NEWSBÜCHERJOURNALEONLINE-SHOP



 

Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation

» Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation im Online-Shop...


2019-2 (106)

Editorial
Stephan Dettmers, Silke Neuderth & Heiner Vogel

Dank an unsere Gutachterinnen und Gutachter im Jahr 2018

Erratum

Soziale Arbeit in der Rehabilitation – Theoretische Rahmung und Forschungsperspektiven
Stephan Dettmers

Ausgestaltung Sozialer Arbeit in medi­zinischen Rehabilitationseinrichtungen: Eine Bestandserhebung als Baustein der Entwicklung von Praxisempfehlungen für die Erbringung sozialer Leistungen in der medizinischen Rehabilitation
Matthias Lukasczik, Nina Luisa Zerban, Hans-Dieter Wolf, Katja Ehrmann, Silke Neuderth, Michelle Köhler, Elisabeth Röckelein & Heiner Vogel

Prädiktoren der Inanspruchnahme ­sozialarbeiterischer Leistungen durch Rehabilitand­Innen aus orthopädischen und kardiologischen Rehabilitationseinrichtungen
Tobias Knoop & Thorsten Meyer

Curricula und Train-the-Trainer-Seminare zur Gruppenarbeit in der sozialen Arbeit in der Medizinischen Rehabilitation – Ein praxisbezogenes Angebot zur Standardisierung und Orientierungshilfe
Doris Hain & Martina Labahn

Umsetzung der durch die Soziale Arbeit in der medizinischen Rehabilitation initiierten Nachsorgeempfehlungen
Michelle Köhler & Silke Neuderth 

Umsetzung der sozialdienstlichen Beratung in der medizinischen Rehabilitation bei älteren Rehabilitanden
Sabine Theresia Sauer, Peter Deeg & Heiner Vogel

Klinische Sozialberatung nach Brustkrebsoperation aus Sicht von Beraterinnen und erwerbstätigen Patientinnen
Dorothee Noeres, Siegfried Geyer & Lena Röbbel

Freiwilliges Engagement als Möglichkeit der Teilhabeförderung für Menschen mit chronischer Erkrankung. Neue Perspektiven für den Reha-Bereich.
Johannes Emmerich & Sandra Meusel

Wissen und Einstellungen zu Suizidalität bei Studierenden der Sozialen Arbeit
Lilly Hielscher & Silke Neuderth


Ergänzend zum Themenschwerpunkt

Psychotherapie in der spätmodernen Beschleunigungsgesellschaft – Notwendigkeit oder Anachronismus?
Monika Vogelgesang

­


Soziale Arbeit in der Rehabilitation – Theoretische Rahmung und Forschungsperspektiven
Stephan Dettmers

Zusammenfassung
Soziale Arbeit hat sich als Profession international seit einhundert Jahren in Praxisfeldern der Gesundheitsversorgung etabliert. In Deutschland ist bis in die 2000er Jahre keine einheitliche curriculare Ausbildungsstrategie für gesundheitsbezogene Soziale Arbeit entwickelt worden. Dies hat zur Folge, dass Sozialarbeiter nicht als Gesundheitsfachberuf identifiziert sind. Im Folgenden werden wesentliche theoretische und methodische Zugänge für die Soziale Arbeit in der Rehabilitation beschrieben, die insbesondere das Verhältnis von Person und Umwelt thematisieren. Diese sollten als Grundlage zur weiteren Entwicklung von Diagnoseinstrumenten und handlungswissenschaftlichen Perspektiven dienen.

Schlüsselwörter
Gesundheitsbezogene Soziale Arbeit, Lebensweltorientierung, person-in-environment, soziale Teilhabe


Social Work in Rehabilitation – theoretical framing and research perspectives

Abstract
Social work has established itself internationally as a profession in health care for one hundred years. In Germany, until the 2000s, there was no standardized curricular training strategy on health-related social work. As a result, social workers are not identified as health professionals. In the following, essential theoretical and methodological approaches to social work in rehabilitation are described, which in particular address the relationship between person and environment. These should serve as basis for the further development of diagnostic tools and perspectives for practical science.

