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Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation

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2020-1 (109)

Editorial: Präsentismus – was ist das denn?
Patricia Appel

Präsentismus: Verständnis und Einflussfaktoren
Daniela Lohaus & Wolfgang Habermann

Präsentismus im Kontext des Personal- und Betrieblichen Gesundheitsmanagements
Thomas Jung

Präsentismus als Kennzahl für das Berichtswesen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM)
Mika Steinke & Bernhard Badura

Implikationen des Zusammenhangs zwischen Burnout und Präsentismus für Prävention und Rehabilitation
Miriam Hägerbäumer

Biografisches Präsentismus-Mapping. 
Mehrdimensionale Analyse des Präsentismusverhaltens auf Basis einer Visualisierungsmethode aus der Leistungssportforschung
Jochen Mayer & Felix Kühnle

Bildung, Gesundheit und Präsentismus
Frank Sinß & Peter Preisendörfer

Organisationale Kontextmerkmale als Erklärungsfaktoren von Präsentismusmotiven und Präsentismusverhalten?
Joachim Gerich

Präsentismus – eine arbeitspsychologische Perspektive
Eberhard Ulich & Miriam Nido

Präsentismus – eine Echtzeiterhebung
Philip Strasser & Nora Varesco Kager

Presenteeism in healthcare professionals: causes, consequences and potential solutions
Gail Kinman


Separata

Arbeitsfähig unter Sicherheitsbedingungen oder Handlungsspielraum? – Es kommt darauf an... Eine experimentelle Studie
Beate Muschalla

Die altersfreundliche Klinik:
Entwicklung und erste Evaluation eines Schulungskonzepts für den Umgang mit dementiellen Patienten im Krankenhaus
Elisabeth Jentschke

­


Präsentismus: Verständnis und Einflussfaktoren
Daniela Lohaus & Wolfgang Habermann

Kurzfassung
Präsentismus bezieht sich darauf, trotz gesundheitlicher Einschränkungen zu arbeiten. Es ist ein weltweit beobachtetes Phänomen, das unabhängig von demografischen und interkulturellen Merkmalen in unterschiedlichsten beruflichen Tätigkeiten auftritt. Es wird durch personale, tätigkeits- und organisationsbezogene Variablen beeinflusst und hat negative Folgen, in erster Linie für die von gesundheitlichen Beeinträchtigungen betroffenen Beschäftigten, z.B. in Bezug auf ihre Gesundheit und ihre Leistungsfähigkeit, aber auch für deren Arbeitgeber, z.B. in Form von Produktivitäts- und daraus folgend finanziellen Einbußen. Die Operationalisierung bzw. Messung des Phänomens wird von zwei gewissermaßen konkurrierenden Definitionen bestimmt. Die Theorien zu Präsentismus sind überwiegend Inhaltsmodelle, die den Entscheidungsprozess, der zu Präsentismus oder Absentismus führt, ausklammern. Ein diese Lücke füllendes Prozessmodell, das sich auf den Erwartungs-Wert-Ansatz bezieht, kann die Entscheidung, Präsentismus oder Absentismus zu zeigen, erklären.

Schlüsselwörter
Präsentismus, Absentismus, Präsentismusneigung, Erwartungs-Wert-Modell, Inhaltsmodell, Prozessmodell


Presenteeism: Understanding and influencing factors

Abstract
Presenteeism often understood as working while ill is a global phenomenon that seems to occur independently of demographic and intercultural variables in all kinds of jobs. It is associated with personal, job-related and organizational variables and it has shown to incur negative consequences primarily for the individual, i.e. in terms of health and performance, but also for the employer, i.e. productivity and consequently financial losses. Two major and to some extent competing definitions exist that determine the way of operationalizing or measuring the phenomenon. Theory is still scarce with content models dominating. A process model referring to VIE-theory offers a promising approach to explain the decision-making process between attending work in spite of illness (i.e., presenteeism) and calling in sick (i.e., absenteeism).

