and is largely independent of the aging process. In Switzerland and Spain, more speciªc programs have been developed that speciªcally address the individual situation of older people. These programs range from receptive music and dance therapy to ¡amenco therapy for disadvantaged groups with physical, mental and social limitations. Since 2019, a project at the University of Granada led by the developmental psychologist and geriatrician José Cabezas has been working on the systematic use of ¡amenco in large, open groups of people aged 50 and up. The aim is to counteract social isolation and loneliness so as not to increase the negative eects of physical and mental impairment in old age.
Keywords: dance in old age, ¡amenco, ¡amenco therapy, ethnic dances
Dr. Laura Bettag
Dr. Sportwiss., dipl. Tanztherapeutin
MA Kulturmanagement, MHFA -Instruktorin
Billerbecker Straße 26
D-48653 Coesfeld
dr.laurabettag@posteo.de
Böcklins „Toteninsel“ – Zum symbolischen Erleben in der Kunst
Georg Franzen
Zusammenfassung
Der plötzliche Tod des Ehemannes von Marie Berna war der Anlass, „ein Bild zum Träumen“ im Frühjahr 1880 bei Arnold Böcklin in Aurag zu geben. Der Künstler nahm diesen Aurag an und entwickelte in der Folge das Toteninsel-Motiv. Besonders Maler wie Arnold Böcklin verstanden es, das ausgehende 19. Jahrhundert „als Zeitalter des Übergangs“ seismographisch in ihren symbolischen Bildwelten zu erfassen. Erfasst wurden Themen im „Grenzbereich zwischen Traum und Realität, zwischen Unbewussten und Bewussten“. Aber auch das Unheimliche und Unfassbare fand Raum in Gestaltungen, die zugleich imaginativ anmuten. Dargestellt wird ein kunstpsychologischer Zugang zum Gemälde, das als eines der wichtigsten Werke des Symbolismus gilt.
Schlüsselwörter: Symbolismus, Kunstpsychologie, Arnold Böcklin, Toteninsel
Böcklin’s ‘Isle of the Dead’ – On the symbolic experience in art
Abstract
The sudden death of Marie Berna’s husband was the reason to commission Arnold Böcklin to paint ‘a picture to dream about’ in the spring of 1880. The artist accepted the commission and subsequently developed the ‘Isle of the Dead’ motif. Painters like Arnold Böcklin in particular were able to capture the late 19th century as an era of transition in their symbolic imagery. They captured themes in the ‘border area between dream and reality, between the unconscious and the conscious’. But the uncanny and incomprehensible also found space in designs that also appear imaginative. An artpsychological approach is depicted in the painting, which is considered one of the most important works of Symbolism.
Keywords: Arnold Böcklin, Isle of the Dead, symbolism, art psychology
Univ.-Prof. Dr. Georg Franzen
Psychologischer Psychotherapeut,
Kunstpsychologe, Psychoanalytiker.