Keywords
Health-related social work, lifeworld model, person-in-environment, social participation


Prof. Dr. phil. Stephan Dettmers, M.A.
Fachhochschule Kiel
Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit
Sokratesplatz 2
24149 Kiel

 


Ausgestaltung Sozialer Arbeit in medizinischen Rehabilitationseinrichtungen: Eine Bestandserhebung als Baustein der Entwicklung von Praxisempfehlungen für die Erbringung sozialer Leistungen in der medizinischen Rehabilitation
Matthias Lukasczik, Nina Luisa Zerban, Hans-Dieter Wolf, Katja Ehrmann, Silke Neuderth, Michelle Köhler, Elisabeth Röckelein & Heiner Vogel

Zusammenfassung
Leistungen des Sozialdienstes sind ein wesentlicher Bestandteil des Behandlungsspektrums in der medizinischen Rehabilitation. Es besteht jedoch ein Bedarf an einheitlichen Versorgungsstandards guter klinischer Praxis für das Tätigkeitsfeld der Sozialdienste. Im Rahmen eines Forschungsprojekts werden aktuell evidenzbasierte Praxisempfehlungen für diesen Bereich entwickelt. Die Befragung von Sozialdiensten in medizinischen Rehabilitationseinrichtungen (somatische und psychosomatische Ausrichtung; stationär und ambulant) zu ihrem aktuellen Vorgehen stellt hierbei eine wichtige Grundlage dar. In einer Online-Erhebung wurden Sozialdienste aller rentenversicherungseigenen bzw. federführend belegten Rehabilitationseinrichtungen (n=1.230) zu den Rahmenbedingungen ihrer Tätigkeit, zu durchgeführten Maßnahmen und Leistungen sowie zu Wünschen und Erwartungen an die Praxisempfehlungen befragt (Rücklauf nmax=381). Der Zugang zum Sozialdienst erfolgt häufig über die Zuweisung durch Ärzte oder interprofessionelle Teamsitzungen. Als Instrumente im Rahmen Sozialer Diagnostik werden v.a. Anamnesebögen, Checklisten und (selbstentwickelte) Fragebögen genannt. Bei den erbrachten Leistungen und relevanten Inhalten werden häufig berufsbezogene Themen und die allgemeine Sozialberatung angegeben. Insbesondere die Arbeit an psychosozialen und berufsbezogenen Problemlagen wird häufig in Gruppen umgesetzt. Eine externe Evaluation von Maßnahmen erfolgt selten. Die Mehrheit der Sozialdienste gibt an, dass bei Rehabilitanden mit bestimmten Problemlagen ein fachspezifischer Beitrag zur sozialmedizinischen Leistungsbeurteilung bzw. eine Stellungnahme am Reha-Ende erstellt wird. Wünsche und Bedarfe bezüglich der Praxisempfehlungen werden unter anderem im Hinblick auf die Durchführung spezifischer Maßnahmen, die Erfassung bestimmter Bedarfslagen sowie Diagnostik und Assessments genannt. Die Ergebnisse der Erhebung fließen gemeinsam mit anderen Projektbausteinen (u.a. Literaturrecherche, Expertenworkshop) in die Erstellung einer Konsultationsfassung der Praxisempfehlungen ein, die die Einrichtungen in einer zweiten Online-Erhebung kommentieren und evaluieren können.

Schlüsselwörter
Medizinische Rehabilitation, Sozialdienst, Soziale Arbeit, Online-Befragung


How are social services implemented in medical rehabilitation? Results of an online survey among rehabilitation clinics as one step in the development of practice recommendations for social work in medical rehabilitation

Abstract
Services offered by social work are an integral part of medical rehabilitation. However, there is a need for consistent standards of good clinical care practice in the line of social service activities. Therefore, evidence-based practice recommendations are being developed. One step of this procedure involves a survey among social services in medical rehabilitation facilities (somatic indications and psychosomatics; inpatient and outpatient care) regarding current clinical practice. The facilities were surveyed online regarding information on work processes and conditions, services provided and expectations related to the practice recommendations (nmax=381). Interprofessional team conferences and allocations by medical doctors are major access paths of patients to social services. History forms, checklists and (self-developed) questionnaires are instruments used within social diagnostics. A relative majority of social services indicates to provide contributions to the discharge report at the end of the rehabilitation in certain cases. Occupational topics and general social counseling are a central part of services. Services in the field of psychosocial issues and occupation are predominantly offered in group settings. External evaluation of measures is comparatively rare. Needs and expectations related to the practice recommendations concern, amongst others, the execution of specific measures, the assessment of specific patient needs/problems and diagnostics/assessments. The results of the survey will be combined with results from other components of the project (literature review, workshop with field experts). A consultation version of the practice recommendations developed on this basis shall be made available for comments and evaluation by rehabilitation facilities in a second online survey.

