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Psychosoziale und Medizinische Rehabilitation

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2022-1 (117)

Inhaltsverzeichnis

 

Rehabilitationspsychologie im Wandel
Ulrike Worringen, Dieter Küch, Manfred Schönfeld & Miriam Markus


Universitäre Ausbildung und Forschung in der Rehabilitationspsychologie: Was wird sich ändern?
Jürgen Bengel & Lia York


Sind die evidenzbasierten Praxisempfehlungen für psychologische Interventionen in der medizinischen Rehabilitation noch aktuell?
Oskar Mittag

 

Psychologische Versorgung in der somatischen Rehabilitation: Vergleich von Qualitätssicherungsdaten aus den Jahren 2007 und 2019
Ulrike Worringen


Somatische Rehabilitation als psychotherapeutische Aus- und Weiterbildungsstätte
Dieter Benninghoven & Ulrike Worringen


Bedeutung der Aus- und Weiterbildungsreform für die Fachpsycholog*in für Rehabilitation
Dieter Schmucker, Anja Nielsen & Diana Stuckenbrock


Weiterbildung „Spezielle Schmerzpsychotherapie“: Hintergrund, Bedarf und Konzept in der somatischen Rehabilitation
Dieter Küch, Thorsten Meyer & Michael Hüppe


Weiterbildung „Spezielle Psychotherapie bei Diabetes“: Konzept und Bedarf
Andrea Benecke


Stellenwert der Psychotherapie in der verhaltensmedizinisch orientierten kardiologischen Rehabilitation
Britta Mai


Sozialmedizinische Aufgaben für Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen in der Rehabilitation
Ulrike Worringen


Verhaltensmodifikation in der medizinischen Rehabilitation: Die Rolle der Psycholog*innen
Andrea Reusch, Wiebke Göhner & Karin Meng

 


 

Rehabilitationspsychologie im Wandel
Ulrike Worringen, Dieter Küch, Manfred Schönfeld & Miriam Markus

 


 

Universitäre Ausbildung und Forschung in der Rehabilitationspsychologie: Was wird sich ändern?

Jürgen Bengel & Lia York


Zusammenfassung
Die aktuelle Reform der Psychotherapieaus- und -weiterbildung von 2020 bringt deutliche Veränderungen für die Studiengänge der Psychologie insgesamt sowie die inhaltliche und formale Qualifikation der Absolvent: innen mit sich. Sie beeinflusst auch die Ausbildung und Forschung im Bereich der Rehabilitationspsychologie. Die Neuregelung der psychologischen Psychotherapieausbildung und die damit zusammenhängenden Veränderungen im Psychologiestudium sind aus klinisch-psychologischer und rehabilitationspsychologischer Sicht sehr zu begrüßen. Die Masterabsolvent:innen im Studiengang Klinische Psychologie und Psychotherapie werden insgesamt spezifischer und besser als bisher auf die Erfordernisse in einem klinisch-psychologischen Tätigkeitsfeld vorbereitet sein. Sie weisen am Ende des Studiums praxisbezogenes Wissen und Kompetenzen auf, die auch in der rehabilitativen Versorgung gebraucht werden. Allerdings werden die forschungsmethodischen Inhalte gegenüber den bisherigen Masterstudiengängen reduziert. Es ist zu befürchten, dass die Ausbildung von Forschungskompetenzen in den Studiengängen der klinischen Psychologie und Psychotherapie insgesamt – und somit auch für die Rehabilitationspsychologie – weniger intensiv sein wird. Die 5-jährige Vollzeitweiterbildung lässt zudem wenig Raum für eine wissenschaftliche Arbeit; eine Forschungstätigkeit im Bereich Psychotherapie sollte im Interesse der Weiterentwicklung der Psychotherapie auf die Weiterbildungszeit angerechnet werden können. Dennoch wird die Einführung des neuen Masterstudiengangs keine grundsätzliche Veränderung im Forschungsbereich klinische Psychologie in der Rehabilitation bringen. Die Rehabilitationspsychologie wird sich weiterhin der für sie relevanten Ergebnisse der klinischen Psychologie und der Gesundheitspsychologie bedienen und ihre eigenen Studien auf den Tagungen der klinischen und Gesundheitspsychologie und/oder der Rehabilitationswissenschaften präsentieren. Es ist zu hoffen, dass der positive Trend einer vermehrten Forschungsaktivität in Rehabilitationseinrichtungen in Kooperation mit Universitäten und Hochschulen beibehalten wird.

