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Psychosoziale und Medizinische Rehabilitation

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2021-2 (114)

Inhaltsverzeichnis

 

Editorial: (nicht nur) ein neuer Name
Wolfgang Pabst, Beate Muschalla, Silke Neuderth & Heiner Vogel

 

Editorial zum Themenschwerpunkt Rehabilitation bei Abhängigkeitserkrankungen
Axel Kobelt-Pönicke (Hrsg.)

 

Arbeitslos in die Entwöhnungsbehandlung. Was passiert danach? Eine Vierjahreskatamnese
Axel Kobelt-Pönicke

 

Das Modulare ICF-basierte Core Set Sucht (MCSS): Anwendung des Moduls Medizinische Rehabilitation für die Behandlungsplanung
Angela Buchholz, Maren Spies, Robert Stracke, Anna Levke Brütt & Robert Meyer-Steinkamp

 

Die Bedeutung von Kontextfaktoren in der Suchttherapie – Eine qualitative Inhaltsanalyse von Klinikkonzepte in der Suchtrehabilitation hinsichtlich ihrer Berücksichtigung der internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit
Alina Kippels & Andreas Koch

 

Integrative Budōtherapie bei aggressiven Verhaltenstendenzen – Ein ICF-orientierter Therapieansatz
Hermann Ludwig & Moritz Radamm

 

Komorbide Alkoholproblematik in der psychosomatischen Rehabilitation
Franziska Kessemeier, Sarah Satorius & Axel Kobelt-Pönicke

 

Diagnose-Spektrum somatischer Komorbiditäten bei unterschiedlichen AVEM Mustern in der Psychosomatischen Rehabilitation
Christine Wittmann, Markus Reischl, Katja Welsch, Michael Käfer & Volker Köllner

 


 

Editorial: (nicht nur) ein neuer Name
Wolfgang Pabst, Beate Muschalla, Silke Neuderth & Heiner Vogel


 

Rehabilitation bei Abhängigkeitserkrankungen
Axel Kobelt-Pönicke (Hrsg.)


 


Arbeitslos in die Entwöhnungsbehandlung. Was passiert danach? Eine Vierjahreskatamnese

Axel Kobelt-Pönicke


Zusammenfassung
Die Wiedereingliederung ins Erwerbsleben stellt für arbeitslose, alkoholabhängige Rehabilitandinnen nach einer Entwöhnungsbehandlung eine besondere Herausforderung dar. Je weiter die Versicherten vom Arbeitsleben entfernt sind, desto schwieriger gestaltet sich die Wiedereingliederung. Welchen Einfluss hat die Arbeitslosigkeit eines Versicherten bei Aufnahme der Entwöhnungsbehandlung auf die Erwerbstätigkeit vier Jahre nach der Entwöhnungsbehandlung und wie unterscheiden sich hinsichtlich der Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit erfolgreiche arbeitslose und nicht erfolgreiche arbeitslose Patientinnen nach der stationären Entwöhnungsbehandlung? In die Untersuchung wurden 661 Versicherte der DRV Braunschweig-Hannover einbezogen, die sich im Jahr 2015 einer stationären Entwöhnungsbehandlung wegen einer Alkoholabhängigkeit unterzogen haben. Für den Vergleich bei Aufnahme arbeitsloser und nicht arbeitsloser Patienten wurden Daten aus dem Versicherungskonto, insbesondere die Beitragszeiten aus versicherungspflichtiger Beschäftigung aus dem Jahr vor und den Jahren nach der Entwöhnungsbehandlung, Daten aus dem Entlassungsbericht sowie das Antragsverhalten einbezogen. Es wurden chi2-, t-Tests berechnet. Zur Vorhersage der Erwerbstätigkeit vier Jahre nach Entlassung wurde eine Regressionsanalyse durchgeführt. Die Nachhaltigkeit der beruflichen Reintegration vier Jahre nach Entlassung war von der Nähe zum Arbeitsmarkt vor der Entwöhnungsbehandlung abhängig. Ebenso entscheidend war, dass die berufliche Wiedereingliederung innerhalb des ersten Jahres gelang. Arbeitslose Frauen waren hinsichtlich der beruflichen Wiedereingliederung weniger erfolgreich. In der Nachbetreuung arbeitsloser Alkoholabhängiger muss die Stabilität der Wiedereingliederung vor dem Hintergrund der Abhängigkeitserkrankung und der Persönlichkeit des Patienten länger unterstützt werden.