Departmentleiter Psychotherapiewissenscha
Ausbildungsleitung Kunsttherapie
Sigmund Freud PrivatUniversität Berlin
Columbiadamm 10
D-12101 Berlin
drgeorgfranzen@gmail.com
Tontherapeutische Rezeption von Kompositionen zu Böcklins „Toteninsel“
Workshop auf dem Jubiläumssymposion anlässlich der Gründung des BKT am 16. April 1984 „Künstlerische Therapien im Alter“ am 20. April 2024 in der Universität Münster
Karl Hörmann
Zusammenfassung
Dieser Beitrag berichtet von dem auf dem Jubiläumssymposion des BKT g.e.V. gehaltenen Referat. Weil Musikvideos zum Hineinhören in die vorgestellten Vertonungen von Gemälden „Die Toteninsel“ von Arnold Böcklin nicht beschleunigt werden können, ohne dass die Musik verzerrt und damit sinn- und gehaltentstellt zu ertragen wäre, sind hier Überlegungen wiedergegeben, die aufgrund der beschränkten Zeitvorgaben allenfalls angedeutet werden konnten. Um ein persönliches Angesprochensein von Musik zu erreichen, wurden eigens dafür entworfene Formulare ausgeteilt. Sie sollten möglichst erst beim zweiten Hören der jeweiligen Musikstücke verwendet werden. Eingespielt wurden die Symphonische Dichtung „The Isle of Death“ von Sergej Rachmaninow, „Die Toteninsel“ von Max Reger, die Anfänge von Teilen aus der CD „Die Toteninsel“ von Farsot und ColdWorld sowie „Die Toteninsel (Emptiness)“ von Signalis. Da Musiktherapeuten, Tanztherapeuten usw. in ihren Verlautbarungen suggerieren, sie allein seien die Vertreter der künstlerischen Therapien, obgleich der Verfasser, der den Begri 1985 geprägt hat, darunter in Anlehnung an das Kunsthochschulgesetz der jeweiligen Bundesländer das Gemeinsame und Besondere der an Kunsthochschulen vertretenen Künste für die Psychotherapie intendiert hatte, sei diese Bezeichnung wegen ihrer von Funktionären, die eine solche Hochschule nicht absolviert haben, verursachten Missverständnisse durch den Namen Tontherapien ersetzt. Zum einen wird damit auf das in den Psychotherapien wichtigste Problem der Regulation des psychosomatisch bedeutsamen tonos auf der Patientenseite und zum anderen auf den in den verwendeten künstlerischen Gebieten Musik, Tanz, Bildende Kunst und Theater im Studium und in der künstlerischen Praxis erfahrenen immanenten Ton und seine Psychologie auf der Materialseite hingewiesen. Weil Kunst-, Tanz- und Musikanalyse nicht selten unterschiedliche Auassungen, Sichtweisen und Interpretationen wiedergeben, mit denen die Hörer ihren Eindruck vergleichen und sich ihr eigenes Bild machen können, werden für die beiden bedeutendsten Vertonungen von Arnold Böcklins Gemälde Bekundungen diverser Experten zitiert. Die Vorderseite des ausgeteilten Formulars betrit die wichtigsten Dimensionen der rhythmisch energetischen Strukturdiagnostik (RES). Dieses probate, aber zunächst nicht ganz einfach zu erlernende System der verschiedenen Bewegungsparameter wird in Grundzügen vorgestellt. Hingewiesen wird auch auf die Möglichkeit, sich anhand eines im Internet abrufbaren, heute noch sehenswerten Videos von 1980 an der vorbildlichen multimodalen tontherapeutischen klinischen Arbeit des Pastors und Chefarzt Dr. Rudolf Burkhard zu orientieren. An ihr setzen die weiteren Überlegungen und Empfehlungen für die tontherapeutische Arbeit mit Senioren an. Hierbei wird nicht nur auf die Voraussetzungen für ein körperlich-seelisches Eindringen in den Sinn und Gehalt von Musik und vertiees, sich selbst erlebendes Verstehen eingegangen, sondern auch der Umstand berücksichtigt, dass sich Senioren für die Musik ihrer Kinder und Enkel interessieren und darüber Näheres wissen wollen.
Schlüsselwörter: Arnold Böcklin Die Toteninsel, S. Rachmaninow The Isle of Death, M. Reger Die Toteninsel, Forsat und ColdWorld toteninsel, Signalis Die Toteninsel (Emptiness), Bewertungsformular, Tontherapie mit Senioren
Tone therapeutic reception of compositions for Böcklin’s ‘Isle of the Dead’
Workshop at the anniversary symposium on the occasion of the founding of the BKT on April 16, 1984 ‘Artistic Therapies in Old Age’ on April 20, 2024 at the University of Münster
Abstract
This article reports on the lecture given at the anniversary symposium of the BKT g.e.V. Because music videos for listening to the presented musical versions of the paintings ‘The Isle of the Dead’ by Arnold Böcklin cannot be sped up without the music becoming distorted and thus distorted in meaning and content, considerations are reproduced here which could at best be hinted at due to the limited time constraints.