Schlüsselwörter: Psychologiestudium, Reform der Psychotherapieausbildung, Forschung, Rehabilitation

 

University training and research in rehabilitation psychology: What will change?


Abstract
The current reform of psychotherapy training for psychologists in 2020 involves significant changes for the study programmes in psychology as well as the content-related and formal qualification of graduates. It also influences training and research in the field of rehabilitation psychology. From the perspective of clinical and rehabilitation psychology, the new regulation of psychological psychotherapy
training and the associated changes in psychology studies are promising. Master's graduates in clinical psychology and psychotherapy will be prepared better and more specifically for the requirements in a clinical psychological field of practice. At the end of their studies, they will have acquired practice-related knowledge and competences that are also needed in rehabilitative care.
However, the research-methodological content is reduced compared to the previous Master's programmes. It is to be feared that the training of research competences in study programmes of clinical psychology and psychotherapy as a whole – and thus also for rehabilitation psychology – will be less extensive. The 5-year full-time further training in psychotherapy also leaves little room for scientific work; it should be possible
to count research work in the field of psychotherapy towards the further training period in the interest of an ongoing development of psychotherapy. Nevertheless, the introduction of the new Master's programme will not bring about any fundamental change in the research area of clinical psychology in rehabilitation. Rehabilitation psychology will continue
to make use of the results of clinical psychology and health psychology that are relevant to it and present its own studies at the conferences of clinical and health psychology and/or rehabilitation sciences. It is hoped that the positive trend of increased research activity in rehabilitation institutions in cooperation with universities and colleges will be maintained.

Key words: psychology studies, reform of psychotherapy training, research, rehabilitation


Prof. Dr. Dr. Jürgen Bengel
Abteilung für Rehabilitationspsychologie und Psychotherapie
Institut für Psychologie
Universität Freiburg
Engelbergerstr. 41, D-79085 Freiburg
+49-761-203-2122
juergen.bengel@psychologie.uni-freiburg.de

M.Sc. Lia York
Abteilung für Rehabilitationspsychologie und Psychotherapie
Institut für Psychologie
Universität Freiburg
Engelbergerstr. 41, D-79085 Freiburg


 

Sind die evidenzbasierten Praxisempfehlungen für psychologische Interventionen in der medizinischen Rehabilitation noch aktuell?

Oskar Mittag


Zusammenfassung
Für wichtige Indikationen in der medizinischen (somatischen) Rehabilitation liegen evidenzbasierte und breit konsentierte Praxisempfehlungen für psychologische Interventionen vor. Diese Empfehlungen sollen darauf überprüft werden, ob sie angesichts neuerer Evidenz sowie der gesetzlichen Reform der Aus- und Weiterbildung von PsychotherapeutInnen noch aktuell sind. Insbesondere für die zeitlich frühen Empfehlungen für chronische Rückenschmerzen und koronare Herzerkrankung liegen neuere Reviews und Metaanalysen vor, die eine Aktualisierung der Empfehlungen ermöglichen. Auch die neuen Weiterbildungsregeln haben Auswirkungen für die (somatische) Rehabilitation und damit auf die Praxisempfehlungen.

Schlüsselwörter: Evidenz, medizinische Rehabilitation, Psychotherapeut, psychologische Interventionen, Praxisempfehlungen

 

Are the evidence-based practice guidelines for psychological interventions in medical rehabilitation still up-to-date?


Abstract
Evidence- and widely consensus-based practice guidelines for psychological interventions are available for important indications in medical (somatic) rehabilitation. These guidelines will be reviewed to determine whether they are still relevant in light of recent evidence and legislative reform of psychotherapist education and training. In particular, for the early recommendations for chronic low back pain and coronary
heart disease, recent reviews and meta-analyses are available making an update of the guidelines seem desirable. The new rules für specialist psychotherapy training also have implications for (somatic) rehabilitation and thus for the practice guidelines.