Keywords
Medical rehabilitation, social services, social work, online survey


Dr. Matthias Lukasczik
Universität Würzburg
Arbeitsbereich Medizinische Psychologie und Psychotherapie
Klinikstraße 3
97070 Würzburg

 


Prädiktoren der Inanspruchnahme sozialarbeiterischer Leistungen durch RehabilitandInnen aus orthopädischen und kardiologischen Rehabilitationseinrichtungen
Tobias Knoop & Thorsten Meyer

Kurzfassung
Bisher liegen unterschiedliche Vorstellungen dazu vor, welche RehabilitandInnen Leistungen der Sozialen Arbeit erhalten sollen. Bedarfskriterien der Sozialberatung bedürfen einer Konkretisierung. Eine unerklärte Variation der Inanspruchnahme sozialarbeiterischer Leistungen zwischen Rehabilitationseinrichtungen unterstreicht dieses Desiderat. In einem ersten Schritt sollen die RehabilitandInnen charakterisiert werden, die sozialarbeiterische Leistungen in Anspruch nehmen. Daher geht die vorliegende Studie der Frage nach, welche Merkmale die Inanspruchnahme sozialarbeiterischer Leistungen bei orthopädischen und kardiologischen RehabilitandInnen erklären.
Im Rahmen einer Sekundäranalyse zum Projekt „Merkmale einer erfolgreichen Reha-Einrichtung (MeeR)“ wurde anhand von Qualitätssicherungsdaten der DRV mithilfe von logistischen Regressionsmodellen die Bedeutung ausgewählter Merkmale von RehabilitandInnen auf die Inanspruchnahme von Leistungen Sozialer Arbeit analysiert.
Sozialmedizinische Risiken wie z.B. eine AU-Zeit von mehr als 6 Monaten im Vergleich zu unter drei Monaten (OR=1,64 [95%-CI:1,49-1,80]) standen mit einer erhöhten Inanspruchnahme der Leistungen in einem Zusammenhang. Zudem sank die Chance der Inanspruchnahme bei einem Heilverfahren (OR=0,29 [0,26-0,33]) im Vergleich zu einer AHB und bei nicht vorhandener Erwerbstätigkeit (OR= 0,69 [0,53-0,91]). Die diskriminative Güte der Modelle war begrenzt (c=.62; c=.65), sie blieb jedoch über den Zeitraum eines Jahres robust. Die Modellgüte betrug R²N =.072 (orthopädische Rehabilitation) bzw. R²N =.154 (kardiologische Rehabilitation).
Es zeigt sich, dass die vorliegenden Merkmale in den Routinedaten nur sehr bedingt geeignet sind, die Inanspruchnahme von Leistungen der Sozialen Arbeit vorherzusagen. Als nächster Schritt wären weiterführende, vertiefende qualitative Studien hilfreich, um relevante Merkmale bzw. Merkmalskonstellationen zu identifizieren.

Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, kardiologische Rehabilitation, orthopädische Rehabilitation, Sozialberatung, Inanspruchnahme, logistische Regression


Predictors of the utilization of social work services by inpatients in the context of orthopaedic and cardiac rehabilitation

Abstract
There have been different ideas about which rehabilitation patients should receive social work benefits. Criteria for the utilization of social counselling need specifications. Next to this, there is an unexplained variation in the utilization of social work services between rehabilitation institutions. This study will at first describe the rehabilitants who make use of social work services. Therefore, this study examines the question of which characteristics explain the use of social work services by orthopaedic and cardiac rehabilitants.
Within the framework of in-depth analyses of the project “Merkmale einer erfolgreichen Reha-Einrichtung (MeeR)”, the significance of selected characteristics for the utilization of social work services was assessed based on quality assurance data from the German Pension Insurance using logistic regression models. The goodness-of-fit (measurement accuracy) was checked internally and externally.
Socio-medical risks such as a sick-leave absence period of more than 6 months compared to less than 3 months (OR=1.64 [95%-CI:1.49-1.80]) were related to an increased utilization of social work services. In addition, the chance of utilization decreased (OR=0.29 [0.26-0.33]) when the rehabilitative services were engaged in post-acute rehabilitation and in unemployed rehabilitants (OR=0.69 [0.53-0.91]). The discriminatory quality of the models was limited (c=.62; c=.65), but they remained robust over the period of one year. The model quality was R²N =.072 (orthopaedic rehabilitation) and R²N =.154 (cardiac rehabilitation).
The included characteristics cannot predict the utilization accurately. Further qualitative research is needed to identify relevant factors or possible constellations of factors that drive the utilization.