Schlüsselwörter: Alkoholabhängigkeit, Entwöhnungsbehandlung, Katamnese, Berufliche Wiedereingliederung


Unemployed into withdrawal treatment. What happens afterwards? A fouryear catamnesis

Abstract
Reintegration into working life is a particular challenge for unemployed, alcohol-dependent rehabilitants after withdrawal treatment. The further away the insured person is from working life, the more difficult reintegration is. What influence does the unemployment of an insured person at the start of withdrawal treatment have on employment four years after withdrawal treatment and how do successful unemployed and unsuccessful unemployed patients differ with regard to taking up employment subject to social insurance contributions after inpatient withdrawal treatment? The study included 661 insured persons of the DRV Braunschweig-Hannover who underwent inpatient withdrawal treatment for alcohol dependence in 2015. For the comparison when unemployed and non-unemployed patients were admitted, data from the insurance account, in particular the contribution periods from employment subject to compulsory insurance from the year before and the years after the withdrawal treatment, data from the discharge report and the application behaviour were included. Chi2, t-tests were calculated. A regression analysis was performed to predict employment four years after discharge. The sustainability of occupational reintegration four years after discharge depended on the proximity to the labour market before withdrawal treatment. Equally decisive was that occupational reintegration succeeded within the first year. Unemployed women were less successful with regard to professional reintegration. In the aftercare of unemployed alcohol addicts, the stability of reintegration must be supported for longer against the background of the addiction disease and the personality of the patient.

Keywords: alcohol dependence, withdrawal treatment, catamnesis, return to work


apl. Prof. Dr. Axel Kobelt-Pönicke
Deutsche Rentenversicherung
Braunschweig-Hannover
Lange Weihe 6
30880 Laatzen
axel.kobelt-poenicke@drv-bsh.de


 

Das Modulare ICFbasierte Core Set Sucht (MCSS): Anwendung des Moduls Medizinische Rehabilitation für die Behandlungsplanung
Angela Buchholz, Maren Spies, Robert Stracke, Anna Levke Brütt & Robert Meyer-Steinkamp


Zusammenfassung
In der Behandlung substanzbezogener Störungen ist eine teilhabeorientierte Sichtweise aufgrund der Komplexität der Erkrankung besonders bedeutsam. Dies gilt im Besonderen auch für den Versorgungsbereich der Medizinischen Rehabilitation. Für eine teilhabeorientierte Behandlungsgestaltung bietet die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) einen Referenzrahmen. Zur Erleichterung der praktischen Nutzung der ICF wurde das Modulare ICF-basierte Core Set Sucht (MCSS) entwickelt. In diesem Beitrag wird das Modul „Medizinische Rehabilitation“ des MCSS (MCSS-MR) sowie ein exemplarischer Behandlungsverlauf unter Verwendung des MCSS-MR mithilfe des RehabCycles vorgestellt. Dafür wird auf bisher unpublizierte Daten aus zwei Forschungsprojekten sowie Fortbildungskonzepte der Autor*innen zurückgegriffen, die zur Entwicklung des MCSS durchgeführt wurden. Das MCSS-MR enthält insgesamt 57 Kategorien aus der ICF, die für die Behandlungsphase der medizinischen Rehabilitation als besonders relevant ausgewählt wurden. Im ersten Behandlungsschritt (Assessment) dient das MCSS-MR dazu, eine umfassende Problem- und Ressourcenanalyse systematisch zu erheben, zu priorisieren und Behandlungsziele abzuleiten. Im weiteren Behandlungsprozess (Assignment, Intervention) können entlang der definierten teilhabeorientierten Ziele Interventionen zugewiesen und durchgeführt werden. Im letzten Schritt (Evaluation) können die erzielten Behandlungsergebnisse wiederum mithilfe des MCSS-MR strukturiert werden. Die sinnvolle Anwendung des MCSS-MR erfordert damit eine Integration in den gesamten Behandlungsplan.