Keywords: evidence, medical rehabilitation, psychotherapist, psychological interventions, practice guidelines


Prof. Dr. Oskar Mittag
Vahldiekstrasse 18c
23701 Eutin
oskar.mittag@gmx.de


 


Psychologische Versorgung in der somatischen Rehabilitation: Vergleich von Qualitätssicherungsdaten aus den Jahren 2007 und 2019

Ulrike Worringen

 

Zusammenfassung
Hintergrund und Fragestellung: Ob die psychologische Versorgung in somatischen Rehabilitationseinrichtungen den psychischen Beeinträchtigungen der Versicherten gerecht wird, wurde in den vergangenen zwanzig Jahren vielfach diskutiert und wissenschaftlich untersucht. Anhand von Qualitätssicherungsdaten der Deutschen Rentenversicherung aus den Jahren 2007 und 2019 wird in diesem Beitrag der Frage
nachgegangen, ob sich seit Einführung der trägerübergreifenden Strukturanforderungen und der Reha-Therapiestandards (RTS) die psychologische Versorgung in den somatischen Indikationen der medizinischen Rehabilitation geändert hat. Ergebnisse: Die Anzahl der psychologisch versorgten Rehabilitand*innen hat in fast allen somatischen Indikationen sowohl für psychologische Einzel- und Gruppenangebote als auch für die Entspannungstherapie zugenommen. Die Anzahl von Rehabilitand*innen mit psychologischen Leistungen liegt für alle psychologischen Angebote deutlich über der Mindestvorgabe der RTS. Die Zunahme an psychologisch betreuten Rehabilitand*innen geht allerdings zu Lasten des durchschnittlichen Leistungsumfangs pro Rehabilitand* in und Leistung. In der orthopädischen Rehabilitation ist der Anteil der psychologisch versorgten Rehabilitand* innen im Vergleich zu 2007 mit 18% am stärksten angestiegen. Die zunehmende psychologische Versorgung korreliert allerdings nicht mit einer Zunahme an dokumentierten psychischen Störungen. Schlussfolgerung: Reha-Einrichtungen sind mit der zunehmenden Bedeutung der Qualitätssicherung bemüht, die Vorgaben der RTS vollumfänglich zu erfüllen. Der starke Zuwachs an psychologisch versorgten Rehabilitand*innen in der orthopädischen Rehabilitation lässt auf eine verbesserte Umsetzung des bio-psycho-sozialen Behandlungsansatzes in der Rehabilitation von Versicherten mit chronischen Schmerzerkrankungen hoffen. Die Erfassung und Dokumentation psychischer Störungen könnte mit der Stärkung psychotherapeutischer Qualifikation in der somatischen Rehabilitation sowie dem Ausbau der verhaltensmedizinisch orientierten Rehabilitation in allen Indikationen der somatischen Rehabilitation noch deutlich verbessert werden.

Schlüsselwörter: Psychologische Versorgung, somatische Rehabilitation, Reha-Therapiestandards, Psychische Diagnosen, Psychotherapie

 

Psychological care in somatic rehabilitation: comparison of quality assurance data from 2007 and 2019


Abstract
Background and research question: The question as to whether psychological care in somatic rehabilitation facilities justice benefits the insured by minimizing psychological impairments has been part of a controversial scientific discourse over the past two centuries. Based on quality assurance data derived from the German Pension Insurance between 2007 and 2019, this paper investigates whether psychological care in somatic indications provided in medical rehabilitation has changed since the introduction of the cross-agency structural requirements and the rehabilitation therapy standards (RTS). Results: The number of rehabilitation patients receiving psychological care has increased in almost all somatic indications, both for individual and group psychological services and for guided relaxation techniques. The number of rehabilitation patients receiving psychological services is clearly above the minimum requirement of the RTS for all psychological services. However, the increase in the number of rehabilitation patients receiving psychological care is at the expense of the average number of services per rehabilitation patient and service. In orthopaedic rehabilitation, the proportion of rehabilitation patients receiving psychological care has increased the most compared to 2007, at 18%. However, the increase in psychological care does not correlate with an increase in documented psychological disorders. Conclusion: With the increasing importance of quality assurance, rehabilitation facilities are striving to fully comply with the requirements of the RTS. The strong increase in psychologically treated rehabilitation patients in orthopaedic rehabilitation provides hope for an improved implementation of the bio-psycho-social treatment approach in the rehabilitation of insured persons with chronic pain disorders. The recording and documentation of psychological disorders could be significantly improved by strengthening psychotherapeutic qualifications in somatic rehabilitation and by expanding behavioural medicine-oriented rehabilitation in all indications of somatic rehabilitation.

