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Anne Will: Chemnitz, Rechtsextremismus und kein Ende

Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse wusste in der sonntäglichen Abend-Sendung mit Anne Will wertvolles Analytisches beizutragen: zunächst der klare Hinweis, dass rechtsgerichtetes Gedankengut in Ost wie West über Generationen in verschiedenen Varianten tradiert wird, auch in der ehemaligen DDR fleißig forciert wurde und keineswegs das Ergebnis von Angela Merkels Flüchtlingspolitik sei. Wolfgang Thierse legt Wert auf klare Unterscheidungen: etwa zwischen rechtsgerichteten Tendenzen und rechtsorientiertem, u.U. gewalttätigem Extremismus.

Wie weit die Tendenzen verbreitet sind, verdeutlichte in der Sendung Olaf Sundermeyer, der in der Szene regelmäßig als Reporter unterwegs ist: "Es gibt in der sächsischen Polizei eine starke Zuwendung zu rechten Demonstranten." Damit bestätigt sich die Kritik von Wolfgang Thierse, die er als Bundestagspräsident an der Polizei in Sachsen geübt hatte und der er eine Rücktrittsforderung des inzwischen zum Ministerpräsidenten avancierten Michael Kretschmer verdankte.

Wolfgang Thierse und andere Diskutanten verdeutlichten bei Anne Will das breite Spektrum an modernen Verunsicherungen breiter Bevölkerungsschichten - nicht nur in Sachsen. Dr. Jan Lohl, Wissenschaftler am Sigmund Freud Institut in Frankfurt/M., diagnostiziert in der Bevölkerung zunehmende Herausforderungen und damit zunehmende Sorgen oder Ängste, unter die Räder der Entwicklungen zu geraten: Daraus folgt eine narzisstische Depression, die u.U. "mit einer projektiven Feindbildung im Hass abgewehrt" werden soll. Diesen feindseligen Hass auf "die da oben" schüren und nutzen AFD & Co. Wer hasst und aktiv zuschlägt, suggeriert sich selbst, Entwicklungen wieder in die eigene Hand nehmen zu können: Hass als Depressionsabwehr.

Jan Lohl: Hass gegen das eigene Volk - Tiefenhermeneutische Analysen rechtspopulistischer Propaganda.

In: Psychologie & Gesellschaftskritik 3/4-2017 (Themenschwerpunkt: Neue Rechte) Pabst Science Publishers

  




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