Keywords
Social Work, cardiac rehabilitation, orthopaedic rehabilitation, social counselling, utilization, logistic regression


Tobias Knoop, MPH
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Universität Bielefeld,
Fakultät für Gesundheitswissenschaften
Stiftungsprofessur Rehabilitationswissenschaften
Rehabilitative Versorgungsforschung
Universitätsstraße 25
33615 Bielefeld

 


Curricula und Train-the-Trainer-Seminare zur Gruppenarbeit in der sozialen Arbeit in der Medizinischen Rehabilitation – Ein praxisbezogenes Angebot zur Standardisierung und Orientierungshilfe
Doris Hain & Martina Labahn

Kurzfassung
Die beruflichen Probleme der Rehabilitandinnen standen immer schon im Fokus der Sozialen Arbeit in der Medizinischen Rehabilitation. Durch die Implementierung der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation (MBOR) hat dies von Seiten der Deutschen Rentenversicherung noch einmal zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig wurde der Bedarf einer standardisierten Umsetzung berufsbezogener Angebote für alle Rehabilitationseinrichtungen betont. Um dieser Anforderung gerecht zu werden, wurden drei Curricula zur Gruppenarbeit in der Sozialen Arbeit in der medizinischen Rehabilitation sowie Train-the-Trainer-Seminare entwickelt.

Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Medizinische Rehabilitation, Gruppenarbeit, Curricula, Train-the-Trainer-Seminar


Curricula and train-the-trainer workshops on group work in social work in the context of medical rehabilitation – A practical offer for standardization and guidance

Abstract
Work-related problems of patients have always been the focus of social work in medical rehabilitation. The implementation of work-related medical rehabilitation (medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitaton [MBOR]) has made this even more important for the German Federal Pension Agency. At the same time, the need for a standardized implementation of work-related offers for all rehabilitation facilities was emphasized. In order to meet this requirement, three curricula for group work in social work in the context of medical rehabilitation and train-the-trainer workshops were developed.

Keywords
Social work, medical rehabilitation, group work, curricula, Train-the-Trainer Workshop


Doris Hain
Deutsche Rentenversicherung Bund
Reha-Zentrum Schömberg,
Klinik Schwarzwald
Römerweg 50
75328 Schömberg

 


Umsetzung der durch die Soziale Arbeit in der medizinischen Rehabilitation initiierten Nachsorgeempfehlungen
Michelle Köhler & Silke Neuderth

Kurzfassung
Die Deutsche Rentenversicherung Bund finanziert Rehabilitationsleistungen für Versicherte mit dem Ziel, deren berufliche und soziale Teilhabe möglichst langfristig sicherzustellen. Nachsorgemaßnahmen, die aus dem Kliniksetting heraus vorbereitet und organisiert werden, spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Ziel der Studie ist die Abschätzung der Nachhaltigkeit der durch den Sozialdienst unterstützten und eingeleiteten Nachsorgemaßnahmen für Rehabilitanden mit somatischen Krankheitsbildern. Mittels Online-Fragebogen wurden 52 Rehabilitanden 2-3 Monate nach Rehabilitationsende zur Umsetzung empfohlener Nachsorgemaßnahmen, möglichen Umsetzungshindernissen und der Zufriedenheit mit der sozialdienstlichen Betreuung befragt. Insgesamt wurde ein Großteil der durch die Soziale Arbeit angeregten Nachsorgemaßnahmen begonnen und erfolgreich abgeschlossen. Als entscheidend für den Erfolg der Maßnahmen erweist sich eine frühzeitige Organisation durch den Sozialdienst und eine intensive Begleitung des Rehabilitanden während der Planung. Umsetzungshindernisse, welche frühzeitig vom Sozialdienst berücksichtigt werden können, beziehen sich v.a. auf organisatorische Schwierigkeiten wie z.B. Wartezeiten und regionale Einschränkungen. Zudem fehlt es an ausreichender Betreuung bzw. konkreten Ansprechpartnern im Anschluss an die medizinische Rehabilitation.

Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Nachsorge, Medizinische Rehabilitation, Nachhaltigkeit


Implementation of aftercare measures initiated by clinical social work during medical rehabilitation

Abstract
Rehabilitative measures financed by the German Statutory Pension Insurance aim to secure occupational and social participation in the long run. Aftercare measures prepared and organized during the clinic stay play a decisive role. The study aims to estimate the sustainability of aftercare initiated by clinical social work during medical inpatient somatic rehabilitation. 52 patients were asked via online-questionnaire 2-3 months after discharge about the implementation of aftercare measures, possible barriers and satisfaction with social workers support. The majority of aftercare measures were already started and successfully completed. The early organisation and intensive support by the social workers while planning aftercare is crucial for the success of the measure. Main barriers for the implementation of aftercare measures that can be taken into account by the clinical social workers include organisational difficulties such as long waiting times for aftercare measures and local restrictions. Moreover, there is a lack of sufficient support and specific contact persons after discharge.