Key words: psychological care, somatic rehabilitation, rehabilitation therapy standards, psychological diagnoses, psychotherapy

 

Dr. Ulrike Worringen
Deutsche Rentenversicherung Bund
Abteilung Rehabilitation der Deutschen
Rentenversicherung Bund
10704 Berlin
dr.ulrike.worringen@drv-bund.de


 


Somatische Rehabilitation als psychotherapeutische Aus- und Weiterbildungsstätte

Dieter Benninghoven & Ulrike Worringen


Zusammenfassung
Psychische Erkrankungen und Beeinträchtigungen sind häufige Komorbiditäten bei Rehabilitand*innen in der somatischen Rehabilitation. Psychotherapie ist das Mittel der Wahl zur Behandlung psychischer Erkrankungen und befördert eine verbesserte Teilhabe. Besonders die verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation ist ein geeigneter Ort, Psychotherapie im Kontext körperlicher Erkrankungen zu erlernen.
Theoretische Ausbildung, Supervision psychotherapeutischer Behandlungen im multiprofessionellen Behandlungsteam und Selbsterfahrung sind die wichtigen Bausteine der psychotherapeutischen Aus- bzw. Weiterbildung. Sie sollten innerhalb und außerhalb der somatischen Rehabilitationsklinik vermittelt werden. Die Reform des Psychotherapeutengesetzes ermöglicht es den somatischen Reha-Einrichtungen, sich
als Weiterbildungsstätte für Fachpsychotherapeut*innen zu etablieren und eine qualitativ hochwertige psychotherapeutische Behandlung körperlich Kranker strukturell zu gewährleisten.

Schlüsselwörter: Psychotherapieausbildung, somatische Rehabilitation, Verhaltensmedizin

 

Somatic rehabilitation as a facility for psychotherapy training


Abstract
Mental disorders or impairments are frequent comorbidities in rehabilitation of somatic diseases. Psychotherapy is the primary treatment for mental disorders. It helps to improve participation. Especially the behaviorally oriented rehabilitation is a suitable training environment for psychotherapy in somatic diseases. Theoretical training, supervision of psychotherapeutic treatment in multidisciplinary teams and
self-awareness are core components of psychotherapy training. These components should be imparted within and beyond the rehabilitation clinic. The new rules for specialist psychotherapy training offer new opportunities for somatic rehabilitation clinics to establish themselves as training institutions for psychotherapists. The new curriculum may ensure a high-quality psychotherapeutic treatment for patients with
somatic diseases.

Keywords: psychotherapy training, somatic rehabilitation, behavioral medicine

 

Dr. Ulrike Worringen
Deutsche Rentenversicherung Bund
10704 Berlin
dr.ulrike.worringen@drv-bund.de

PD Dr. Dieter Benninghoven
Mühlenbergklinik Holsteinische Schweiz
Frahmsallee 1-7
23714 Bad Malente-Gremsmühlen
dieter.benninghoven@drv-nord.de


 


Bedeutung der Aus- und Weiterbildungsreform für die Fachpsycholog*in für Rehabilitation

Dieter Schmucker, Anja Nielsen & Diana Stuckenbrock


Zusammenfassung
Durch die Zertifizierungsordnung “Fachpsycholog*in für Rehabilitation” wurde im Jahr 2015 ein freiwilliges Angebot geschaffen, die während der psychologischen Tätigkeit erworbenen berufsspezifischen Kenntnisse und Erfahrungen abzubilden. Psycholog*innen, die in verschiedenen Bereichen der Rehabilitation tätig sind, können ihre langjährige Arbeit und Beschäftigung mit der Rehabilitation durch diese Zusatzqualifikation
würdigen. Die Verbindung von Grundlagenwissen der Psychologie mit rehaspezifischen Grundgedanken wird auch zukünftig eine wichtige Rolle in der Behandlung von Rehabilitand*innen spielen. Diese Wissensverknüpfung fand bisher während der konkreten beruflichen Tätigkeit in der Rehabilitation statt – und wird vermutlich auch zukünftig dort stattfinden. Die Zusatzweiterbildung und -qualifikation
“Fachpsycholog*in Rehabilitation” bleibt damit so relevant und fakultativ wie bisher.