Keywords
presenteeism, absenteeism, presenteeism propensity, expectancy-value-model, content model, process model


Prof. Dr. Daniela Lohaus
Hochschule Darmstadt
Haardtring 100
64295 Darmstadt


Dr. Wolfgang Habermann
H&L Karriereberatung
64686 Lautertal

 


Präsentismus im Kontext des Personal- und Betrieblichen Gesundheitsmanagements
Thomas Jung

Kurzfassung
Studien deuten darauf hin, dass Präsentismus ähnlich stark verbreitet ist wie krankheitsbedingte Fehzeiten. Gleichwohl findet dieses Phänomen in Unternehmen meist nur wenig oder keine Berücksichtigung. Doch wie kann diesem im Rahmen des Personal- und Betrieblichen Gesundheitsmanagements adäquat begegnet werden?
In der Praxis stehen hierzu zahlreiche Ansätze und Instrumente zur Verfügung, die bereits niederschwellig erste Analysen ermöglichen oder im Umgang mit Präsentismus ergriffen werden können. Neben einem systematischen Ansatz für ein Betriebliches Präsentismus-Management werden Maßnahmen aufgezeigt, mit denen es Unternehmen möglich ist, auf unterschiedlichen Ebenen präventiv und darüber hinaus aktiv zu werden.

Schlüsselwörter
Präsentismus, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Gesundheitsförderung, Betriebliches Präsentismus-Management, Absentismus, Fehlzeiten, Personalmanagement


Sickness Presenteeism in the context of Human Resource and Occupational Health Care Management

Abstract
Studies suggest that sickness presenteeism is as prevalent as illness-related absenteeism. Nevertheless, this phenomenon usually finds little or no consideration in companies. But how can this be adequately addressed in the context of Human Resource and Occupational Health Care Management?
In practice, numerous approaches and tools are available to run low-level initial analyzes or can be used in dealing with presenteeism. In addition to a systematic approach of Occupational Presenteeism Management, measures are illustrated that enable companies to act at different levels, preventively and beyond.

Keywords
Sickness presenteeism, occupational health care Management, workplace health promotion, presenteeism management, absenteeism, human resource management


Dr. Thomas Jung
Leiter Personal International
Vitakraft pet care GmbH & Co. KG
Mahndorfer Heerstr. 9
28307 Bremen
thomas.jung@vitakraft.de

 


Präsentismus als Kennzahl für das Berichtswesen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM)
Mika Steinke & Bernhard Badura

Kurzfassung
Das gesundheitsbezogene Berichtswesen in Unternehmen und Organisationen beschränkt sich nach wie vor noch zu sehr auf die Betrachtung von Fehlzeiten. Arbeitsunfähigkeitsstatistiken bilden zwar eine wichtige Kennzahl und sind in der Regel standardisiert verfügbar – ihre Aussagekraft ist jedoch begrenzt und sie werden häufig falsch interpretiert. Vor diesem Hintergrund verspricht das Thema Präsentismus, eine nötige Erweiterung des Berichtswesens darzustellen. Präsentismus-Kennzahlen sind – so die bestehenden Forschungserkenntnisse – ein besserer Indikator für den tatsächlichen Gesundheitszustand der Beschäftigten, ihre Leistungsfähigkeit und für Arbeits- und Organisationsbedingungen mit Verbesserungsbedarf.

Schlüsselwörter
Präsentismus; Absentismus; Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM); Berichtswesen; gesundheitsbezogene Kennzahlen


Presenteeism as a figure for Occupational Health Management

Abstract
The reporting in Occupational Health Management still focusses on sick leave too much. Days of sick leave are a standard figure for Occupational Health Management and they are, usually, automatically available. Their meaningfulness is, nevertheless, limited and they are often misinterpreted. In this context, the research interest in presenteeism grows as it promises to become a needed complement in Occupational Health reporting. Figures for presenteeism seem to be better measures for the state of health of employees, their performance and for conditions at work, which need to be addressed.