Keywords
Social Work, aftercare, medical rehabilitation, sustainability


Prof. Dr. Silke Neuderth
Hochschule für angewandte Wissenschaften
Würzburg-Schweinfurt
Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften
Münzstraße 12
97070 Würzburg

 


Umsetzung der sozialdienstlichen Beratung in der medizinischen Rehabilitation bei älteren Rehabilitanden
Sabine Theresia Sauer, Peter Deeg & Heiner Vogel

Kurzfassung
Moderne medizinische Rehabilitation versteht sich als der Teil einer Behandlungskette, in der es insbesondere um die Förderung der Teilhabe geht. Die Ergebnisse der Rehabilitationsmaßnahmen werden durch die Nachsorge bzw. die Umsetzung von Veränderungen in der Zeit nach der Rehabilitation stabilisiert, so dass die Vorbereitung der Nachsorge von besonderer Bedeutung für die Verstetigung ist.
Für die vorliegende Arbeit wurden ältere Rehabilitanden (> 65 J.) einer Rehabilitationsklinik acht Wochen nach dem Reha-Aufenthalt in einem halbstrukturierten Telefoninterview gefragt, ob und inwieweit es bisher gelang, die Empfehlungen des Sozialdienstes aus der Rehabilitation umzusetzen.
Im Ergebnis zeigt sich, dass viele Empfehlungen des Sozialdienstes bis zum Zeitpunkt der Nachbefragung von den Rehabilitanden nach Eigenangaben umgesetzt bzw. weiterverfolgt wurden. Hierzu zählen Möglichkeiten zur finanziellen Entlastung, Maßnahmen zur Unterstützung im Alltag und die Teilnahme an Sportprogrammen. Für die untersuchten Einflussvariablen (Geschlecht, Lebensalter, Barthel-Index, Lebensverhältnisse) lassen sich nur wenige signifikante Zusammenhänge nachweisen.
Angesichts der besonderen Bedeutung der Nachsorge werden Überlegungen angestellt, wie die Nachhaltigkeit der Vorbereitung der Nachsorge verbessert werden kann.

Schlüsselwörter
Geriatrische Rehabilitation, Interviewstudie, Nachsorge, Soziale Arbeit


Implementation of social service counseling in a medical rehabilitation center for elderly rehabilitation patients

Abstract
Modern medical rehabilitation is part of a treatment chain, which in particular supports the promotion of participation. Aftercare and the implementation of behavioral and lifestyle changes in the time after the rehabilitation aim at stabilizing the rehabilitation results, thus the preparation of aftercare is of particular importance for the consolidation.
For the present study older rehabilitants (> 65 years) of a rehabilitation clinic were asked in a semi-structured telephone interview eight weeks after the rehabilitation, if and to what extent the recommendations of the social service from the rehabilitation could be implemented.
The results show that many recommendations of the social service were implemented or followed up by the rehabilitants according to their own sef-reports until the time of the follow-up survey.
These include possibilities for financial relief (applications for care classification as well as degree of disability); measures to support everyday life (outpatient care, home emergency call, application for remedies / aids such as rollator / wheelchair) and participation in sports programs. However, only a few significant correlations can be demonstrated for the variables considered (gender, age, Barthel index, living conditions).
Given the special importance of follow-up care, considerations are made as to how sustainability of the preparation of aftercare can be improved.

Keywords
Geriatric rehabilitation, medical rehabilitation, aftercare, social work


PD Dr. Heiner Vogel
Universität Würzburg,
Zentrum für psychische Gesundheit
Arbeitsbereich Medizinische Psychologie und Psychotherapie
Klinikstraße 3
97070 Würzburg

 


Klinische Sozialberatung nach Brustkrebsoperation aus Sicht von Beraterinnen und erwerbstätigen Patientinnen
Dorothee Noeres, Siegfried Geyer & Lena Röbbel