Schlüsselwörter: ICF, MCSS, teilhabeorientierte Behandlungsplanung


The modular ICFbased core set addiction (MCSS): Application of the Medical Rehabilitation Module for Treatment Planning

Abstract
Due to the high impact of substance use disorders (SUD) on a persons life, in particular inpatient rehabilitation treatment should always focus on participation. The International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) offers an optimal framework for the implementation of participation-oriented treatment. The Modular ICF-based Core Set for Substance use disorders (MCSS) was developed to facilitate the practical use of the ICF. In this article, the module "Medical Rehabilitation" of the MCSS (MCSS-MR) is presented. An exemplary course of treatment according to the RehabCycle illustrates the use of the MCSSMR in clinical practice. For this purpose, previously unpublished data from two research projects, as well continuing education concepts by the authors are used. The MCSS-MR contains a total of 57 categories from the ICF, which were selected as particularly relevant for the treatment phase of medical rehabilitation. In the first treatment step (assessment), the MCSS-MR is used to conduct a comprehensive problem and resource analysis, to prioritize problem areas and to derive treatment goals. In the further treatment process (assignment, intervention), interventions can be assigned and carried out according to the defined participation-oriented goals. In the last step (evaluation), the treatment success can be evaluated using the MCSS-MR. The use of the MCSS-MR therefore requires integration into the treatment plan.

Key words: ICF, MCSS, participation-oriented treatment planning


PD Dr. Angela Buchholz
Universitätsklinikum Hamburg-
Eppendorf
Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie
Martinistraße 52
20246 Hamburg
a.buchholz@uke.de

Maren Spies
Universitätsklinikum Hamburg
Eppendorf
Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie
Martinistraße 52
20246 Hamburg
maren-spies@web.de

Dr. Robert Stracke
Chefarzt Fachkrankenhaus Hansenbarg
Alida Schmidt-Stiftung Hamburg
www.hansenbarg.de
www.alida.de

PD Dr. phil. Anna Levke Brütt
Abteilung Rehaforschung
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften
Dept. für Versorgungsforschung
26111 Oldenburg
anna.levke.bruett@uni-oldenburg.de

Robert Meyer-Steinkamp
Dipl. Psychologe/Psychologischer
Therapeut
Therapeutische Gemeinschaft Jenfeld
Alida Schmidt-Stiftung
Jenfelder Straße 100
22045 Hamburg
040 65409666
meyerst.tgj@alida.de


 


Die Bedeutung von Kontextfaktoren in der Suchttherapie – Eine qualitative Inhaltsanalyse von Klinikkonzepten in der Suchtrehabilitation hinsichtlich ihrer Berücksichtigung der internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit

Alina Kippels & Andreas Koch


Zusammenfassung
Im Rahmen der diesem Beitrag zugrundeliegenden Bachelor-Arbeit wurden exemplarisch die Therapiekonzepte von 5 Fachkliniken für Abhängigkeitserkrankungen mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring untersucht. Dabei soll folgende Forschungsfrage beantwortet werden: Wie wird die ICF konkret in der Praxis der Suchtrehabilitation umgesetzt? Zur Präzisierung und Operationalisierung dieser Fragestellung wird die zweigeteilte Hypothese formuliert, dass die ICF Grundlage jedes Therapiekonzeptes ist, es jedoch bei der praktischen Umsetzung klinikübergreifend Unterschiede gibt. Durch die Ergebnisdarstellung konnte der erste Teil der Hypothese, dass die ICF Grundlage jeder Suchttherapie ist, bestätigt werden. In jedem Therapiekonzept ist die ICF als Grundlage für die Behandlung aufgeführt. Somit ist die Therapie auf eine ganzheitliche Rehabilitation ausgerichtet, in welche die Patient:innen integriert werden. Im Gegensatz zum ersten Teil der Hypothese kann der zweite Teil nicht vollständig bestätigt werden. Zwar wurde sichtbar, dass die Verankerung bzw. Benennung der ICF in einigen Therapiekonzepten stärker gegeben ist als in anderen Kliniken. Jedoch wurde im Rahmen der Analyse herausgearbeitet, dass sehr viele Inhalte der Konzepte auch ohne wörtliche Nennung per Definition der ICF zugeordnet werden konnten. Es wird empfohlen, der ICF in den Therapiekonzepten eine präsentere Rolle zukommen zu lassen und sich nicht nur implizit auf sie zu beziehen, sondern sie auch explizit zu nennen. Zudem sollte die ICF im Rahmen der Diagnostik direkter berücksichtigt werden.