Keywords
Presenteeism; absenteeism; occupational health management; reporting; controlling; non-financial figures


Mika Steinke (M. Sc. PH), 
Prof. Dr. Bernhard Badura
Salubris UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG
Meindersstraße 1a
33615 Bielefeld

 


Implikationen des Zusammenhangs zwischen Burnout und Präsentismus für Prävention und Rehabilitation
Miriam Hägerbäumer

Kurzfassung
Die Kenntnis der Wechselwirkung zwischen Präsentismus und Burnout bietet wertvolle Ansatzpunkte für die Prävention psychischer Erkrankungen. Der vorliegende Artikel präsentiert ein Modell zur Dynamik des Zustandekommens von Burnout-Symptomen im Zusammenspiel mit dem Weiterarbeiten trotz Krankheit, das hier als Coping-Verhalten verstanden wird. Ein Überblick über die empirische Befundlage zwischen den beiden Variablen verdeutlicht, dass Präsentismus als Frühwarnzeichen im Burnout-Prozess aufgefasst werden kann. Implikationen für die Prävention und Rehabilitation des Burnout-Syndroms werden diskutiert.

Schlüsselwörter
Burnout, Präsentismus, Interessierte Selbstgefährdung, Arbeitsanforderungen, Ressourcen, Coping, Prävention, Rehabilitation


Implications of the relationship between burnout and presenteeism for prevention and rehabilitation

Abstract
Understanding the interaction between presenteeism and burnout provides valuable approaches for the prevention of mental illness. The present article introduces a model explaining the dynamics of the emergence of burnout symptoms in combination with the continued work despite illness, conceptualized as a coping behavior. An overview of the empirical findings between the two variables shows that presenteeism can be used as an early warning indicator in the burnout process. This article will further discuss. implications for the prevention and rehabilitation of the burnout syndrome.

Keywords
Burnout, presenteeism, self-endangering work behaviours, work demands, resources, coping, prevention, rehabilitation


Prof. Dr. Miriam Hägerbäumer
Professorin für Human Resource Management & Business Psychology
Europäische Fernhochschule Hamburg
- University of Applied Sciences -
Doberaner Weg 20
22143 Hamburg

 


Biografisches Präsentismus-Mapping. Mehrdimensionale Analyse des Präsentismusverhaltens auf Basis einer Visualisierungsmethode aus der Leistungssportforschung
Jochen Mayer & Felix Kühnle

Kurzfassung
Präsentismus ist ein vielschichtiges Phänomen, das aus komplexen Prozessen situativer und sozial eingebetteter Entscheidungsfindung resultiert, in den Höhen und Tiefen biografischer Entwicklungen angelegt ist und ganz unterschiedliche (Gesundheits-)Wirkungen haben kann. Die problemangemessene Analyse von Präsentismus ist mit zahlreichen methodischen Herausforderungen verbunden, die neben einem verstärkten Einsatz qualitativer Sozial- und Gesundheitsforschungsmethoden auch die Entwicklung innovativer Instrumente nahelegen.
Im vorliegenden Beitrag wird mit der „biografischen Präsentismus-Mapping-Methode“ ein neuer Zugang zur mehrdimensionalen Analyse von Ausprägungsformen, Ursachenkonstellationen und Folgen von Präsentismus vorgestellt. Auf Basis einer Pilotstudie mit Sporttherapeutinnen und -therapeuten werden die analytischen Potenziale dieses qualitativen Visualisierungsinstrumentariums verdeutlicht. Das biografische Mapping-Verfahren, welches seinen Ursprung in der gesundheitssoziologischen Leistungssportforschung hat, bietet neue Perspektiven für die qualitative Präsentismusforschung und stellt ein vielversprechendes Diagnosetool für einen individualisierten und möglichst funktionalen Umgang mit Präsentismus dar.

Schlüsselwörter
Präsentismus – Absentismus – Qualitative Methoden – Visualisierung – biografisches Mapping – mehrdimensionale Analyse


Biographical Presenteeism Mapping. Multi-dimensional analysis of presenteeism behavior based on a visualization method developed in elite sports research

Abstract
Presenteeism is a multi-layered phenomenon which results from complex processes of situational and socially embedded decision making. It is set in the highs and lows of biographical developments and potentially has very different (health) effects. An appropriate analysis of presenteeism is associated with numerous methodological challenges which, in addition to the increased use of qualitative social and health research methods, also requires the development of innovative instruments. This article presents a new approach to the multidimensional analysis of forms, constellations of causes and consequences of presenteeism using the “biographical presenteeism mapping method”. On the basis of a pilot study with sports therapists, the analytical potential of this qualitative visualization method is presented. It is shown that the biographical mapping method with its origin in the sociology of health and illness in high-performance sports offers new perspectives for qualitative presenteeism research and represents a promising diagnostic tool for an individualized and functional approach to managing presenteeism behavior.

