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Psychosoziale und Medizinische Rehabilitation

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2022-4 (184)

Inhaltsverzeichnis

 

Editorial


Wolfgang Hien
Corona-Gefährdung im Erleben von Pflegekräften – Eine explorative Studie


Julia Struppe-Schanda & Markus Wrbouschek
Sorgeorientierungen psychosozialer Praktiker*innen 


Finja Walsdorff, Max Kanderske & Claudius Clüver
Digital Biedermeier. Praktiken der Fürsorge in Tend-and-befriend-Spielen 


Lotta Fiedel & Karen Geipel
»Es ist das, was sie den ganzen Tag macht – was aber keiner sieht«: Eine Analyse der medialen Debatte um Mental Load aus diskurs- und geschlechtertheoretischer Perspektive


Anna Hartmann
Sorge als unverfügbare Bindung


Autorinnen und Autoren dieses Heftes


 


Editorial
Nora Ruck und Markus Wrbouschek


 


Wolfgang Hien
Corona-Gefährdung im Erleben von Pflegekräften – Eine explorative Studie

Im Rahmen des methodischen Ansatzes der grounded theory wurden zwischen Mai und Juni 2020 insgesamt 26 Interviews mit Pflegekräften aus Krankenhäusern und Altenpflegeheimen im Raum Bremen und Nordniedersachsen durchgeführt. Die Corona-Krise deckte die Versäumnisse und die seit Jahren sich kumulierenden Belastungsstrukturen in der Pflegearbeit auf. Neben der unzureichenden Raum-, Materialund Personalausstattung erwiesen sich auch das tradierte Medizin-Pflege-Verhältnis und die fehlende Interdisziplinarität als problematisch. Belastend waren die widersprüchlichen und vielfach als chaotisch empfundenen Verordnungen, Vorgaben und Anweisungen der Behörden, namentlich der Gesundheitsämter. Als positive Ressource wurde in vielen Fällen das unterstützende Team wahrgenommen, auch wenn immer wieder Beispiele unsolidarischen Verhaltens zu beklagen sind.

Schlagwörter: Corona-Gefährdung, professionelle Pflegearbeit, subjektives Erleben


 


Julia Struppe-Schanda & Markus Wrbouschek
Sorgeorientierungen psychosozialer Praktiker*innen


Sorgeorientierungen psychosozialer Praktiker*innen sind in Zusammenhang mit Sorge-Debatten bisher kaum Gegenstand von Untersuchungen geworden. Dabei handelt es sich bei psychologisch-psychotherapeutischen Tätigkeiten auch um Praktiken der (Für-)Sorge, wenngleich diese Praktiken nicht mit anderen Sorgetätigkeiten und -verhältnissen gleichzusetzen sind. Der vorliegende Beitrag widmet sich daher der Frage, welche psychischen Sorgeorientierungen Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen aufweisen und wie sich die Praktiker*innen zu den Sorge-Bedingungen des Psy-Feldes verhalten. Ausgehend von einer ersten Begegnung mit dem Psychisch-Seelischen, werden die frühen Sorgeorientierungen rekonstruiert und gemeinsam mit den Ausbildungs- und Praxiserfahrungen sowie mit den Struktur-Bedingungen professionalisierter Sorgearbeit in ein Verhältnis gebracht. Die Daten wurden mittels leitfadengestützter Interviews erhoben und in Anlehnung an die Grounded Theory Methodologie
ausgewertet. Es konnten drei psychische Sorgeorientierungen herausgearbeitet werden (›eigene Innenleben‹, ›Menschen helfen‹ und ›Psy-Literatur‹), in denen sich ein struktureller Individualismus zeigt. In der Begegnung mit dem psychisch-seelischen Feld zeigt sich zudem eine fehlende reflexive Auseinandersetzung mit den prekären Bedingungsgefügen des Psy-Felds.