Schlüsselwörter: ICF, Abhängigkeitserkrankungen, Medizinische Rehabilitation, Therapiekonzept


The significance of contextual factors in addiction therapy – A qualitative content analysis of clinic concepts in addiction rehabilitation with regard to their consideration of the International Classification of Functioning, Disability and Health

Abstract
In the context of the bachelor's thesis on which this paper is based, the therapy concepts of 5 specialised clinics for addiction diseases were examined using qualitative content analysis according to Mayring as an example. The following research question is to be answered: How is ICF implemented in practice for addiction rehabilitation? To specify and operationalise this question, the two-part hypothesis is formulated that a) the ICF is the basis of every therapy concept, but b) that there are differences in the practical implementation across clinics. The first part of the hypothesis, that the ICF is the basis of every addiction therapy, was
confirmed with the presentation of the results. In every therapy concept, the ICF is listed as the basis for treatment itself. Thus, the therapy is oriented towards holistic rehabilitation programs in which patients are integrated. In contrast to the first part of the hypothesis, the second part cannot be completely confirmed. It turns up that the importance given to ICF naming it expressly as basis for the therapy concept varies from clinic to clinic. However, the analysis evidences that many contents of the concepts could be assigned to the ICF by definition even without specifying. It is recommended to mention explicitly ICF as
basis for therapy concepts instead of just imply it. In addition, the ICF should be taken more directly into account for diagnostic puposes.

Key words: ICF, addiction disorders, medical rehabilitation, therapy concept


Alina Kippels
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Fachbereich Sozialpolitik und
Soziale Sicherung
Zum Steimelsberg 7
53773 Hennef
alina.kippels@gmx.de

Prof. Dr. Andreas Koch
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg
Fachbereich Sozialpolitik und
Soziale Sicherung
Zum Steimelsberg 7
53773 Hennef
andreas.koch@h-brs.de


 

Integrative Budōtherapie bei aggressiven Verhaltenstendenzen – Ein ICForientierter Therapieansatz

Hermann Ludwig & Moritz Radamm

Zusammenfassung
Auf der Grundlage des General Aggression Models (GAM) und der International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF) werden in dieser Arbeit Kernziele für eine Behandlung aggressiver Verhaltensweisen formuliert. In einem nächsten Schritt werden diesen Kernzielen Maßnahmen und Interventionen aus der Integrativen Budōtherapie zugeordnet. Sie kombiniert sport- bzw. bewegungstherapeutische Maßnahmen mit psychotherapeutischen Interventionen und kann im Feld der Therapie von aggressivem Verhalten eine substanzielle Ergänzung und Erweiterung bloß verbaler Therapien bilden. Darüber hinaus wird durch die Förderung sozialer Kompetenzen und der psychophysischen Regulationsfähigkeit ein wesentlicher Beitrag für die gesellschaftliche und berufliche Wiedereingliederung geleistet. 

Schlüsselwörter: Integrative Budōtherapie; General Aggression Model; International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF); Kernziele; Suchttherapie, berufliche Wiedereingliederung


Integrative Budō Therapy and Aggressive Behavior – An ICFBased Therapeutic Method

Abstract
In this paper, core targets for the treatment of aggressive behaviour are conceptualized on the basis of the General Aggression Model (GAM) and the International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF). In a second step therapeutic interventions, taken from the „Integrative Budō Therapy“, are allocated to these core targets. It combines sports and movement therapeutic interventions with psychotherapeutic ones and can be a substantial supplement and enlargement to a mere verbal therapy in the treatment of aggressive behavior. In addition, the promotion of social skills and psychophysical regulatory capacity can make a significant contribution to social and occupational reintegration.

