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Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation

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2019-1 (105)

Editorial
Ulrike Worringen

Verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation: Konzept, Zielgruppe und Wirksamkeit
Ulrike Worringen

Verhaltensmedizinisch orientierte orthopädische Rehabilitation in der Praxis
Kai Lorenz, Ann-Kristin Manhart, Heike König, Scott Stock Gissendanner

Kleingruppen-Workshops als Selbstmanagementmethode in der Schmerzbewältigungsgruppe der verhaltensmedizinisch orthopädischen Rehabilitation
Sabrina Korsch, Beate Mohr, Anne Köpnick, Petra Hampel

„Segeln im Sturm“– Orientierung finden im Kontext chronischer körperlicher Erkrankung in der Verhaltensmedizinisch Orientierten Rehabilitation (VOR) mit Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)
Claudia China, Dieter Benninghoven

Die Umsetzung des Zürcher Ressourcen Modells® in der VOR. Ein Erfahrungsbericht
Claudia Isele, Karin Meng, Christof von Neukirch

Berufsbezogene Ziele und Konzepte in der VOR
Désirée Herbold, Dieter Küch

Psychische Komorbidität? – Dokumentation psychopathologischer Befunde, Anamnese, sowie Arbeits- und Leistungsfähigkeit in Entlassungsberichten aus der somatischen Rehabilitation
Ruth Hütte, Beate Muschalla

Verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation
Antje Hoppe
 


Verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation: Konzept, Zielgruppe und Wirksamkeit
Ulrike Worringen

Zusammenfassung
Mit zunehmender Nachfrage nach psychologischer bzw. psychotherapeutischer Mitbehandlung in der somatischen Rehabilitation wurden in den letzten 18 Jahren verhaltensmedizinische Behandlungsansätze in der somatischen Rehabilitation etabliert, die die herkömmliche somatische Rehabilitation für Patientengruppen mit psychischer Komorbidität erweitern und intensivieren sollten. Ihre Wirksamkeit wurde in randomisierten bzw. kontrollierten Studien untersucht. In der Gesamtschau der vorliegenden Studienergebnisse bei muskuloskelettalen Erkrankungen kann von einer 12-monatigen Wirksamkeit der verhaltensmedizinisch orientierten Rehabilitation (VOR) in bedeutsamen Funktions- und Schmerzbezogenen Outcomes gesprochen werden. Die Effekte sind abhängig von dem Ausmaß der initialen psychischen Belastung der Rehabilitanden. Das Angebot der VOR für psychisch hoch belastete Rehabilitanden in der somatischen Rehabilitation und der Ausbau der Nachsorgeangebote für diese Patientengruppe erscheint zielführend, um langfristige Rehabilitationserfolge bei psychischer Komorbidität in der somatischen Rehabilitation zu sichern.

Schlüsselwörter
Psychische Komorbidität, Verhaltensmedizin, Wirksamkeit, Zielgruppe, Konzept


Behavioral medicine-oriented rehabilitation: Concept, target group and effectiveness

Abstract
With increasing demand for psychological or psychotherapeutic co-treatment in somatic rehabilitation, behavioral medical approaches to somatic rehabilitation have been established over the last 18 years. They should extend and intensify conventional somatic rehabilitation for patients with mental comorbidity. Their efficacy has been investigated in randomized or controlled trials. In the overall view of the present study results in musculoskeletal diseases, there is evidence for 12-months effectiveness of behavior-oriented rehabilitation treatments (VOR) in significant functional and pain-related outcomes. The effects depend on the initial extent of the psychological burden of the patients. The VOR treatment program for psychologically highly burdened rehabilitation patients in the somatic rehabilitation and the expansion of the aftercare for this group of patients seems expedient to secure long-term rehabilitation success in mental comorbidity in somatic rehabilitation.