In order to ensure that the music appealed to the listener personally, specially designed forms were distributed. They should only be used when listening to the respective pieces of music for the second time. The symphonic poem ‘The Isle of Death’ by Sergei Rachmanino, ‘Die Toteninsel’ by Max Reger, the beginnings of parts from the CD ‘Die Toteninsel’ by Farsot and ColdWorld, and ‘Die Toteninsel (Emptiness)’ by Signalis were recorded. Since music therapists, dance therapists, etc. suggest in their statements that they alone are the representatives of artistic therapies, although the author, who coined the term in 1985, includes, based on the art college law of the respective federal states, the common and special nature of the arts represented at art colleges had intended psychotherapy, this name was replaced by the name tone therapies because of the misunderstandings caused by oºcials who did not graduate from such a university. On the one hand, this addresses the most important problem in psychotherapies of the regulation of the psychosomatically signiªcant tone on the patient‘s side and, on the other hand, the immanent tone and its psychology experienced in the artistic areas of music, dance, ªne arts and theater in studies and in artistic practice indicated on the material page. Because art, dance and music analysis oen re¡ect dierent opinions, perspectives and interpretations with which listeners can compare their impressions and form their own opinion, statements
from various experts are quoted for the two most important musical settings of Arnold Böcklin’s paintings. The front of the form distributed concerns the most important dimensions of rhythmic energetic structural diagnostics (RES). This tried and tested system of various movement parameters, which is not easy to learn at ªrst, is presented in basic terms. Reference is also made to the possibility of orienting oneself to the exemplary multimodal tone therapeutic clinical work of the pastor and chief physician Dr. Rudolf Burkhard on the basis of a video from 1980, which is still available on the Internet and is still worth seeing today.
This is the starting point for further considerations and recommendations for tone therapy work with seniors. Not only is the prerequisites for a physical-mental penetration of the meaning and content of music and deepened, self-experiential understanding discussed, but also the fact that senior citizens are interested in the music of their children and grandchildren and want to know more about it.
Keywords: Arnold Böcklin Die Toteninsel, S. Rachmaninow The Isle of Death, M. Reger Die Toteninsel,Forsat and ColdWorld toteninsel, Signalis Die Toteninsel (Emptiness), evaluation form, tone therapy with seniors
Univ.-Prof. Dr. Dr. Karl Hörmann
Von-Esmarch-Straße 111
D-48149 Münster
prof.hoermann@uni-muenster.de
Rezeptive Künstlerische Tanztherapie mit stark bewegungseingeschränkten und teilweise dementen Senioren
Yolanda Bertolaso
Zusammenfassung
In der Tanztherapie ist das rezeptive Arbeiten nicht so selbstverständlich wie in anderen Künstlerischen Therapieformen. Dafür gibt es mehrere Gründe. Viele Patienten sind jedoch nur in geringem Umfang oder gar nicht in der Lage, an aktiver Tanztherapie teilzunehmen. Die Voraussetzungen für rezeptive Tanztherapie, Anforderungen in diesem Zusammenhang an den Therapeuten sowie die Bedeutung der Spiegelneuronen hierbei werden beschrieben. Schließlich wird ein exemplarisches Setting mit rezeptiver Tanztherapie vorgestellt.
Schlüsselwörter: Rezeptive Tanztherapie, Voraussetzungen, Anforderungen an den Therapeuten, Spiegelneuronen, exemplarisches Setting
Receptive dance therapy with seniors severe mobility difficulties and mild dementia
Abstract
In dance therapy, receptive working is not as self-evident as in other artistic therapies.However, many patients have little or no ability to participate in active dance therapy. This article describes both the prerequisites for receptive dance therapy and the requirements for the therapist in this context as well as the importance of mirror neurons here. Finally, an exemplary setting with receptive dance therapy is presented.