Key words: Integrative Budō Therapy; General Aggression Model; International Classification of Functioning, Disability and Health (ICF); Core targets; Treatment of Addiction, occupational reintegration


Dr. Sportwiss. Hermann Ludwig
STEP Paritätische Gesellschaft für
Sozialtherapie und Pädagogik mbH,
Klinik am Kronsberg
Debberoder Str. 61
30539 Hannover
hermann.ludwig@step-niedersachsen.de

Moritz Radamm
Klinikleiter, Suchttherapeut
STEP Paritätische Gesellschaft für
Sozialtherapie und Pädagogik mbH,
Klinik am Kronsberg
Debberoder Str. 61
30539 Hannover
moritz.radamm@step-hannover.de


 


Komorbide Alkoholproblematik in der psychosomatischen Rehabilitation

Franziska Kessemeier, Sarah Satorius & Axel Kobelt-Pönicke


Zusammenfassung
Hintergrund: Alkoholbezogene Probleme werden in der psychosomatischen Rehabilitation nicht systematisch berücksichtigt. Die Behandlung findet vielmehr unter Ausschluss akuter substanzbezogener Süchte statt. Untersucht wird u.a., in welchem Ausmaß alkoholbezogene Probleme bei psychosomatischen Patient: innen eine Rolle spielen und ob Patient:innen mit alkoholbezogenen Problemen von ihrer Behandlung profitieren können. Weitere Fragestellungen zu Selbstwirksamkeit und Problemen im interaktionellen Bereich bei Patient:innen mit problematischem Alkoholkonsum werden beantwortet. Methode: Zwischen Dezember 2017 und Mai 2018 wurde in der psychosomatischen Rehaklinik des Rehazentrum Oberharz zusätzlich zum Routine Assessment der AUDIT-Fragebogen zur Erfassung von problematischem Alkoholkonsum eingesetzt. Bei der Stichprobe handelt es sich um eine Vollerhebung aller Patient: innen, die in diesem Zeitraum in stationärer psychosomatischer Behandlung waren. Die Fragestellungen werden mittels verschiedener (multivariater) Ko-Varianzanalysen untersucht. Ergebnisse: Nur bei 2,7% der n=578 untersuchten Patient:innen wurde eine alkoholbezogene Störung diagnostiziert. Die Ergebnisse des AUDIT weisen darauf hin, dass deutlich mehr Patient:innen einen riskanten (14,4%) oder pathologischen (13,1%) Alkoholkonsum aufweisen. Patient:innen mit komorbiden Alkoholproblemen weisen eine höhere Symptomschwere zu Beginn ihrer Behandlung auf, haben jedoch nicht mehr diagnostizierte Erkrankungen. Patient:innen mit problematischem Alkoholkonsum unterscheiden sich nicht hinsichtlich ihrer allgemeinen Selbstwirksamkeit, berichten jedoch etwas mehr Probleme in sozialen Beziehungen. Keine Gruppenunterschiede fanden sich hinsichtlich der therapeutischen Beziehung und auch nicht hinsichtlich der Symptomreduktion über den Verlauf der Rehabilitation. Schlussfolgerung: Problematischer Alkoholkonsum betrifft fast 1/3 aller Patient:innen der psychosomatischen Rehabilitation. Die Patient:innen mit problematischem Alkoholkonsum kommen zwar mit einer höheren psychosomatischen Belastungsschwere, können aber in gleichem Ausmaß wie Patient:innen ohne problematischen Alkoholkonsum von ihrer Rehabilitationsbehandlung profitieren. Im Gegensatz zu der bestehenden Trennung von psychosomatischer Rehabilitation und der Behandlung alkoholbezogener Störungen weist die Studie darauf hin, dass es eine hohe Komorbidität der Problematiken gibt. Außerdem stellt die psychosomatische Rehabilitation, auch aufgrund ihres multidisziplinären Ansatzes, einen idealen Kontext dar, um ein flächendeckendes Screening, Kurzinterventionen sowie die Vermittlung in eine Weiterbehandlung bei problematischem Alkoholkonsum anzubieten. Es scheint lohnenswert, die Grenzen zwischen psychosomatischer Rehabilitation und der Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen aufzuweichen, was einen Bedarf an der Fortbildung des therapeutischen Personals sowie einer strukturellen Anpassung des rehabilitativen Therapieangebots bedürfe.