Keywords
Presenteeism – absenteeism – qualitative methods – visualization – biographical mapping – multidimensional analysis


Prof. Dr. Jochen Mayer & 
Dr. Felix Kühnle
Georg-August-Universität Göttingen
Institut für Sportwissenschaften 
Arbeitsbereich Sport- und Gesundheitssoziologie
Sprangerweg 2
37075 Göttingen


 


Bildung, Gesundheit und Präsentismus
Frank Sinß & Peter Preisendörfer

Kurzfassung
In der Präsentismusforschung wird der sozioökonomische Status (SES) häufig als Determinante für Präsentismus angeführt – allerdings mit widersprüchlichen Befunden. Durch die in diesem Beitrag vorgenommene Aufschlüsselung des SES in seine drei Komponenten Bildung, Berufsstatus und Einkommen ergibt sich die Möglichkeit, differenziertere Berechnungen anzusetzen und die Einflüsse der einzelnen Komponenten zu bestimmen. Im Ergebnis zeigt sich, dass Bildung präsentismusverringernd wirkt, dass also mit steigender Bildung weniger Präsentismus praktiziert wird. Dieser Befund deckt sich mit allgemeineren Erkenntnissen der Sozial- und Gesundheitswissenschaften, wonach Bildung einen protektiven Effekt auf Gesundheit hat. Berufsstatus und Einkommen haben – bei statistischer Kontrolle von Bildung – keinen signifikanten Einfluss auf Präsentismus.

Schlagwörter
Bildung, Gesundheit, Präsentismus, Pfadanalyse, sozioökonomischer Status, Arbeitnehmer, Absentismus, quantitative empirische Forschung


Education, health, and presenteeism

Abstract
In presenteeism research, socio-economic status (SES) is often referred to as an important influencing factor – though with contradictory findings. The decomposition of the SES into its three components of education, occupational status and income presented in this paper makes it possible to apply more differentiated calculations and to determine the influences of the individual components. The results show that education has the effect of reducing presenteeism, i.e., less presenteeism is practiced with increasing education. This finding is consistent with more general findings in the social and health sciences that education has a protective effect on health. Occupational status and income do not have a significant impact on presenteeism, given statistical control of education.

Keywords
Education, health, presenteeism, path analysis, socio-economic status, workers, absenteeism, quantitative empirical research


Dr. Frank Sinß
Universität Mainz
Institut für Soziologie
Jakob-Welder-Weg 12
55122 Mainz

Univ.-Prof. Dr. Peter Preisendörfer
Universität Mainz
Institut für Soziologie
Jakob-Welder-Weg 12
55122 Mainz

 


Organisationale Kontextmerkmale als Erklärungsfaktoren von Präsentismusmotiven und Präsentismusverhalten?
Joachim Gerich

Kurzfassung
Obwohl in der Forschungsliteratur zahlreiche Vermutungen zur Heterogenität von Präsentismusmotiven und den Hintergründen dieser Handlungsmotiven bestehen, existieren bislang nur wenige Studien, die sich explizit den Motivdimensionen dieses Verhaltens widmen. Im vorliegenden Beitrag werden Zusammenhänge zwischen divergierenden Präsentismusmotiven und Präsentismusverhalten bei einer Stichprobe von Arbeitnehmer/innen untersucht. Weiterhin wird analysiert, mit welchen organisationsbezogenen Kontextmerkmalen diese Präsentismusmotive assoziiert sind. Die Ergebnisse zeigen, dass Präsentismus am häufigsten durch „Approach“-Motive – d.h. durch eine innere Verpflichtung und das Bestreben, Produktivitätsverluste aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigung durch Präsentismus zu kompensieren – erklärt werden kann. An zweiter Stelle stehen Handlungsmotive, die sich aus der Vermeidung negativer Konsequenzen von häufigem Krankenstand ergeben („Avoidance“-Motiv). Beide Motivlagen sind mit erhöhten Präsentismushäufigkeiten verbunden, wobei bei Approach-Motiven Krankenstände durch Präsentismus substituiert werden, wodurch geringe Krankenstands- und erhöhte Präsentismushäufigkeiten resultieren. Avoidance-Motive sind dagegen sowohl mit höheren Präsentismus- als auch höheren Krankenstandshäufigkeiten verbunden. „Salutogene“ Motive, bei denen Präsentismus als funktional für die Wiederherstellung der Gesundheit gesehen werden, treten selten auf und sind mit geringen Krankenstands- und Präsentismushäufigkeiten verbunden. Approach-Motive treten häufiger in Organisationen mit hoher Wettbewerbsorientierung, hohen Arbeitsbelastungen und hohen Flexibilitätsanforderungen auf. Avoidance-Motive sind mit ungünstigem sozialen Organisationsklima und restriktiven Praktiken im Umgang mit Fehlzeiten assoziiert. Weitere Analysen legen nahe, dass häufiger Präsentismus weitgehend unabhängig von der zugrundeliegenden Motivlage als selbstgefährdendes Verhalten zu interpretieren ist.

