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Wirtschaftspsychologie: Was Vorgesetzte sagen, unauffällig verschleiern und nicht verantworten

24.06.2021 Wirtschaftspsychologie: Typischer Chef-Sprech schillert dreifach. Gilt, was er/sie sagt? Oder was er/sie in Wirklichkeit meint? Oder was die ZuhörerInnen meinen zu verstehen? Wie selten stimmt alles überein? Dr. Felix Frei analysiert Chef-Ansagen in seinem Reader "Böse Worte". Selbst der Buchtitel ist nur mit Augenzwinkern wörtlich zu nehmen; der Autor - Wirtschaftspsychologe in Zürich - kann sich einer scharfsinnigen Satire nicht enthalten.

 

Ein Beispiel: "Es soll Menschen geben, die glauben, Cäsar habe den gallischen Krieg gewonnen. Doch bereits Bertold Brecht sinnierte, ob der Feldherr nicht wenigstens einen Koch dabeigehabt hat. Heutzutage hätte Cäsar natürlich ein Managerseminar absolviert und daselbst gelernt zu sagen: ´Mein Team und ich haben den Galliern eins aufs Dach gegeben.´ Einzig bei der Betonung würde ihm vielleicht der Fauxpas unterlaufen, ´mein´ statt ´Team´ zu betonen.

Im Führungsalltag lauern bei Personalpronomen gewaltige Probleme - pardon: Herausforderungen. Wenn die Führungskraft sagt ´Wir müssen besser werden´, dann heißt das klar: ´Ihr müsst besser werden´. Anderseits: Wenn der Chef sagt, ´ich habe die Prozesse gestrafft´, unterschlägt er seine Mitarbeiter.

Es ist ein erheblicher Unterschied, ob ein Geschäftsleitungsmitglied sagt: ´Die Geschäftsleitung hat entschieden´. Oder: ´Wir in der Geschäftsleitung haben entschieden.´ Und es ist ebenso ein Unterschied, ob ein Vorgesetzter sagt, ´wir müssen das und jenes tun´, oder ´ich habe entschieden, dass wir dies tun.´" Verantwortungsdiffusion gilt als moderner, demokratischer Führungsstil, nicht als Verantwortungsscheu.

"Das Wörtchen ´ich´ kommt v.a. im Zusammenhang mit Misserfolgen selten bis niemals vor. Kritisierte Managemententscheide verlieren sich am liebsten in nebulösen Sphären ´da oben´, sozialen Zwängen usw." Da war dann Deutschlands einstiger Kanzler Helmut Kohl fast schon präziser: "Ich habe versucht, ehrlich zu sein, - aber in Maßen." Felix Frei kann es nicht lasssen, die Großen des 20. Jahrhunderts mit zahlreichen erhellenden Zitaten zu Wort kommen zu lassen. Z.B. wird jeder Vorgesetzte dem Fußballer Lukas Podolski konsentieren: "Manchmal gewinnt der Bessere."

 

Literatur zum Thema

Felix Frei: Böse Worte.

Pabst, 128 Seiten. Hardcover ISBN 978-3-95853-465-0. eBook ISBN 978-3-95853-466-7

 

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