Schlüsselwörter: Fortbildung, Weiterbildung, Fachpsycholog*innen, Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Rentenversicherung

 

Significance of the education and training reform for the specialist psychologist for rehabilitation


Abstract
Through the certification regulation "Specialist Psychologist for Rehabilitation", a voluntary offer was created in 2015 to map the profession-specific knowledge and experience acquired during psychological work. Psychologists who work in different areas of rehabilitation can recognise their many years of work and involvement with rehabilitation through this additional qualification. The combination of basic knowledge of
psychology with rehabilitation-specific fundamental ideas will continue to play an important role in the treatment of rehabilitation patients in the future. This linking of knowledge has so far taken place during the concrete professional activity in rehabilitation – and will presumably also take place there in the future. The additional training and qualification "specialist psychologist for rehabilitation" therefore remains as
relevant and optional as before.

Key words: continuing education, further training, specialist psychologists, psychologists, psychotherapists, pension insurance

 

Dipl.-Psych. Dieter Schmucker
Psychologischer Psychotherapeut und Supervisor
(VT), Spezielle Schmerzpsychotherapie,
Fachpsychologe für Rehabilitation (BDP)
Städtische Rehakliniken Bad Waldsee,
Abteilung Psychologie
Maximilianstraße 13
88339 Bad Waldsee
d.schmucker@waldsee-therme.de

Dr. Dipl.-Psych. Anja Nielsen
Psychologische Psychotherapeutin und Supervisorin
(VT)
Fachpsychologin für Rehabilitation (BDP)
Klinik für Psychische Gesundheit,
Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Campus 1
48149 Münster
dr.anjanielsen@t-online.de

Dipl.-Psych. Diana Stuckenbrock
Psychologische Psychotherapeutin (VT)
Überörtliche Berufsausübungsgemeinschaft
Graute & Kollegen
Lambertuskirchplatz 7
59387 Ascheberg
Diana.stuckenbrock@praxis-graute-kollegen.de


 


Weiterbildung „Spezielle Schmerzpsychotherapie“: Hintergrund, Bedarf und Konzept in der somatischen Rehabilitation

Dieter Küch, Thorsten Meyer & Michael Hüppe

 

Zusammenfassung
Schmerzen werden als biopsychosoziales Geschehen betrachtet. Die Bedeutung psychologischer und sozialer Einflüsse, ihrer Diagnostik und Behandlung ist in den letzten Jahrzehnten zunehmend größer geworden. Als Goldstandard gilt heute international die interdisziplinäre multimodale Behandlung. Im Arbeitsfeld der medizinischen Rehabilitation wurden spezifische Gruppenprogramme zu Schmerz entwickelt. Umfang und Intensität psychologischer und psychotherapeutischer Schmerzversorgung sind sehr heterogen und Gegenstand aktueller Untersuchungen. Seit etwa 2 Jahrzehnten gibt es in Deutschland eine Weiterbildung zur Speziellen Schmerzpsychotherapie, die in vielen schmerzbezogenen Einrichtungen und zunehmend auch durch die Psychotherapeutenkammern anerkannt wird.

Schlüsselwörter: Biopsychosozial, psychologische Schmerzversorgung, medizinische Rehabilitation, IMST, spezielle Schmerzpsychotherapie

 

Further education „Special Pain Psychotherapy“: Background, need and concept within the somatic medical rehabilitation


Summary
Pain is considered as a biopsychosocial phenomen. The meaning of psychological and social influences, their diagnostic and treatment has increased during the last years. International gold standard today is an
interdisciplinary multimodal treatment. Specific pain-related group programs have been developed within the working field of medical rehabilitation. Extent and intensity of psychological and psychotherapeutical
pain-care are very heterogeneous and actually they are being researched. There is an education program for specific pain psychotherapy for about 20 years now, that is more and more respected by pain related institutions and also within the professional associations of psychotherapists.