Schlüsselwörter
Präsentismusmotive, Interessierte Selbstgefährdung, Organisationsklima, Arbeitszufriedenheit, Flexibilitätsanforderungen


Organisational context variables as predictors of presenteeism motives and presenteeism behaviour?

Abstract
Despite frequent assumptions regarding the heterogeneity of presenteeism motives that are drawn in previous research, only few studies to date have focused on motives behind this behaviour. The present study aimed at analysing the association between different presenteeism motives and behaviour. Moreover, associations between presenteeism motives and organisational context variables are examined. The results show that presenteeism is most frequently grounded in “approach” motives, which are characterized by inner commitment, and efforts made to compensate productivity loss due to impaired health. Presenteeism is also driven by “avoidance” motives, which are grounded in the avoidance of expected negative personal consequences that are caused by frequent sickness absence. Both motives are associated with elevated presenteeism frequencies whereby sickness absence is substituted by sickness presence in the case of approach motives, resulting in low sickness absence and high sickness presence rates. Avoidance motives however, are associated with higher sickness absence as well as higher sickness presence rates. “Salutogenic” motives, where presenteeism is seen as functional for recovery, are rare and are associated with low rates of sickness presence and sickness absence. Approach motives are more frequently observed in organisations with a competitive climate, higher work demands and higher flexibility requirements. Avoidance motives are more common in organisations with unfavourable social climates and restrictive practices regarding absence control. Results of additional analyses suggest that frequent presenteeism should be viewed as self-endangering behaviour, regardless of its motives.

Keywords
presenteeism motives; self-endangering behaviour; organisational climate; job satisfaction; flexibility requirements


Assoc. Univ.-Prof. Dr. Joachim Gerich
Johannes Kepler Universität Linz
Institut für Soziologie
Abteilung für empirische Sozialforschung
Altenbergerstr. 69
A-4040 Linz

 


Präsentismus – eine arbeitspsychologische Perspektive
Eberhard Ulich & Miriam Nido

Kurzfassung
Die verbreitete Definition von Präsentismus „krank zur Arbeit“ wird ebenso in Frage gestellt wie der häufig dafür genannte hauptsächliche Grund „Angst vor Arbeitsplatzverlust“. Vorliegende Erhebungen mit eigens dafür formulierten Items weisen darauf hin, dass neben einer Reihe anderer Gründe auch Konzepte persönlichkeitsförderlicher Arbeitsgestaltung das Entstehen von Präsentismus begünstigen können. Zudem wird deutlich erkennbar, dass das Rollenverständnis und das daraus resultierende Verhalten von Führungspersonen die Entstehung bzw. Vermeidung von Präsentismus beeinflussen können. Die Darstellung eines arbeitspsychologischen Konzepts einer gesunden Unternehmenskultur soll die Vielfalt hierbei wirksamer Einflüsse aufzeigen.

Schlüsselwörter
Präsentismus, Definition, mögliche Gründe, Methoden der Erfassung, Arbeitsgestaltung, Führung, Unternehmenskultur


Presenteeism – a work psychological perspective

Abstract
The widely used definition of presenteeism as “working while sick” is questioned as well as the often named main reason as “fear of loss of job”. Data with specifically formulated items are presented, which among other reasons point out the role of personality-promoting work design in encouraging presenteeism. Furthermore, it can be shown that the role perception and the resulting behaviour of managers and leaders have an effect on the emergence or avoidance of presenteeism. The presented work psychological concept shows the large variety of effects of a healthy corporate culture.