Schlüsselwörter: Psychosomatische Rehabilitation, Alkoholbezogene Störungen, Alkoholkonsum, AUD, Komorbidität


Comorbid alcohol problems in psychosomatic rehabilitation

Abstract
Background: Alcohol-related problems are not systematically taken into account in psychosomatic rehabilitation. Rather, the treatment takes place with the exclusion of acute substance-related addictions. Research is carried out, among other things, on: the extent to which alcohol-related problems play a role in psychosomatic patients and whether patients can benefit from their treatment. Further questions on self-efficacy and problems in the interaction area in patients with problematic alcohol consumptions are answered. Methods: Between December 2017 and May 2018, the AUDIT questionnaire was used in the psychosomatic rehabilitation clinic of the Rehazentrum Oberharz to record problematic alcohol consumption in addition to the routine assessment. The questions are investigated by means of various (multivariate) co-variance analyses. Results: Only 2,7% of all patients studied were diagnosed with alcohol-related disorder. The results of the AUDIT show that significantly more psychosomatic patients have a risky (14,4%) or pathological (13,1%) alcohol consumption. Patients with comorbid alcohol problems have a higher severity of symptoms at the beginning of their treatment, but have undiagnosed diseases. Patients with problematic alcohol use do not differ in their overall self-efficacy, but report slightly more problems in social relationships. No group differences were found concerning the therapeutic relationship or the reduction of symptoms over the course of rehabilitation. Conclusion: Problematic alcohol consumption affects almost 1/3 of all patients in psychosomatic rehabilitation. Patients with problematic alcohol consumption may have a higher psychosomatic stress level, but can benefit from their rehabilitation treatment to the same extent as patients without problematic alcohol consumption. In contrast to the existing separation between psychosomatic rehabilitation and the treatment of alcohol-related disorders, the study points out that on the one hand there is a high degree of comorbidity and on the other hand psychosomatic rehabilitation, due to its multidisciplinary approach, is an ideal context for comprehensive screening, short interventions, and the placement in further treatment for patients with problematic alcohol consumption. The demand for greater consideration of alcohol-related disorders in psychosomatic rehabilitation implies a need for further training of the therapeutic staff as well as the structural adjustment of the rehabilitative therapy offer.

Key words: psychosomatic rehabilitation, alcohol related disorders, alcohol consumption, AUD, comorbidity


Dr. Franziska Kessemeier
Sektion für Versorgungsforschung und
Rehabilitationsforschung
Universitätsklinikum Freiburg
Medizinische Fakultät
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Hugstetter Straße 49
79106 Freiburg
franziska.kessemeier@uniklinik-freiburg.de

Sarah Satorius
c/o Axel Kobelt-Pönicke
Deutsche Rentenversicherung
Braunschweig-Hannover
Lange Weihe 6
30875 Laatzen
sarah.satorius@gmx.de

apl. Prof. Dr. Axel Kobelt-Pönicke
Deutsche Rentenversicherung
Braunschweig-Hannover
Lange Weihe 6
30875 Laatzen
axel.kobelt-poenicke@drv-bsh.de


 


DiagnoseSpektrum somatischer Komorbiditäten bei unterschiedlichen AVEMMustern in der Psychosomatischen Rehabilitation