Keywords: receptive dance therapy, prerequisites, requirements for the therapist, mirror neurons, exemplary setting
Dr. Yolanda Bertolaso
Heroldstraße 29
D-48163 Münster
yolanda.bertolaso@yahoo.com
Künstlerische Therapien im Alter
Zum Vortrag am Jubiläumssymposion BKT, 21. und 22. April 2024
Wolfgang Mastnak
Zusammenfassung
Die Vereinten Nationen haben das gegenwärtige Jahrzehnt zur „UN Decade of Healthy Ageing“ erklärt und die Weltgesundheitsorganisation initiierte entsprechende Aktionspläne. Damit ist das Thema des Jubiläumssymposions „Künstlerische Therapien im Alter“ anlässlich der Gründung des BKT am 16. April 1984 deutlich am Puls der Zeit. Über 40 Jahre haben sich künstlerische Therapien sowohl in der Forschung als auch in ihrer Praxis rasant weiterentwickelt und verbinden heute individualisierte und kultursensible Ansätze mit weitgehend invarianten anthropologischen Konstanten. Sie integrieren evidenzbasierte Medizin mit gesundheitsorientierter Complexity Science und bringen traditionelle Heilsysteme mit neuen Disziplinen wie der Epigenetik zusammen. Obwohl insgesamt klinische Praxis von klarerer Signiªkanz zeugt als Forschung im Rahmen evidenzbasierter Medizin, so liegen dennoch robuste Daten zu Musik, Tanz, Drama und bildenden Künsten als probaten Medien der Gesundheitsförderung im Alter vor. Analog verbessern bei Demenz künstlerische Therapien kognitive and exekutive Funktionen sowie verbale Performanz und Gedächtnisleistung. Sie haben positive Wirkungen auf Depressionen, Ängste und Agitiertheit und sind insgesamt sozialer Inklusion und multifaktorieller Lebensqualität zuträglich. Zahlreiche neurowissenschaliche Studien beleuchten zugrundeliegende Mechanismen wie Intensivierung der Neuroplastizität, Aktivierung dynamischer
Netzwerkkonnektivität, Stimulation des dopaminergen Reward-Systems und Erregung des Default Mode Networks, das eng mit kreativen Prozessen verwoben ist. Komplementär zur Abschätzung von Effektstärken und der Erforschung künstlerisch-therapeutischer Wirkmechanismen stehen für die Praxis elaborierte Modelle wie geriatrische Singtherapie, gerontologische musikalische Rhythmik oder parkinsonspeziªsche Tanz-Rhythmus-Therapie zur Verfügung. Für weiteren Fortschritt sind interdisziplinäre Studien ebenso gefordert wie optimierte Metatheorien und anthropologische Ontologien der Künste.
Schlüsselwörter: Gesundheitsförderung, Komplementärmedizin, Kreativität, Kultursensibilität, Neurogeriatrie
Artistic therapies in the aging population
The article is based on the author’s homonymous speech at the anniversary symposium on the occasion of the founding of the Professional Association for Arts Therapies (Berufsverband Künstlerische Therapien – BKT), 21st and 22nd April 2024
Abstract
The United Nations has declared the ‘UN Decade of Healthy Ageing’ and the World Health Organisation initiated corresponding action plans. The theme of the anniversary symposium ‘Artistic Therapies in the Aging Population’ commemorating the founding of the BKT on the 16th of April 1984 is thus clearly in tune with the times. Over the past 40 years, artistic therapies have developed rapidly both in research and in practice and combine nowadays individualised and culturally sensitive approaches with relatively invariant anthropological constants. They integrate evidence-based medicine with health-oriented complexity science and bring together traditional healing systems with new disciplines such as epigenetics. Although clinical practice yields clearer signiªcance than research within the framework of evidence-based medicine, there is still a wealth of robust data on music, dance, drama and visual arts as eective media for promoting health in the older generation. Similarly, in dementia, artistic therapies improve cognitive and executive functions as well as verbal skills and memory performance. They have positive eects on depression, anxiety and agitation and are generally beneªcial to social inclusion and multifaceted quality of life. Numerous neuroscientiªc
studies shed light on underlying mechanisms such as intensiªcation of neuroplasticity, activation of dynamic network connectivity, stimulation of the dopaminergic reward system and excitation of the default mode network, which is closely interconnected with creative processes. Complementary to the estimation of eect sizes and research into artistic-therapeutic mechanisms of action, elaborate models such as geriatric singing therapy, gerontological musical rhythmics or Parkinson-speciªc dance rhythm therapy are available for practice. For further progress, interdisciplinary studies are required, as well as optimised metatheories and anthropological ontologies of the arts.