Kurzfassung
Kliniksozialdienste in Brustzentren sind darauf ausgerichtet, Patientinnen nach einer Brustkrebsoperation in sozialrechtlichen Fragen zu beraten und sie bei der Bewältigung sozialer Belastungen zu unterstützen. Die vorliegende Studie untersucht mittels eines Mixed-Methods-Ansatzes (1) die Rahmenbedingungen der Sozialberatung aus Sicht von Sozialdienstmitarbeiterinnen und (2) die Zufriedenheit mit der klinischen Sozialberatung von erwerbstätigen Brustkrebspatientinnen, die drei Wochen nach ihrer ersten kurativen Operation postalisch befragt wurden. Der Fragebogen für die Patientinnen enthielt überwiegend standardisierte Fragen zur Inanspruchnahme und zu den Inhalten der Sozialberatung sowie zur Zufriedenheit mit der Beratung. Die Einschätzungen von zehn Beraterinnen, die in den Kliniken für die Betreuung der Brustkrebspatientinnen zuständig sind, wurden mittels leitfadengestützter, halboffener Experteninterviews nach Meuser & Nagel (1991) erhoben und ausgewertet. Die Sozialberaterinnen aller zehn beteiligten Brustzentren stellen ihre Arbeit so dar, dass sie in enger Kooperation mit anderen Berufsgruppen erfolgt, dass die Patientinnen in diesem frühen Behandlungsstadium sehr unterschiedlich aufnahmefähig für sozialrechtliche Themen sind und dass es angesichts eines oftmals nur zwei Tage andauernden Zeitfensters bis zur Entlassung nicht einfach ist, die Patientinnen umfassend zu beraten. Hinsichtlich ihrer primären Beratungsziele und Herangehensweisen ließen sich unter den Beraterinnen zwei unterschiedliche Kategorien identifizieren, die Beratung auf Beziehungsebene und die Beratung auf Sachebene. Letztere zeigte sich mit einer größeren Beratungszufriedenheit der Patientinnen assoziiert. In der Gesamtheit waren die Patientinnen mehrheitlich zufrieden mit der Beratung, ihre Zufriedenheit war weitgehend unabhängig von soziodemografischen Faktoren oder medizinischen Behandlungen – mit Ausnahme von schwachen Alters- und psychischen Belastungseffekten. Auch die Patientinnen verwiesen darauf, dass der hektische Klinikalltag oftmals nur wenig Zeit für die Beratung ließ und dass ihnen manchmal die Besprechung bestimmter Themen fehlte. Das Thema „Rückkehr zur Arbeit“ wurde in 21% der Fälle in der Sozialberatung besprochen. Laut Anregungen der Beraterinnen ließe sich die Kliniksozialberatung von Brustkrebspatientinnen dadurch optimieren, dass sie im Rahmen einer ambulanten Einbestellung und erst nach der Festlegung der weiterführenden Therapien erfolgt.

Schlüsselwörter
Sozialberatung, Brustkrebs, Beratungsquoten, berufstätige Frauen, Patientinnenzufriedenheit


Social counselling after breast cancer surgery – the perspectives of counsellors and working women

Abstract:
Social work in certified breast cancer centers is meant to provide social counselling for patients after surgery and to support them while coping with social burdens. Following a mixed-methods approach, this study examines (1) the clinical framework of social counselling in 10 breast cancer centers from the perspective of social counsellors and (2) the satisfaction of employed breast cancer patients who received social counselling. Three weeks after surgery, the enrolled patients were sent a questionnaire containing predominantly standardized questions about their access to and opinion about social counselling. Ten social counsellors who were responsible for providing advice to breast cancer patients were interviewed with semi-structured guidelines. The method of interviewing and analysis is based on the approach of expert-interviewing by Meuser & Nagel (1991).
All ten social counsellors talked about their close cooperation with other occupational groups while counselling their patients who often found it difficult to focus on topics that are not directly related to their medical treatment. To get access to patients is often a major challenge to the counsellors because patients are often discharged from hospital within two days after their operation. Regarding the aims and strategies of counselling, two different approaches were identified: (1) counselling on an interpersonal (relational) level and (2) counselling on a factual level.
The latter, being more based on providing information and advice, was associated with a higher degree of patients’ satisfaction. In general, patients were quite satisfied with the counselling independent of socio-demographic variables or medical treatment – with the exception of weak effects of age and psychological health. Patients’ answers also indicated that a hectic clinic life often prevented a thorough consultation with social counsellors and that some important issues could not be considered. The issue of return to work was discussed in 21% of cases. The counsellors recommend that the counselling be postponed till about 14 days after hospital discharge, because in most cases, further therapy will have been decided upon by that time.