Keywords: biopsychosocial, psychological pain care, medical rehabilitation, interdisciplinary multimodal treatment, special pain psychotherapy

 

Dr. Dieter Küch
Fachpsychologe für Rehabilitation, Spezielle
Schmerzpsychotherapie
Reha-Zentrum Bayerisch Gmain der DRV-Bund,
Klinik Hochstaufen,
Abteilung VOR-Psychokardiologie
Herkommer Str. 2
83457 Bayerisch Gmain
+49-8651-771-189
dr.dieter.kuech@drv-bund.de

Prof. Dr. Thorsten Meyer
Stiftungsprofessur Rehabilitationswissenschaften/
Rehabilitative Versorgungsforschung
Fakultät für Gesundheitswissenschaften
Universität Bielefeld
Universitätsstraße 25
33615 Bielefeld
thorsten.meyer@uni-bielefeld.de

Prof. Dr. Michael Hüppe
Universität zu Lübeck
Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin
Ratzeburger Allee 160
23538 Lübeck
michael.hueppe@uni-luebeck.de


 

Weiterbildung „Spezielle Psychotherapie bei Diabetes“: Konzept und Bedarf

Andrea Benecke


Zusammenfassung
Diabetes ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, deren Behandlung zu 99% vom Patienten selbst durchgeführt wird. In Schulungen werden die Wissensgrundlagen für die Selbstbehandlung gelegt. Ziel ist es, Normoglykämie im Körper herzustellen. Das Erreichen dieses Ziels wird bei Vorliegen komorbider psychischer Störungen erschwert. Die Prävalenzen von Depressionen und Angststörungen sind bei Menschen
mit Diabetes erhöht, bei Essstörungen sind die Studienergebnisse uneinheitlich. Psychische Erkrankungen führen oft zu schlechterer Blutzuckereinstellung, was das Risiko für die Entstehung von Folgeerkrankungen des Diabetes erhöht. Die Weiterbildung „Spezielle Psychotherapie bei Diabetes“ oder „Psychodiabetologie“ qualifiziert Psychotherapeuten, die spezifischen Wechselwirkungen zwischen psychischer und Diabeteserkrankung
zu kennen und zu behandeln. Seit 2004 kann die Weiterbildung in Rheinland-Pfalz absolviert werden und seit 2017 ist sie in die Musterweiterbildungsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer aufgenommen. Der Bedarf an den speziell weitergebildeten Psychotherapeuten ist sehr groß und kann durch die ca. 60 anerkannten Psychodiabetologen nicht gedeckt werden.

Schlüsselwörter: Typ-1-Diabetes, Typ-2-Diabetes, komorbide psychische Erkrankungen, Psychotherapie, Weiterbildungsordnung

 

Further training in "Special psychotherapy for diabetes": concept and need


Abstract
Diabetes ist a chronic metabolic disease which nowadays is treated by the patient himself. During specific training courses the patients get the necessary knowledge for self-treatment. The aim of the treatment is to
achieve normoglycemia in the body. Comorbid mental disorders interfere very often in achieving this goal. The prevalence of depression and anxiety disorders are higher than in the general population whereas the
study results concerning the prevalence of eating disorders is inconsistent. Mental disorders often cause high blood glucose levels increasing the risk of concomitant diabetic diseases. Special education regulations
„special psychotherapy for diabetes“ or „psychodiabetology“ enable psychotherapists to recognize and treat the specific interactions of diabetes and mental disorders. Since 2004 in Rhineland-Palatinate it
is possible to acquire this special knowledge and since 2017 these education regulations are part of the Federal Psychotherapists Chamber’s Musterweiterbildungsordnung. The demand for these especially qualified
psychotherapists is very high and is not met by the approx. 60 officially recognized psychodiabetologists.

Key words: type 1 diabetes, type 2 diabetes, comorbid mental disorder, psychotherapy, continuing education regulations


Dr. Andrea Benecke
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Poliklinische Institutsambulanz
für Psychotherapie
Wallstraße 75a
55122 Mainz
benecke@uni-mainz.de


 


Stellenwert der Psychotherapie in der verhaltensmedizinisch orientierten kardiologischen Rehabilitation