Keywords
Presenteeism, definition, possible reasons, measuring methods, work design, leadership, corporate culture


Dr. Miriam Nido
Prof. em. (ETH) Dr. Dr. h. c. Eberhard Ulich
Institut für Arbeitsforschung und Organisationsberatung
Obere Zäune 14
CH-8001 Zürich

 


Präsentismus – eine Echtzeiterhebung
Philip Strasser & Nora Varesco Kager

Kurzfassung
Präsentismus kann mit negativen Auswirkungen wie Produktivitätsverlusten und zukünftigen längeren Fehlzeiten einhergehen und den Erfolg und die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen beeinflussen. Die Echtzeiterhebung scheint ein geeignetes und akzeptiertes Instrument zu sein, um Präsentismus – gemeint ist die Anwesenheit am Arbeitsplatz trotz gesundheitlicher oder anderweitiger Beeinträchtigung, die eine Abwesenheit legitimiert hätte – zu erfassen. Mit der App now@work® wurden das Ausmaß an Präsentismus sowie mögliche Gründe dafür im Rahmen einer Echtzeiterhebung erhoben und in einem Methodenvergleich den Ergebnissen einer retrospektiven Erhebung gegenübergestellt. Die Stichprobe umfasste 1.629 Mitarbeitende des Schweizer Versicherungsunternehmens Swiss Life. Echtzeiterhebungen könnten auch in Institutionen des Gesundheitswesens ein geeignetes Instrument darstellen, Präsentismus zu erfassen.

Schlüsselwörter
Präsentismus, Echtzeiterhebung, now@work®, Anwesenheit, Leistungsfähigkeit, Gesundheitswesen


Presenteeism – a real time survey

Abstract
Presenteeism can affect companies’ success and competitiveness due to its potential negative outcomes such as loss of productivity or longer periods of absenteeism in the future. The real time survey seems to be an appropriate and accepted tool to collect data on presenteeism, which is defined as presence despite of health problems and other impairments that would justify absence. Presenteeism was assessed in real time through the app now@work® to compare the outcomes with those from a retrospective survey. The sample was composed of 1,629 employees from the Swiss insurance company Swiss Life. Real time surveys may also be an appropriate tool to conduct surveys in the healthcare context.

Keywords
Presenteeism, real time survey, now@work®, attendance, productivity, healthcare system


Dr. Philip Strasser
Swiss Life AG
General-Guisan-Quai 40
CH-8022 Zürich


Nora Varesco Kager
ETH Zürich
Department of Management, Technology
and Economics
Weinbergstrasse 56/58
CH-8092 Zürich

 


Presenteeism in healthcare professionals: causes, consequences and potential solutions
Gail Kinman

Abstract
Sickness presenteeism is defined as continuing to work while unwell and unable to perform effectively. It is particularly common in the ‘helping’ professions. This article reviews the incidence, causes and consequences of presenteeism among healthcare professionals. A range of occupational, organisational and individual predictors of working while sick is outlined and the implications of presenteeism for the health and job performance of employees are considered. A multi-level, systemic approach is proposed to help healthcare organisations and individual practitioners reduce the risk of presenteeism.

Keywords
Sickness presenteeism; healthcare employees; work-related stress


Präsentismus bei Beschäftigten im Gesundheitswesen: Gründe, Folgen und mögliche Lösungen

Kurzfassung
Präsentismus ist definiert als das Fortsetzen der Arbeit, auch wenn die Person krank ist und daher nicht effektiv arbeiten kann. Präsentismus ist insbesondere bei den Angehörigen der Gesundheitsberufe verbreitet. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die Häufigkeit, die Ursachen und die Folgen von Präsentismus bei Beschäftigten im Gesundheitswesen. Es werden eine Reihe von beruflichen, organisatorischen und individuellen Prädiktoren für die Neigung, trotz bestehender Erkrankung zu arbeiten, skizziert und die Auswirkungen von Präsentismus auf die Gesundheit und die Arbeitsleistung von Mitarbeitern betrachtet. Ein mehrstufiger, systemischer Ansatz wird vorgeschlagen, um Gesundheitseinrichtungen und Niedergelassenen zu helfen, das Risiko von Präsentismus zu reduzieren.