Keywords
Mental comorbidity, behavioral medicine, effectiveness, target group, concept


Dr. phil. Ulrike Worringen
Leitende Psychologin in der Zusammenarbeit
mit Rehabilitationseinrichtungen
Abteilung Rehabilitation der Deutsche
Rentenversicherung Bund
10704 Berlin

 


Verhaltensmedizinisch orientierte orthopädische Rehabilitation in der Praxis
Kai Lorenz, Ann-Kristin Manhart, Heike König, Scott Stock Gissendanner

Kurzfassung
Dieser Artikel zeigt auf, wie das aktuell gültige Anforderungsprofil der verhaltensmedizinisch orientierten Rehabilitation (VOR) in einer Klinik konkret ausgestaltet wird. Inhalte und Frequenzen der multimodalen Therapieangebote werden detailliert dargestellt, wie auch Aspekte der multidisziplinären Koordination. Zur Verdeutlichung der psychotherapeutischen Arbeit wird eine anonymisierte Fallvignette vorgestellt. Die Qualität der interdisziplinären Teamarbeit, geschlossene Behandlungsgruppen und die Verlängerung der Behandlungsdauer von drei auf vier Wochen lassen sich aus internen Befragungsergebnissen als positive Wirkfaktoren ableiten. Eine Auseinandersetzung mit diesen Wirkfaktoren findet in der Diskussion statt.

Schlüsselwörter
Rehabilitation, Orthopädie, Psychosomatik, Verhaltenstherapie


Behavioral medicine-oriented rehabilitation in practice

Abstract
This article shows how current guidelines for Behavioural Medicine-Oriented Rehabilitation (VOR) is conceptualized and implemented in one rehabilitation clinic. The content and frequency of multimodal therapies are presented in detail, as are aspects of multidisciplinary coordination. To illustrate the psychotherapeutic work, an anonymous case vignette is presented. An internal survey indicates that interdisciplinary teamwork, closed treatment groups and the extension of treatment duration from three to four weeks are factors positively influencing patient-perceived outcomes. These factors are examined in the discussion.

Keywords
Rehabilitation, orthopedics, psychosomatic medicine, behavioral therapy


Kai Lorenz
Chefarzt Verhaltensmedizinische Orthopädie
Berolina Klinik
Bültestraße 21
32584 Löhne

 


Kleingruppen-Workshops als Selbstmanagementmethode in der Schmerzbewältigungsgruppe der verhaltensmedizinisch orthopädischen Rehabilitation
Sabrina Korsch, Beate Mohr, Anne Köpnick, Petra Hampel

Kurzfassung
Die hohe Prävalenz chronischer Rückenschmerzen (CRS) mit psychischer Komorbidität und die damit verbundenen Konsequenzen unterstreichen die notwendige Integration bedarfsgerechter und depressionsspezifischer Inhalte in die Therapieplanung bei CRS. Zu diesem Zweck entwickelte psychoedukative Gruppen sollten insbesondere die Vermittlung eines biopsychosozialen Krankheits- und Behandlungsverständnisses sowie die Förderung von personalen Ressourcen beinhalten. Um diesem Bedarf nach zu kommen, wurde das depressionsspezifische psychologische Gruppentraining Debora (Mohr, Korsch, Roch & Hampel, 2017) für Rehabilitanden mit CRS und depressiven Symptomen entwickelt und umgesetzt.
In der vorliegenden qualitativen Studie wurden die Stichproben aus zwei Teilstudien hinsichtlich der unabhängigen Variablen „Behandlungsgruppe“ (Interventionsgruppe, IG, vs. Kontrollgruppe, KG) und „Depressivität“ (niedrig vs. hoch) untersucht. Dafür wurde eine Methodenkombination aus 26 problemzentrierten Einzelinterviews und vier Fokusgruppen mit Rehabilitanden herangezogen. Ziel der Untersuchung war es, die Machbarkeit des Trainings zu überprüfen sowie die im Gruppentraining erlernten Handlungsweisen zu identifizieren.
Im Allgemeinen waren die Beschreibungen der erlernten Handlungsweisen von den Rehabilitanden der IG detaillierter als von denen der KG. Im Vergleich zwischen IG und KG trafen Rehabilitanden der IG hinsichtlich der erlernten Handlungsweisen mehr Aussagen zur Reflexion bereits genutzter Handlungsweisen sowie zur erlernten Achtsamkeits- und Entspannungskompetenz. Zudem deutete sich eine höhere soziale Unterstützung bei den Rehabilitanden der IG an. So beschrieb die IG, von dem Erfahrungsaustausch unter „Gleichgesinnten“ in den Kleingruppen-Workshops viel gelernt zu haben. Dies zeigt auf, dass Rehabilitanden der IG im Vergleich zur KG, unabhängig von dem Vorhandensein depressiver Symptome, stärker von der Teilnahme am Training profitierten.
Die vorliegenden Ergebnisse sprechen sowohl für den Einsatz von Kleingruppen-Workshops als Selbstmanagementmethode als auch für die kombinierte Durchführung des Schmerzkompetenz- und Depressionspräventionstrainings Debora. Zudem legen sie die langfristige Etablierung von Angeboten wie z.B. Debora nahe, die sich je nach Machbarkeit und Indikationsschwerpunkt der jeweiligen Rehabilitationsklinik für eine Umsetzung im Rahmen einer stationären verhaltensmedizinisch orthopädischen Rehabilitation (VMO) eignen.