Keywords: health promotion, complementary medicine, creativity, cultural sensitivity, neurogeriatrics
Prof. Dr. Dr. Dr. Wolfgang Mastnak
Shandong University
wolfgang.mastnak@hmtm.de
Ausdrucksmöglichkeiten symbolischer Bewegung in der psychotherapeutischen Arbeit – zur Bedeutung des kunsttherapeutischen Prozesses mit über-60-jährigen Patientinnen (Teil 1)
Marion Tacke
Zusammenfassung
Es werden in zwei Artikel-Teilen verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten der „symbolischen Bewegung“ mit Hilfe kunsttherapeutischer Elemente als auch kreativer Schreibwerkstätten im psychodynamischen Setting mit älteren Patentinnen vorgestellt. Hier geht es im Teil 1 um die hintergründigen Erläuterungen. Der Teil 2 beschäigt sich sodann mit der ausführlichen Vorstellung eines Fallbeispiels. Über-60-Jährige können, insbesondere wenn sie unter Ängsten und Depressionen leiden, in eine „Erstarrung“ fallen. Durch die schöpferische Kra entwickelt die ältere Patientin eine Bewusstwerdung dieser Erstarrung und deren Gegenteils, der Bewegung. Der Fokus liegt sodann auf neuen verändernden Sichtweisen – erreicht durch individuelle schöpferische Umwertungen.
Schlüsselwörter: symbolische Bewegung, ältere Patientinnen, schöpferische Kra, Selbstheilung, Erstarrung, Schreibwerkstatt
Possibilities of expression of symbolic movement in psychotherapeutic work – on the meaning of the art therapy process with female patients over 60 years old (Part 1)
Summary
In two parts of the article, various ways of expressing ‘symbolic movement’ with the help of art therapy elements as well as creative writing workshops in a psychodynamic setting with older female patients are presented. Part 1 is about the background explanations. Part 2 deals with the detailed presentation of a case study. People over 60 can become ‘frozen’, especially if they suer from anxiety and depression. Through her creative power, the older patient develops an awareness of this rigidity and its opposite, movement. The focus then lies on new, changing perspectives – achieved through individual creative reassessments.
Keywords: symbolic movement, older female patients, creative power, self-healing, paralysis, writing workshop
Prof. Dr. Marion Tacke
Psychologische Psychotherapeutin,
Supervisorin, Tiefenpsychologin
Leibniz-Universität Hannover
Institut für Soziologie
Im Moore 21
D-30167 Hannover
m.tacke@ish.uni-hannover.de
Versuch über die Ur-Theatralität des Spektakels mit Bezug zu neuen internationalen Theaterproduktionen bis zu den „Performing arts“ unter Einbezug der Theatralitätsperspektive
Enrico Otto
Zusammenfassung
Das Ur-Spektakel als theatralisches Phänomen ist eine theaterwissenschalich vernachlässigte Form theatralischer Momentan-Produktion, die über Jahrhunderte der Theatergeschichte vom antiken griechischen Theater bis zur Moderne reicht. Im vorliegenden Aufsatz geht es um die Deªnition einer solchen Theaterform.