Schlüsselwörter
Präsentismus; Beschäftigte im Gesundheitswesen; arbeitsbedingter Stress


Dr. Gail Kinman,
CPsychol FBPsS FAcSS FHEA
Professor of Occupational Health Psychology
Director of the Research Centre for Applied Psychology
Department of Psychology
University of Bedfordshire
Park Square
Luton
LU1 3JU

 


Arbeitsfähig unter Sicherheitsbedingungen oder Handlungsspielraum? – Es kommt darauf an... Eine experimentelle Studie
Beate Muschalla

Kurzfassung
Unter modernen Arbeitsbedingungen mit hohen psychischen Anforderungen ist die Arbeitsfähigkeit von psychischen Personenfaktoren und psychischen Merkmalen der Arbeitsbedingungen abhängig. Diese experimentelle Studie untersucht die Auswirkungen von drei verschiedenen Arbeitsbedingungen auf die wahrgenommene Arbeitsfähigkeit: Im Rahmen von „Handlungsspielraum“ hat der Mitarbeiter die Freiheit und Verantwortung für Entscheidungen, „Sicherheit“ beinhaltet inhärente Strukturen und Stabilität.
„Controlling“ impliziert schließlich eine strikte Überwachung von Handlungen und Zielerreichung. Neben diesen Arbeitsbedingungen wird die Bedeutung der Personfaktoren Arbeitsangst und Eigeninitiative untersucht.
Es nahmen 359 Personen mit beruflicher Vorgeschichte teil. Zuerst wurden Arbeitsangst und Eigeninitiative erfragt, anschließend wurde zufällig eine von drei Vignetten eingeführt. Die Teilnehmer wurden gebeten, sich vorzustellen, dass sie unter den dargestellten Arbeitsbedingungen arbeiten. Anschließend wurden sie um eine Einschätzung ihrer wahrgenommenen Arbeitsfähigkeit gebeten.
Erstens zeigen die Ergebnisse, dass die Arbeitsbedingungen im Sinne von „Controlling“ mit der geringsten wahrgenommenen Arbeitsfähigkeit einhergehen. Zweitens bevorzugen Menschen mit hoher Eigeninitiative Arbeitsbedingungen, die einen „Handlungsspielraum“ zulassen. Personen mit Arbeitsängsten nehmen ihre subjektive Arbeitsfähigkeit im Allgemeinen als schlechter wahr als andere Personen.
In der beruflichen Praxis müssen individuelle psychologische Merkmale von Mitarbeitern berücksichtigt werden, z.B. bei Umstrukturierungen, Wiedereingliederungen, Arbeitsgestaltung und Person-Job-Fit. Ein hohes Ausmaß von „Controlling“ ist möglicherweise nicht der richtige Weg, um die (wahrgenommene) Arbeitsfähigkeit von Mitarbeitern zu verbessern.

Schlüsselwörter
Arbeitsangst, Eigeninitiative, Krankheitsurlaub, Arbeitsfähigkeit, Arbeitsbedingungen, Arbeitsgestaltung, experimentelle Studie

Implikationen für die Praxis
Die Arbeitsfähigkeit wird nicht linear aus dem Gesundheitszustand abgeleitet, sondern hängt vom Zusammenspiel von Arbeitsplatzanforderungen und psychologischen Eigenschaften der Personen ab. Menschen mit hoher Eigeninitiative bevorzugen Arbeitsbedingungen, die einen Handlungsspielraum zulassen.
Personen mit Arbeitsängsten nehmen ihre subjektive Arbeitsfähigkeit im Allgemeinen als schlechter wahr als andere Personen.
Die Gestaltung von Arbeitsplätzen sollte individuelle psychologische Merkmale berücksichtigen, indem der Handlungsspielraum individuell angepasst wird.