Schlüsselwörter
Chronisch unspezifischer Rückenschmerz, Depressivität, Selbstwirksamkeit, soziale Unterstützung, Debora


Small group workshops asa self-management method in a pain management group of an inpatient multidisciplinary rehabilitation

Abstract
The high prevalence of chronic low back pain (CLBP) with mental comorbidity and the associated consequences underline the necessary integration of needs-based and depression-specific content into treatment planning. Psycho-educational groups developed for this purpose should, in particular, include the teaching of a biopsychosocial understanding of disease and treatment as well as the promotion of personal resources. To meet this demand, the depression-specific psychological group training Debora (Mohr, Korsch, Roch& Hampel, 2017) was developed and implemented for rehabilitants with CLBP and depressive symptoms.
In the present qualitative study, the samples from two partial studies were examined with regard to the independent variables “treatment group” (intervention group, IG, vs. control group, CG) and “depression” (low vs. high). For this purpose,a method combination of 26 problem-centered individual interviews and four focus groups with rehabilitants was used. The aim of the study was to examine the feasibility of the training and to identify skills, which were acquired in the group training.
In general, the descriptions of acquired skills were more detailed by the rehabilitants of the IG than by the CG. In the comparison between IG and CG, rehabilitants of the IG gave more statements regarding the reflection of already used skills as well as the acquired mindfulness and relaxation competences. In addition, a higher level of social support was reported from the rehabilitants of the IG. In more detail, the IG acknowledged to have learned much from the exchange of experience among “like-minded” in the small group workshops. Thus, results supported that IG rehabilitants benefited more from Debora compared to rehabilitants of the CG, regardless of depression.
Conclusively, application of small group workshops as a self-management method and the combined implementation of the pain competence and depression prevention training Debora was suggested. In addition, the results suggest the long-term establishment of treatments such as Debora, which, depending on the feasibility and indication focus of the respective rehabilitation clinic, are suitable for implementation as part of an inpatient multidisciplinary rehabilitation (VMO).

Key words
Chronic low back pain, depression, self-efficacy, social support, Debora


Prof. Dr. Petra Hampel
Institut für Gesundheits-, Ernährungs- und Sportwissenschaften
Europa-Universität Flensburg
Auf dem Campus 1
24943 Flensburg

 


„Segeln im Sturm“ – Orientierung finden im Kontext chronischer körperlicher Erkrankung in der Verhaltensmedizinisch Orientierten Rehabilitation (VOR) mit Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT)
Claudia China, Dieter Benninghoven

Zusammenfassung
Chronische körperliche Erkrankungen gehen mit sehr unterschiedlichen kontextuellen Bedingungen einher. Ihr Verlauf ist individuell sehr verschieden und im Einzelfall oft schwer vorhersagbar. Sie erfordern daher individuell unterschiedliche und im Verlauf immer neue Anpassungsleistungen der Betroffenen. Die Akzeptanz- und Commitment Therapie (ACT) fördert tiefgreifend und individuell die psychische Flexibilität der Betroffenen, die im Umgang mit chronischer körperlicher Erkrankung notwendig ist. ACT hilft, die notwendige Orientierung zu finden, um Verhalten von aversiver unter appetitive Kontrolle zu bringen, d.h. unveränderbare unerwünschte Veränderungen zu akzeptieren und sich für die eigenen Werte zu engagieren und so mehr Lebensqualität zu erleben. Vorgestellt wird eine Anwendung des ACT-Ansatzes auf ein 4-wöchiges stationäres Rehabilitationssetting für Patientinnen mit körperlicher Erkrankung und komorbider psychischer Erkrankung oder Beeinträchtigung.