Britta Mai


Zusammenfassung
Der heutige Wissensstand über die Prävalenz psychischer Störungen bei somatischen Erkrankungen sowie die wissenschaftliche Evidenz von psycho-sozialen Einflüssen bei der Entstehung und dem Verlauf der kardialen Erkrankung machen eine veränderte Behandlungspraxis notwendig. Psychisch auffällige und somit behandlungswürdige Patient*innen sollten bereits zu Beginn der medizinischen Rehabilitationsmaßnahme
durch psychologische oder ärztliche Psychotherapeut*innen identifiziert werden. Damit können bereits zu Beginn der Rehabilitation eine angemessene psychotherapeutische (Mit-)Behandlung sowie entsprechende Nachsorgemöglichkeiten eingeleitet werden. Mit dem Konzept der verhaltensmedizinisch orientierten Rehabilitation (VOR) der Deutschen Rentenversicherung Bund soll die psychotherapeutische Behandlungs-
und Versorgungsqualität in der medizinischen Rehabilitation verbessert werden. Die VOR ist ein niedrigschwelliges psychotherapeutisches Versorgungsangebot in der somatischen Rehabilitation, hier Kardiologie. Sie ermöglicht in enger Zusammenarbeit mit anderen Berufsgruppen die psychotherapeutische Mitbehandlung körperlicher Erkrankungen und entspricht dem Ansatz der Psychokardiologie, die
eine verbesserte Versorgung durch mehr Beachtung von psychologischen und sozialen Einflussfaktoren fordert.

Schlüsselwörter: Verhaltensmedizinisch orientierte kardiologische Rehabilitation (VOR), Psychokardiologie

 

Importance of psychotherapy in behaviour-oriented cardiological rehabilitation


Abstract
Current knowledge about the prevalence of mental disorders in somatic diseases as well as the scientific evidence of psycho-social influences in the development and course of the cardiac disease require a changes in treatment strategy. Therefore mentally ill patients should already be identified at the beginning of the rehabilitation measure by psychological or medical psychotherapists. This would facilitate the prescription of adequate psychotherapeutic (co-) treatment and the recommendation and induction of appropriate follow-up options already
during rehabilitation. The concept of behavior-oriented medical rehabilitation (VOR) of the German Federal Pension Insurance targets at the improvement of the quality of psychotherapeutic treatment and care in somatic rehabilitation. VOR is a low-threshold psychotherapeutic care offer in somatic rehabilitation, here cardiology, and fosters the psychotherapeutic treatment of physical illnesses in close cooperation
with other professional groups. It corresponds with the approach of psychocardiology, which requires improved care initiated by increased attention to psychological and social influencing factors.

Key words: behaviour oriented cardiological rehabilitation (VOR), psychocardiology


Britta Mai
Reha-Zentrum Bad Nauheim der DRV Bund
Klinik Wetterau
Zanderstraße 30-32
61231 Bad Nauheim
britta.mai@drv-bund.de

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Sozialmedizinische Aufgaben für Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen in der Rehabilitation 

Ulrike Worringen


Zusammenfassung
Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen können in unterschiedlichen Berufsfeldern sozialmedizinische Aufgaben übernehmen. Es gibt sowohl sozialmedizinische Fort- als auch Weiterbildungen, welche die Berufsgruppenangehörigen entsprechend qualifizieren. Vorgestellt werden die Curricula „Sozialmedizin im Reha-Team“ und „Sozialmedizin für Psychotherapeut*innen“ der gesetzlichen Rentenversicherung sowie
die Zusatzweiterbildung Sozialmedizin für Psychotherapeut*innen. Es werden sozialmedizinische Aufgaben dieser beiden Berufsgruppen im Bereich der gesetzlichen Rentenversicherung aufgezeigt und Perspektiven diskutiert.

Schlüsselwörter: Sozialmedizin, Fortbildung, Weiterbildung, Psychologen, Psychotherapeuten, Rentenversicherung


Social medical tasks for psychologists and psychotherapists in rehabilitation


Abstract
Psychologists and psychotherapists can take on socio-medical tasks in different professional fields. There are both advanced and further training courses in social medicine which qualify the members of the professional groups accordingly. The curricula "Social Medicine in the Rehabilitation Team" and "Social Medicine for Psychotherapists" of the statutory pension insurance as well as the additional training in social medicine
for psychotherapists are presented. The socio-medical tasks of these two professional groups in the field of statutory pension insurance will be shown and perspectives discussed.