Fit for Work under Conditions of Security or Scope of Action? – It depends… An Experimental Study

Abstract
Under modern work conditions with high psychological demands, work ability is dependent on psychological person factors and psychological characteristics of work conditions. This experimental study examines the impact of three different work conditions on perceived work ability: In the condition scope of action, the employee holds the freedom and responsibility in taking decisions, security contains inherent structures and stability, and controlling implies strict monitoring of actions and goal achievement. Beside, the impact of the psychological factors work-anxiety and personal initiative is regarded.
359 persons with employment history participated. Work-anxiety and personal initiative were asked first, and next one out of three vignettes of a work condition was randomly introduced. Participants were instructed to imagine that they work in this specific condition and then give their work ability perception. First, results show that work conditions of controlling come along with lowest perceived work ability. Secondly, persons with high initiative prefer work conditions which allow scope of action. Persons with work-anxiety perceive their subjective work-ability generally lower than others.
In occupational practice, it is necessary to consider individual psychological characteristics, e.g., in cases of restructuring, reintegration, work design, and person-job-fit. Controlling conditions might not be the right way to improve employees (perceived) work ability.

Keywords
Work anxiety, personal initiative, sick leave, work ability, work conditions, work design, experimental study


Prof. Dr. Beate Muschalla
Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) 
und Supervisorin 
Technische Universität Braunschweig
Lehrstuhl Psychotherapie und Diagnostik
Humboldtstraße 33
38106 Braunschweig

 


Die altersfreundliche Klinik: Entwicklung und erste Evaluation eines Schulungskonzepts für den Umgang mit dementiellen Patienten im Krankenhaus
Elisabeth Jentschke

Kurzfassung
Die Anzahl an Patienten mit Demenz als Nebendiagnose in Krankenhäusern ist hoch. Dies ist vor allem dem demografischen Wandel als auch der hohen Vulnerabilität von Personen mit Demenz für verschiedene Krankheiten geschuldet (Hofmann, 2013). Mit der hohen Anzahl an Demenzpatienten kann eine Überforderung des Pflegepersonals einhergehen. Um in solchen Fällen eine sichere und einfühlsame Behandlung von dementiellen Patienten zu gewährleisten, ist eine Schulung des Pflegepersonals unabdingbar. Darum wurde ein Schulungskonzept entwickelt, welches die Bereitstellung von Informationen über Demenz und Delir, eine Vermittlung von einfühlsamer Kommunikation und Selbstfürsorge sowie die Vermittlung der richtigen Dokumentation in Entlass- und Aufnahmesituationen umfasst. Nach einer Pilotphase mit fünf Schulungsterminen (à 60 Minuten) wurde die Schulung von 50 Gesundheits- und Krankenpflegern/innen anhand von Fragebögen evaluiert. Die Evaluation zeigte bereits erste Erfolge bezogen auf ein höheres Wissen über Demenz und mehr Handlungssicherheit nach der Schulung. Wie dieses Wissen nun in den klinischen Alltag übertragen werden könnte, hin zu einem „Age-Friendly-Hospital“, wird diskutiert.

Schlüsselwörter
Demografie, Multimorbidität, Demenz, Delir, Evaluation


Age friendly clinic: Development and first evaluation of a training concept for the treatment of dementia patients in hospitals

Abstract
The number of patients with dementia as a secondary diagnosis in hospitals is high. This is mainly due to demographic change and the high vulnerability of people with dementia to various diseases (Hofmann, 2013). The high number of dementia patients can be accompanied by excessive demands for the nursing staff. If that is the case, training of nursing staff is indispensable to ensure the safe and empathetic treatment of dementia patients. Therefore, a training concept was developed, which includes the provision of information about dementia, delirium, empathetic communication, and self-care, as well as the presentation of the correct documentation in discharge and admission situations. After a pilot phase with five training sessions (60 minutes each), the training was evaluated by 50 nurses using questionnaires. The evaluation already showed that the training results in higher knowledge about dementia and more confidence while working with patients. How this knowledge could now be transferred into clinical everyday life, towards an “age-friendly hospital”, is being discussed.

Keywords
demography, multimorbidity, dementia, delirium, evaluation


Dr. phil. Elisabeth Jentschke
Universitätsklinikum Würzburg
Comprehensive Cancer Center Mainfranken sowie
Interdisziplinäres Zentrum Palliativmedizin
Josef-Schneider-Str. 6
97080 Würzburg

 



Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation
33. Jahrgang · 2020 · Heft 1 (109)

Pabst, 2019
ISSN 0933-842X
Preis: 14,- €

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