Schlüsselwörter
Akzeptanz- und Commitment Therapie, Achtsamkeit, chronische Erkrankungen


„Sailing in strong gale”– Navigating the jungle of long term physical health conditions in behavioral rehabilitation with Acceptance and Commtiment Therapy

Abstract
The context and the course of long term physical health conditions are individually different and often difficult to predict. They demand ongoing efforts on adaptation from those affected. Acceptance and Commitment Therapy (ACT) profoundly fosters individual psychological flexibility needed to find the necessary orientation within the progression of the diseases. ACT helps to bring behavior from aversive under appetitive control, that is to accept inevitable changes and engage in personal values to experience and enhanced quality of life. An application of ACT to a 4-week in-house rehabilitation program for patients with long term physical health conditions and comorbid mental disorder or impairment of mental health is presented.

Key words
Acceptance and Commitment Therapy, mindfulness, long term physical health conditions


Dr. Claudia China
Mühlenbergklinik Holsteinische Schweiz
Frahmsallee 1-7
23714 Bad Malente-Gremsmühlen

 


Die Umsetzung des Zürcher Ressourcen Modells® in der VOR. Ein Erfahrungsbericht
Claudia Isele, Karin Meng, Christof von Neukirch

Kurzfassung
In der Umsetzung des durchgängig ressourcenorientierten Verfahrens des Zürcher Ressourcen Modells® fokussieren wir den Ansatz der Salutogenese und der humanistischen Psychologie in der verhaltensmedizinisch orientierten Rehabilitation (VOR). In einem Klima des Miteinanders und der Wertschätzung persönlicher Lebenserfahrungen schulen wir, in einem geschlossenen Gruppenkonzept, die Patienten in ihrer Selbstwahrnehmung. Entwickelt werden sogenannte positive Haltungsziele sowie ein Selbstmanagement, welches auch nach der VOR praktische Unterstützung einer Lebensstiländerung in Richtung gesunder Lebensführung und Selbstregulation bietet.

Schlüsselwörter
Zürcher Ressourcen Modell®, Salutogenese, Gruppenkonzept, Selbstmanagement, Verhaltensmedizin


The implementing of the Zürcher Ressourcen Modell® in VOR. A report based on practical experience

Abstract
In implementing the Zürcher Ressourcen Modell® we focus on the methods of salutogenese and humanistic psychology. Nurturing a socially beneficial climate and appreciating personal experience we provide closed groups for training the patient’s perception of his self and his motivations. Development of practical strategies that allow a continuos approach on positive goals and personal well being after the time of rehabilitation in the clinic’s sheltering environment is reached. On this ground the patient will be able to continue to change his or her lifestyle ina direction of healthy selfcare.

Keywords
Zürcher Ressourcen Modell®, salutogenesis, group concept, management of self, medicine of behavior


Dipl.-Psych. Claudia Isele
Abteilungsleiterin Psychologie
Waldburg-Zeil-Kliniken
Argentalklinik
Dengeltshofen 1 
88316 Isny-Neutrauchberg

 


Berufsbezogene Ziele und Konzepte in der VOR
Désirée Herbold, Dieter Küch

Kurzfassung
Medizinische Rehabilitationsmaßnahmen für die Deutsche Rentenversicherung sind stets berufsorientiert ausgerichtet, so auch die verhaltensmedizinisch-orientierte Rehabilitation (VOR). Der Beitrag stellt die berufsbezogenen Anteile der VOR vor und setzt sie in Beziehung zur medizinisch-berufsorientierten Rehabilitation (MBOR). Die Übereinstimmungen, aber auch die Spezifitäten beider Grundkonzepte werden aufgezeigt. Spezifische Screenings und Diagnostikmethoden ermöglichen eine bedarfsorientierte Zuweisung zu Konzepten und Interventionen. Ein interdisziplinäres Team ist bedeutsam für die sozialmedizinische Beurteilung. Einen weiteren Schwerpunkt dieses Beitrags bildet die Darstellung der psychologischen Maßnahmen mit Berufsbezug im VOR-Konzept der Paracelsus-Klinik an der Gande, mit psychodiagnostischen, psychoedukativen und psychotherapeutischen Elementen.

