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Wirtschaftspsychologie: Der Goldstandard für ein Bewerbungsgespräch bleibt face to face

Wirtschaftspsychologie: Immer öfter werden Bewerbungsgespräche per Video geführt. Dies kann Zeit und Kosten sparen. Doch die Akzeptanz des Formats ist bei Bewerbern gering; ein face-to-face-Gespräch wird generell bevorzugt, ergab eine Studie.

Dr. Johannes M.J. Basch und Kollegen berichten darüber im Abstractband zum 51. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

"Angesichts der kritischen Wahrnehmung von technologiemediierten Interviews sollten Unternehmen den Einsatz solcher Gespräche innerhalb eines Bewerberpools vorsichtig abwägen, da dies mit negativen Konsequenzen verbunden sein kann," folgern die Wissenschaftler aus ihren Befunden.

Professor Dr. Karl Westhoff und Kollegen haben in ihrem Lehrbuch "Das Entscheidungsorientierte Gespräch als Eignungsinterview" wissenschaftlich fundierte Goldstandards definiert, u.a.:

Das Gespräch muss in der Vorbereitung sorgfältig strukturiert werden. Geschieht dies nicht, wird der Interviewer zuviel und der Bewerber zuwenig sprechen; zufällige Effekte persönlicher Einflussgrößen erhalten dabei mehr Gewicht und vergrößern auf beiden Seiten das Potential an Fehlurteilen. Besonders in unstrukturierten Gesprächen neigen Interviewer dazu, "ihre Entscheidung bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt während des Gesprächs zu treffen. In diesem Zusammenhang ist das Phänomen des ersten Eindrucks zu sehen; demnach haben die ersten Eindrücke für die weitere Informationsverarbeitung ein besonderes Gewicht und steuern das Verhalten der Interaktionspartner." 

 

Ausführlich beschreiben Westhoff und Kollegen häufige Irrtumsmöglichkeiten und bewährte Interviewformen - mit ihrem jeweiligen Für und Wider.

Gelegentlich betreten Personaler auch mit ihren Fragen eine No-Go-Area, warnt Westhoff, z.B.: "Bei einem sogenannten Stressinterview setzt der Interviewer den Bewerber unvorhergesehen und ohne Erklärung unter Druck - mit dem Ziel, zu erleben, wie er reagiert." Dies ist einerseits unethisch. Anderseits ist der wirkliche Erkenntnisgewinn für den Interviewer allenfalls dürftig und wahrscheinlich null. "Bietet ein Personalberater ein Stressinterview an oder praktiziert es, so schadet er nicht nur seinem eigenen Image, sondern vor allem dem des Auftraggebers."  

 

Literatur

Karl Westhoff (Hrsg.) Das Entscheidungsorientierte Gespräch als Eignungsinterview,
Pabst, 152 Seiten. Hardcover, ISBN 978-3-89967-550-4

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