Schlagwörter: Care-Arbeit, Sorge-Bedingungen, Psychomarkt, Kritische Psychotherapie, Kritische Psychologie


 


Finja Walsdorff, Max Kanderske & Claudius Clüver
Digital Biedermeier.
Praktiken der Fürsorge in Tend-and-befriend-Spielen

Im Zuge der COVID-19-Pandemie avancierten digitale Spiele zu einem beliebten ›Krisenhobby‹, das den Spieler*innen während Phasen häuslicher Isolation als Stütze und Ablenkung diente. Ausgehend von diesem Befund geht der Artikel der Frage nach, wie Tend-and-befriend-Spiele, allen voran Nintendos Animal Crossing-Serie, Praktiken der (Selbst-)Sorge ermöglichen und so das Wohlbefinden der Spieler*innen fördern – auch und gerade unter den durch die Pandemie geschaffenen Bedingungen. Anhand einer Parallelstellung mit dem historischen Biedermeier bestimmen wir dabei zunächst die spezifische Relation zwischen den von uns untersuchten spielerischen Praktiken und den räumlichen Verhältnissen, in denen diese stattfinden. Die daran anschließende philosophische Einordnung der mittels Spielanalyse und teilnehmender Beobachtung erfassten spielerischen Handlungen zeigt, dass die Praktiken des Digital Biedermeier weit über einen bloßen eskapistischen Rückzug hinausgehen, lassen sich in ihnen doch die von Hannah Arendt identifizierten menschlichen Grundtätigkeiten des Arbeitens, Herstellens und (politischen) Handelns wiederfinden.

Schlagwörter: Fürsorge, Mentale Gesundheit, Videospiele, COVID-19, Animal Crossing


 


Lotta Fiedel & Karen Geipel
»Es ist das, was sie den ganzen Tag macht – was aber keiner sieht«: 
Eine Analyse der medialen Debatte um Mental Load aus diskurs- und geschlechtertheoretischer Perspektive

Mit ihrem Comic »You Should‘ve Asked« hat die Autorin Emma 2017 eine Diskussion um eine bislang unsichtbare Seite von Sorge-Arbeit und damit verbundende Last von Frauen bzw. Müttern angestoßen: Mental Load, das geistige Managen sowie die daraus resultierende Erschöpfung im Kontext von Haushalt und Familie, ist seitdem Gegenstand einer intensiven öffentlich-medialen Debatte. Eine Rückbindung an Geschlechterforschung steht hingegen noch aus, obgleich mit dem Konzept die psychische Seite von Sorge-Arbeit und deren ungleiche Verteilung in den Blick gerückt werden kann. Mit dem Ziel, eine Brücke zwischen medialer Debatte und Geschlechterforschung zu schlagen, stellen wir in dem Beitrag zentrale Befunde einer empirischen Analyse ausgewählter Online-Zeitungs- und Zeitschriftenartikel aus diskurs- und geschlechtertheoretischer Perspektive vor. Leitend ist dabei die Frage, als welcher Gegenstand Mental Load wie (un-)sagbar gemacht wird. Die Ergebnisse unterziehen wir abschließend einer geschlechtertheoretischen Reflexion und zeigen Anschlusspunkte zwischen der Debatte um Mental Load und feministischer Gesellschaftskritik auf.

Schlagwörter: Mental Load, Sorge, Geschlechterforschung, Diskursanalyse, Feminismus

 



Anna Hartmann
Sorge als unverfügbare Bindung

Vor dem Hintergrund unterschiedlicher feministischer Forderungen bezüglich veränderter Sorge-Verhältnisse (Lohn für Hausarbeit 1977 und Care-Manifest 2019) diskutiert der Artikel die im letzten halben Jahrhundert stattgefundene Transformation in der Organisationsweise der Sorge-Arbeit sowie die damit verbundenen Verschiebungen in den Geschlechterverhältnissen und Subjektivierungsweisen. Im Zentrum steht die These, dass die zunehmende Kommodifizierung von Sorge-Tätigkeiten zu einer Entsorgung der Sorge geführt hat, womit das, was Sorge im Kern auszeichnet, ihre Beziehungshaftigkeit, ausradiert wird. Aus einer feministischen und psychoanalytischen Perspektive wird diese schwindende Beziehungshaftigkeit in Bezug auf die Bezogenheit der Subjekte und die psychische Verarbeitung ihrer Angewiesenheit diskutiert. Es wird für veränderte (emanzipatorische) Sorge-Verhältnisse plädiert, die voraussetzen, Sorge als unverfügbare Bindung zu denken und zu entwerfen.

Schlagwörter: Sorge, Subjekt, Angewiesenheit, Feministische Theorie, Psychoanalyse

 


 

Autor:innen dieses Heftes

 


Psychologie & Gesellschaftskritik
46. Jahrgang • 2022 • Heft 4 (184)
Pabst, 2022
ISSN 0170-0537
Preis: 19,- €

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