Schlüsselwörter
VOR, MBOR, SIMBO C, AVEM, sozialmedizinische Beurteilung, psychologische berufsbezogene Interventionen


Work-related aims and concepts in behavior-medical rehabilitation

Abstract
Medical Rehabilitation for the German Pension Scheme is always work-oriented, as well the behavior-oriented rehabilitation treatment (VOR). This article presents the job-related parts of the VOR and compares them with the medical-work-related rehabilitation (MBOR). Concordances as well as specifications of the two concepts are presented. Specific screenings and diagnostic methods allow a demand-responsive allocation of such concepts and interventions. An interdisciplinary team is meaningful for the social medical decision for the patient. Another aspect of this article is to show the psychological treatments with reference to occupation within the VOR-concept of the Paracelsus-Klinik an der Gande, together with psychodiagnostic, psychoeducational und psychotherapeutical elements.

Keywords
Behavioral medical rehabilitation VOR, work-directed medical rehabilitation MBOR, SIMBO C, AVEM, social-medical judgement, work-related psychological interventions


Dr. Désirée Herbold
Chefärztin der Paracelsus-Klinik an der Gande
Dr.-Heinrich-Jasper-Straße 4 
37581 Bad Gandersheim

 


Psychische Komorbidität? – Dokumentation psychopathologischer Befunde, Anamnese, sowie Arbeits- und Leistungsfähigkeit in Entlassungsberichten aus der somatischen Rehabilitation
Ruth Hütte & Beate Muschalla

Kurzfassung
Psychische Komorbidität ist – bei vergleichsweise hohem Anteil jährlicher Neuberentungen aufgrund psychischer Erkrankungen – ein zunehmend bedeutsames Thema auch im Rahmen der somatischen Rehabilitation. Psychische Beschwerden und Beeinträchtigungen sollen in somatischer und verhaltensmedizinisch orientierter Rehabilitation (VOR) in der Befundung und für die Weichenstellung in der Behandlung mitberücksichtigt werden. Dies schließt auch ein, dass die psychischen Befunde im Reha-Entlassungsbericht nachvollziehbar und präzise dokumentiert werden. Im Rahmen dieser qualitativen Pilotstudie wurde die Qualität der Befund- und Sozialmedizin-Dokumentationen aus Reha-Entlassungsberichten untersucht. Dafür wurden 42 zufällig ausgewählte Entlassungsberichte aus zehn somatischen Rehabilitationskliniken durch eine Psychotherapeutin mit mehr als zehnjähriger Erfahrung im Bereich der sozialmedizinischen Befundung in der Rehabilitation, und eine trainierte Coraterin qualitativ untersucht. Im Rahmen der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring konnten Kategorien in den Bereichen „psychopathologischer Befund“, „Anamnese“ sowie „Arbeits- und Leistungsfähigkeit“ entwickelt werden, die die verschiedenen Gründe bei Fällen von suboptimaler Berichtsqualität systematisieren.
Als qualitative Probleme wurden Unstimmigkeiten in Befunden, nicht ausreichende Begründungen für die Attestierung psychischer Erkrankungen, unkommentierte Übernahme von Vordiagnosen, und sozialmedizinische Einschätzungen ohne ausreichende Berücksichtigung von Beobachtungsbefunden identifiziert. In Bezug auf die sozialmedizinische Nutzbarkeit von Rehaentlassungsberichten erscheint für die Zukunft vor allem die weitere Optimierung nachvollziehbarer Verbindungen zwischen psychischem Befund, Fähigkeitsbeeinträchtigungen und beruflichen Anforderungen von Bedeutung. Diese Anforderung erfüllen zu können setzt entsprechende strukturelle Bedingungen voraus, d.h. neben Fachqualifikationen auch (dokumentierbare) Zeitkapazitäten zur Behandlungskoordination.
In Fortbildungen und Dokumentation therapeutischer Leistungen sollte die interdisziplinäre Kommunikation im Behandlerteam und Entlassungsberichtskoordination Berücksichtigung finden.