Christine Wittmann, Markus Reischl, Katja Welsch, Michael Käfer, Volker Köllner

Zusammenfassung
Die Studie untersucht das Diagnose-Spektrum somatischer Komorbiditäten bei Patienten in der Psychosomatischen Rehabilitation und deren Zusammenhang mit unterschiedlichen arbeitsbezogenen Verhaltens-und Erlebensmustern (AVEM). Weiterhin wurde ein Zusammenhang zwischen AVEM-Muster und Arbeitsfähigkeit betrachtet. Die häufigsten Diagnosen des Patientenkollektivs (N = 264; 204w/60m; Alter 49,9 ± 7,7 Jahre) waren Dorsopathien (35,2%), Essentielle (primäre) Hypertonie (25,0%), Adipositas (17,0%), Störungen des Lipidstoffwechsels und Lipidämien (10,2%) sowie sonstige Kopfschmerzsyndrome (7,9%). Das AVEM-Risikomuster A geht mit einem häufigeren Auftreten der Diagnosen Adipositas sowie Dorsopathien einher. Das Vorliegen des Musters S geht häufiger mit der Diagnose Essentielle Hypertonie und einer Entlassung als arbeitsfähig einher (p < 0,001). Patienten mit Risikomuster B werden signifikant häufiger arbeitsunfähig aus der Rehabilitation entlassen (p < 0,01). Dies ist vorwiegend als Folge starker psychischer Belastung zu werten und nicht als Folge somatischer Komorbiditäten. Das gleichzeitige Vorliegen einer psychosomatischen Erkrankung und einer der oben genannten somatischen Komorbiditäten stellt eine bisher wenig beachtete zusätzliche Bedrohung der Erwerbsfähigkeit dar. Diese Studie liefert erste Hinweise darauf, dass dysfunktionale AVEM-Muster möglicherweise ein weiterer Risiko- oder Chronifizierungsfaktor hierfür sind. Es besteht Bedarf für neue multidimensionale Konzepte der psychosomatischen Rehabilitation mit Fokus auf behaviorale und psychologische Risikofaktoren für somatische Komorbiditäten. Längsschnittstudien müssen zeigen, ob die AVEM-Muster auch eine prädiktive Aussagekraft haben und Risikogruppen identifiziert werden können.

Schlüsselwörter: Psychosomatische Erkrankungen, Somatische Komorbiditäten, Psychosomatische Rehabilitation, Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster (AVEM), Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation (MBOR)


Diagnostic spectrum of somatic comorbidities in different AVEM patterns in psychosomatic rehabilitation

Abstract
This study investigated the diagnostic spectrum of somatic comorbidities in patients undergoing psychosomatic rehabilitation and their association with different work-related behavior and experience (AVEM) patterns. Furthermore, a correlation between AVEM patterns and work ability was considered. The most frequent diagnoses of the patient collective (N = 264; 204w/60m; age 49.9 ± 7.7 years) were dorsopathies (35.2%), essential (primary) hypertension (25.0%), obesity (17.0%), disorders of lipid metabolism and lipidemias (10.2%), and other headache syndromes (7.9%). AVEM risk pattern A is associated with a more frequent occurrence of the diagnoses obesity as well as dorsopathies. The presence of pattern S is more frequently associated with a diagnosis of essential hypertension and discharge as fit for work (p < 0.001). Patients with risk pattern B are significantly more likely to be discharged from rehabilitation unable to work (p < 0.01). This is predominantly a result of severe psychological distress rather than somatic comorbidities. The simultaneous presence of a psychosomatic illness and one of the somatic comorbidities mentioned above represents an additional threat to earning capacity that has received little attention to date. This study provides preliminary evidence that dysfunctional AVEM patterns may be another risk or chronicity factor for this. There is a need for new multidimensional approaches to psychosomatic rehabilitation focusing on behavioral and psychological risk factors for somatic comorbidities. Longitudinal studies need to show whether AVEM patterns also have predictive power and high-risk groups can be identified.

Key words: Psychosomatic diseases, somatic comorbidities, psychosomatic rehabilitation, Work-Related Behavior and Experience Patterns (AVEM), Medical-Occupational Rehabilitation (MBOR)


Christine Wittmann
Medizinische Fakultät der Universität
des Saarlandes
Homburg/Saar
chris.wittmann83@googlemail.com

Markus Reischl
Karlsruher Institut für Technologie
Hermann-von-Helmholtzplatz 1
76344 Eggenstein-Leopoldshafen
markus.reischl@kit.edu

Katja Welsch
Medizinische Fakultät der Universität
des Saarlandes
Zentrum für Palliativmedizin und
Kinderschmerztherapie
Kirrbergerstr. 100
66421 Homburg/Saar
katja.welsch@uks.eu

Dr. Michael Käfer
Mediclin Bliestal Kliniken
Fachklinik für Psychosomatische
Medizin
Am Spitzenberg
66440 Blieskastel
michael.kaefer@mediclin.de

Prof. Dr. Volker Köllner
Rehazentrum Seehof der Deutschen
Rentenversicherung
Abteilung Psychosomatik und Verhaltenstherapie
Lichterfelder Allee 55
14513 Teltow
volker.koellner@charite.de

 

 


Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation
34. Jahrgang • 2021 • Heft 2 (114)
Pabst, 2021
ISSN 0933-842X
Preis: 14,- €

 

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