Key words: social medicine, further education, continuing education, psychologists, psychotherapists, pension insurance


Dr. Ulrike Worringen
Deutsche Rentenversicherung Bund
10704 Berlin
dr.ulrike.worringen@drv-bund.de


 


Verhaltensmodifikation in der medizinischen Rehabilitation: Die Rolle der Psycholog*innen

Andrea Reusch, Wiebke Göhner & Karin Meng


Zusammenfassung
Chronisch kranke Menschen leiden häufig unter komplexen Interaktionen körperlicher Symptome, psychischer Belastungen und psychosozialer Lebensbedingungen. Persönliche Einstellungen, aber auch Veränderungen des eigenen Verhaltens können in diesem Wechselspiel einen positiven Einfluss haben. Verhaltensmodifikation ist deshalb eines der Kernziele in der medizinischen Rehabilitation. Theorien und Modelle der
Gesundheitspsychologie und psychotherapeutische Ansätze beschreiben Verhaltensmodifikation als einen Prozess, in dem Verhaltensdeterminanten wie Konsequenz- und Selbstwirksamkeitserwartungen und Planung eine Verhaltensänderung begünstigen. Spezifische Strategien zur Veränderung (Behaviour Change Techniques, BCTs) können diese Verhaltensdeterminanten positiv beeinflussen. Bei der Entwicklung von
Interventionen zur Verhaltensmodifikation sollte auf diese theoretischen Modelle und evidenzbasierte Veränderungsstrategien zurückgegriffen werden. In der medizinischen Rehabilitation wurden zahlreiche Gruppenprogramme und Rehabilitationskonzepte weiterentwickelt, standardisiert und evaluiert, die entsprechend in Rehabilitationskliniken genutzt werden können. Bezogen auf die Verhaltensmodifikation laufen
in verschiedenen Abteilungen der Rehabilitation die Interventionen jedoch nebeneinander her. Die beruflichen Qualifikationen sind heterogen. Die kompetente Anwendung der komplexen psychologischen Strategien in den multidisziplinären Angeboten der Rehabilitation ist fraglich. Deshalb wird empfohlen, Master-Psycholog*innen und Psychotherapeut*innen in der medizinischen Rehabilitation systematisch für
übergreifende Aufgaben der Verhaltensmodifikation einzusetzen: bei der Konzeptentwicklung, zur Fortbildung der therapeutischen Berufsgruppen, für die Evaluation und die Qualitätssicherung der Maßnahmen.

Schlüsselwörter: Verhaltensmodifikation, Rehabilitation, Gesundheitspsychologie, Veränderungsstrategien, Psychologie


Behaviour modificaton in medical rehabilitation: the role of psychologists


Abstract
Chronically ill people often suffer from complex interactions of physical symptoms, psychological burdens, and psychosocial conditions. A change in personal attitudes, but also behaviour change, can positively influence these interactions. Therefore, behavioural change is one of the central goals of medical rehabilitation. Theories and models of health psychology and psychotherapeutic approaches describe behaviour
change as a process in which behavioural determinants such as perceived consequence and self-efficacy and planning promote behaviour change. Behaviour change techniques (BCTs) can positively influence behavioural determinants. The development of behaviour change interventions should be based on these theoretical models and evidence-based behaviour change techniques. In medical rehabilitation, numerous
group programmes and rehabilitation concepts have been further developed, standardised, and evaluated, which can be used accordingly in rehabilitation clinics. In terms of behaviour modification, however, the interventions run side by side in different departments of the rehabilitation centre. Moreover, the professional qualifications are heterogeneous concerning behaviour modification. Therefore, the competent application
of complex psychological strategies in multidisciplinary rehabilitation services is questionable. It is therefore recommended to systematically employ graduate psychologists and psychotherapists in medical rehabilitation for overarching tasks of behaviour modification: for concept development, advanced training and advanced training planning of the therapeutic professional groups, evaluation and quality
assurance of the measures.

Keywords: behaviour change, rehabilitation, health psychology, behaviour change techniques, psychology


Dr. Andrea Reusch
Zentrum Patientenschulung und
Gesundheitsförderung (ZePG e. V.)
Uhlandstr. 7
97072 Würzburg
+49-1577 9403150
reusch@zepg.de

PD Dr. Karin Meng
Universität Würzburg
Institut für Klinische Epidemiologie und
Biometrie (IKE-B)
Petrinistr. 33A
97080 Würzburg
k.meng@uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Wiebke Göhner
Katholische Hochschule Freiburg
Gesundheitspsychologie
Karlstraße 63
79104 Freiburg
wiebke.goehner@kh-freiburg.de

 


Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation
35. Jahrgang • 2022 • Heft 1 (117)
Pabst, 2022
ISSN 0933-842X
Preis: 14,- €

 

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