Schlüsselwörter
Qualitätssicherung, Befund, psychische Erkrankungen, verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation, Komorbidität


Tricky aspects in documentation of psychopathology, anamnesis, and work ability in medical reports from somatic rehabilitation

Abstract
Mental health problems are a relevant topic in behavior-medicine somatic rehabilitation (German concept: verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation VOR). They are considered in setting the course of treatment and diagnostics including the social-medicine epicrisis. Therefore the medical findings need to be documented precisely and comprehensible in the medical report.
This qualitative study investigated 42 medical reports from somatic rehabilitation clinics concerning the quality of medical findings, i.e. psychopathological report and anamnesis of mental health problems, as well as social-medicine epicrisis. The social-medicine epicrisis includes the present work ability and long-term working capacity over the next six months.
The medical reports were read and rated by a social-medicine specialist with more than ten years of experience in social-medicine diagnostics and reporting, and a corater who underwent a thorough training in social-medicine reporting for mental health problems.
Typical qualitative problems in the medical reports were inconsistencies in findings, report of mental disorder diagnosis (F-diagnosis) without commenting or explanation (e.g. diagnosis only taken over from earlier reports), or social-medicine epicrisis without sufficient consideration of behavior observation findings (i.e. only the patient´s self-report or psychometric tests and questionnaires were considered). Social-medicine training can focus on improvement of these aspects. Also, working conditions in the clinic must ensure enough space for treatment coordination in the rehabilitation team and writing the medical report.

Keywords
Quality assurance, mental disorders, behavior medical treatment, comorbidity


Prof. Dr. Beate Muschalla
Psychologische Psychotherapeutin 
(Verhaltenstherapie) und Supervisorin
Technische Universität Braunschweig
Psychotherapie und Diagnostik
Humboldtstraße 33
38106 Braunschweig

 


Verhaltensmedizinisch orientierte Rehabilitation
Fachtagung am 20. und 21. April 2018 in Löhne
Antje Hoppe

Zusammenfassung
Nach der Beendigung der Modellphase der verhaltensmedizinisch orthopädischen Rehabilitation (VMO), der Verabschiedung eines trägerübergreifenden Rahmenkonzepts und der Ausweitung der verhaltensmedizinisch orientierten Rehabilitation (VOR) auf weitere Indikationen in der medizinischen Rehabilitation sollte die Fachtagung den bereits bestehenden VOR-Abteilungen eine Möglichkeit zum fachlichen Austausch bezüglich der aktuellen Entwicklungen bieten. Dies war bereits die dritte Fachtagung mit dem Themenschwerpunkt VOR, welche von der Deutschen Rentenversicherung Bund organisiert wurde und am 20. und 21. April 2018 hatte die Berolina Klinik in Löhne in ihre Räumlichkeiten eingeladen. Die Hauptorganisatoren der Tagung Dr. Ulrike Worringen, Leitende Psychologin der DRV Bund, gemeinsam mit Kai Lorenz, Chefarzt VOR der Berolina Klinik, konnten circa 120 Teilnehmer aus den medizinischen und therapeutischen Berufsgruppen der Rehabilitationseinrichtungen begrüßen. Neben Ärzten folgten Psychologen, Physio- und Sporttherapeuten sowie Ergotherapeuten dem Vortragsprogramm und diskutierten in sieben Arbeitsgruppen.

Schlüsselwörter
Verhaltensmedizin, Rehabilitation, Diagnostik, psychische Komorbidität, Rehateam


Report from the symposium "Behavioral Medicine-oriented Rehabilitation" on 20 and 21 April 2018 in Löhne

Abstract
This article reports from a national symposium of behavior-oriented rehabilitation in Germany which took place in Löhne in April 2018. Differential diagnostic and social-medicine aspects, and behavior-oriented medical, psychological and cotherapeutical interventions were discussed in workshops and lectures.

Keywords
Behavior medicine, rehabilitation, diagnostics, mental health, comorbidity, rehabilitation team


Dipl. Psych. Antje Hoppe
Deutsche Rentenversicherung Bund
Abteilung Rehabilitation, Dez 8023
10704 Berlin

 


Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation
32. Jahrgang · 2019 · Heft 1 (105)

Pabst, 2019
ISSN 0933-842X
Preis: 14,- €

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