Keywords
Social counselling, breast cancer, counselling rates, working women, patient satisfaction


Dr. Dorothee Noeres
Medizinische Hochschule Hannover
Medizinische Soziologie, OE 5420
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover

 


Freiwilliges Engagement als Möglichkeit der Teilhabeförderung für Menschen mit chronischer Erkrankung. Neue Perspektiven für den Reha-Bereich
Johannes Emmerich & Sandra Meusel

Kurzfassung
Zahlreiche Studien belegen die positiven Auswirkungen freiwilligen Engagements für engagierte Menschen. In Bezug auf die Ziele von Rehabilitationsmaßnahmen werden wesentliche Befunde der bestehenden Forschung zusammengetragen und durch eigene statistische Analysen ergänzt und erweitert. Es wird gezeigt, dass freiwillig engagierte Menschen durch die Tätigkeit in ihren sozialen und beruflichen Teilhabemöglichkeiten und in ihrer Lebensbewältigung unterstützt werden können.
Darüber hinaus werden die Zusammenhänge zwischen freiwilligem Engagement und gesundheitlichem Wohlbefinden bei chronisch kranken Menschen herausgearbeitet. Es wird deutlich, dass freiwilliges Engagement die psychischen Folgen chronischer Erkrankungen abmildern kann.
Aufbauend auf diesen Erkenntnissen werden Möglichkeiten der Unterstützung freiwilliger Tätigkeiten von Menschen, die an Rehabilitationsmaßnahmen teilnehmen, diskutiert.

Schlüsselwörter
Ehrenamt, freiwilliges Engagement, chronische Erkrankung, Teilhabe, Rehabilitation, Freiwilligenmanagement


Voluntary work as chance to promote participation of chronically ill people. New perspectives for rehabilitation

Abstract
Numerous quantitative and qualitative studies have proven the positive impact of voluntary work for the engaged people themselves. Considering the aims of rehabilitation the significant facts will be collected and supplemented by statistical analysis.
Results show that voluntary work may support people in their social and professional participation and dealing with life´s challenges. Correlation between voluntary work and psychological well-being will be worked out. There are indications that psychological consequences of chronic diseases can be reduced by voluntary work.
Based on these findings possibilities to promote voluntary work in patients joining rehabilitation measures will be discussed.

Keywords
Volunteering, chronic disease, participation, rehabilitation, volunteer management, voluntary work


Prof. Dr. Johannes Emmerich
Professor für Soziale Arbeit
SRH Hochschule Hamm
Platz der Deutschen Einheit 1
59065 Hamm

 


Wissen und Einstellungen zu Suizidalität bei Studierenden der Sozialen Arbeit
Lilly Hielscher & Silke Neuderth

Kurzfassung
Ziel der Studie war die Erfassung des Wissensstandes und der Einstellungen zu Suizidalität bei Studierenden der Sozialen Arbeit und ein Vergleich der Ergebnisse mit vorliegenden Studien an anderen Studierendenpopulationen. Hierzu wurde eine querschnittliche Fragebogenstudie mittels dem Online-Befragungstool „unipark“ durchgeführt. Eingesetzt wurde der „Fragebogen über Kenntnisse und Haltungen zum Suizid und zur Suizidalität“ (FKHS) von Richter in adaptierter Form. Es nahmen 178 Studierende an der Befragung teil (91,0 % weiblich; Durchschnittsalter 23,17 Jahre). Das Wissen zu Suizidalität war bei Studierenden der höheren Semester stärker ausgeprägt als bei den Studienanfängern. Im Vergleich zu den Medizin- und Psychologiestudenten in der Studie von Richter wiesen die Studierenden der Sozialen Arbeit ein ähnlich hoch ausgeprägtes Wissen zu Suizidalität auf. Auch hinsichtlich der Einstellungen ergaben sich keine großen Unterschiede zwischen den drei Gruppen, wobei einige stigmatisierende bzw. negative Aussagen in Bezug auf suizidale Menschen bei den Studierenden der Sozialen Arbeit auf stärkere Ablehnung trafen als bei den Medizin- und/oder Psychologiestudierenden. Übereinstimmend mit anderen Studien befürworteten Studierende der Sozialen Arbeit eine öffentliche Diskussion der Suizidproblematik.