Schlüsselwörter: Theaterwissenscha, Momentan-Produktion, Theatergeschichte
Attempt at the primal theatricality of the spectacle with reference to new international theater productionsup to the ‘performing arts’ with the inclusion of the theatricality perspective
Abstract
The terminus ‘Ur-Spektakel’ as a form of theatre-practice means a very special form of theatre which is known from old greek theatre until modern staging without being used by stage-directing as basic form for clearing the type of personality for a direct attention of the real theatre-role by spectators. This essay attempts to deªne that procedure.
Keywords: theatre science, theatre practice, modern stage-directing
Dr. Enrico Otto
Verdistraße 79
D-48165 Münster
enricotto@web. de
Die Funktionalität des Rollenstudiums im nicht-professionellen Theaterbereich
Enrico Otto
Zusammenfassung
Das Rollenstudium ist Gegenstand vieler Schauspielschulen im Bereich Rollenarbeit. Aber auch für den nicht-professionelen Theaterbereich kann Rollenstudium ein Hilfsmittel zur Klärung der Ich-Typologie sein, damit zur genaueren Rollenbesetzung. Der Aufsatz soll einen Hinweis geben, wie ein entsprechendes Verfahren aussehen könnte.
Schlüsselwörter: Rollenstudium, Ich-Typologie, Rollenbesetzung
Functionality of role study in non-professional theatre productions
Abstract
The role studies are an important object for actors in role developments of actors schools. But also in non-professional theatre productions, the role study is a basic work which helps clarifying the real typology of the person. This paper is intended to provide ideas of how to ªnd the right role.
Keywords: role study, actor typology, theater productions
Dr. Enrico Otto
Verdistraße 79
D-48165 Münster
enricotto@web. de
Digitalisierung in Musiktherapie
Lothar Schön
Zusammenfassung
Im Poster (Abbildung 1) werden das Projektvorhaben, die Zielgruppen, die therapeutischen Einsatzmöglichkeiten und die Beteiligten angegeben. Die von der bekannten Klaviermanufaktur Steingräber in Bayreuth entwickelte Technologie der Transducererweiterung des Klaviers ermöglicht Interaktionen in musikalischen Onlinemeetings und bietet damit ein großes Potenzial an Lebensqualität. Andreas Engel von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senenberg, maßgeblich an der Entwicklung der für die PatientInnen denkbar einfach zu handhabenden, gleichwohl hochkomplexen Soware beteiligt, verweist auf die aufgrund von Hirnschädigungen und Schlaganfällen kognitiv und motorisch eingeschränkten Patienten, die am neurologischen Zentrum an der Schön-Klinik Staelstein mit dieser digitalen Unterstützung trotz ihres unterschiedlich schnellen und genauen Spiels gemeinsam musizieren und dadurch soziale Teilhabe erfahren können.
Schlüsselwörter: Musiktherapie, Transducererweiterung, Fa. Steingräber, Schön-Klink Bad Staelstein, Neurologie
Digitalization in music therapy
Abstract
The poster (Abbildung 1) outlines the project, target groups, therapeutic applications, and participants. The piano transducer extension technology developed by the renowned piano manufacturer Steingräber in Bayreuth enables interactions in online musical meetings, thus oering great potential for improving quality of life. Andreas Engel from the Brandenburg University of Technology Cottbus-Senenberg, who played a key role in the development of the soware, which is extremely easy to use for patients yet highly complex, points to patients with cognitive and motor impairments due to brain damage and strokes who, with this digital support, can play music together at the neurological center at the Schön-Klinik Staelstein despite their varying speeds and accuracy, thus experiencing social participation.
Keywords: music therapy, transducer extension, Steingräber, Schön-Klinik Bad Staelstein, neurology
Karl Hörmann
Rezensionen
Musik-, Tanz- & Kunsttherapie
35. Jahrgang · 2025 · Heft 1
Pabst, 2024 ISSN 0933-6885