Schlüsselwörter
Einstellungen, Wissen, Suizidalität, Studierende, Soziale Arbeit


Knowledge about and attitudes towards suicidality in social work students

Abstract
The study investigated the knowledge about and the attitudes towards suicide among Social Work students and compared the results with the existing research data regarding this topic. A cross-sectional online study was conducted using the FKHS questionnaire by Richter in an adapted version. The sample consisted of Social Work students (B.A.). 178 students participated in the study (91,0 % female; mean age 23,17 years). Students from the fifth and seventh semester scored significantly higher on the knowledge-scale than their fellow students from the first and third semester. Compared to the medical and psychology students in the study conducted by Richter, the knowledge about the epidemiology of suicides among Social Work students was similarly high. The attitudes towards suicide didn’t differ much between the three groups though the Social Work students disapproved some stigmatizing statements relating to suicidal people more than the medical and psychology students did. Similarities to other studies regarding this topic were found concerning the approval of a public discussion about suicidality.

Key words
Attitudes, knowledge, suicidality, students, Social Work


Lilly Hielscher
Prof. Dr. Silke Neuderth
Hochschule für angewandte Wissenschaften
Würzburg-Schweinfurt
Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften
Münzstraße 12
97070 Würzburg


 


Psychotherapie in der spätmodernen Beschleunigungsgesellschaft – Notwendigkeit oder Anachronismus?
Monika Vogelgesang

Zusammenfassung
Die Auffassung, dass der Mensch sein Schicksal selbst in die Hand nehmen solle, ist zentral für die klassische Moderne. Sie äußert sich auch in dem Konzept der Eigenverantwortlichkeit der Psychotherapie, die sich als Hilfe bei einem persönlichen Veränderungsprozess in Richtung größerer Autonomie versteht. Die ökonomisch begründete sowie durch Normierung, Automatisierung, Digitalisierung und permanente Kontrolle bewirkte Beschleunigung aller wesentlichen Prozesse hat zu einem rapiden Wandel der Lebensverhältnisse und Wertvorstellungen sowie zu beruflicher wie auch persönlicher Volatilität geführt. Obwohl Fallbeobachtungen dafür sprechen, dass sich ein Persönlichkeitstyp herausbildet, der sich den schnell changierenden Bedingungen äußerlich anzupassen scheint, gefährden Beschleunigung und Instabilität der Lebensverhältnisse die seelische Gesundheit auch weiterhin erheblich. Die hohe Quote an psychischen Störungen zeigt entsprechend, dass der Bedarf an Psychotherapie größer ist denn je.
Doch auch die Welt der Psychotherapie ist von dem beschriebenen Wandel betroffen: immer weiter ausufernde Normierungen, Standardisierung und Bürokratisierung betreffen sie ebenso wie zunehmend drängende Einflussnahmen in Richtung einer schnelleren Abwicklung der Behandlung.
Doch Psychotherapie und Stoppuhr sind nicht miteinander zu vereinbaren. Psychotherapie braucht Zeit, braucht Muße und Raum für Empathie, Kreativität und Innovation. Ansonsten wird sie viel von ihrer Wirkmächtigkeit verlieren.
Psychotherapie ist im spätmodernen Beschleunigungszeitalter notwendiger denn je, sie wird jedoch nur wirksam bleiben können, wenn man ihr ein stabiles Umfeld erhält, in dem sie ihre ureigenen Werte auch weiterhin verwirklichen kann.

Schlüsselwörter
Psychotherapie, Beschleunigung, Werte, Standardisierung, Anpassung


Psychotherapy in late modern times of acceleration: necessity or anachronism?

Summary
The view of man as master of his own fate is central for the classical modern perspective on life. It is shared by the concept of psychotherapy as a way of helping an individual taking responsibility for his or her personal change.
Acceleration is another central issue of modernity. It reached a critical dimension of transformation in late modern times and lead to professional as well as personal volatility in western societies. Empathy, commitment and individual responsibility, the core values of psychotherapy do not seem to be fitting into our time any longer. Furthermore they are threatened by attempts to industrialise psychotherapy by standardisation thus endangering its very existence.
But even though a volatile personality with high situational adaptation is evolving, man still needs a safe base in life in order to maintain psychological health. The increase of mental morbidity shows that psychotherapy and its values are needed more than ever.
If psychotherapy is to survive, it is necessary to preserve for it an environment of stability and respect for its values.

Keywords
Psychotherapy, Acceleration, Standardisation, Values, Adaptation


Dr. Monika Vogelgesang
MEDIAN Klinik Münchwies
Turmstraße 50–58
66543 Neunkirchen
Telefon: 06858 691215

 



Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation
32. Jahrgang · 2019 · Heft 2 (106)

Pabst, 2019
ISSN 0933-842X
Preis: 14,- €

» Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation im Online-Shop...





alttext