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Wenn das Bier im Gully schäumt: Das kühle Blonde verliert Liebhaber

15.03.2021 - Die Hopfenernte war im Jahr 2020 mit knapp 47.000 Tonnen in Deutschland nicht überreichlich, aber qualitativ überdurchschnittlich. Wie gewohnt leistete der Steuerzahler ungefragt einige Millionen Euro Agrarsubvention. Hopfen und Malz, Gott erhalt´s. Bier ist förderungswürdiges Kulturgut.

 

Doch der Bierkonsument (jeden Geschlechts) ist auch nicht mehr, was er früher einmal war. Anno 1980 goss sich jede(r) durchschnittliche Bundesrepublikaner fast 146 Liter Bier hinter die Binde; rechnet man aus der Statistik Kinder und sehr Alte heraus, sind 200 Liter pro erwachsene Person ein Mittelwert.

 

Seit 1981 ging es mit dem Bierkonsum jedoch langsam stetig bergab - und erreichte 2020 den Wert von etwa 95 Litern pro Kopf der Gesamtbevölkerung. Wie das Jahrbuch Sucht berichtet, ging auch bei den anderen Alkoholika der Konsum zurück - allerdings längst nicht so heftig. Corona gab der langfristigen Bierentwicklung in 2020 nochmals einen Abwärtsschub: Die geschlossene Gastronomie konnte ihre Bierfässer kaum leeren. Jetzt fließt das kühle und ursprünglich subventionierte Blonde tonnenweise in den Gully; Zollbeamte führen Aufsicht, um illegale Steuervermeidung zu verhindern.

 

Nun wäre die Annahme ein Irrtum, unter Corona sei die Lust an Alkoholika generell gesunken: Sie ist vielmehr - v.a. im heimischen Wohnumfeld - wesentlich gestiegen, zum Wohle der fiskalischen Bilanz: Die Branntweinsteuer stieg in 2020 gegenüber dem Vorjahr um etwa sechs Prozent auf 2,2 Milliarden Euro; die Schaumweinsteuer wuchs im gleichen Zeitraum um 5,5 Prozent auf 405 Millionen Euro. Damit nicht genug: Es wurde auch mehr geraucht; die Einnahmen aus der Tabaksteuer wuchsen um fast drei Prozent auf knapp 15 Milliarden Euro.

 

"Mit einer Jahresproduktion von 95,62 Millionen Hektolitern Gerstensaft war Deutschland innerhalb der EU vor dem Vereinigten Königreich (44,04 Millionen Hektoliter), Polen (40,89 Millionen Hektoliter) und Spanien (34,96 Millionen Hektoliter) das Land mit der höchsten Biererzeugung", berechnete der "Alkoholatlas Deutschland 2017". Auch wenn diese Leistungsbilanz der Vergangenheit angehört, bevorzugt leichtere Biersorten getrunken werden und reichlich Blondes im Gully schäumt, ist Entwarnung kaum angebracht.

 

Literatur zum Thema

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (Hrsg.) Jahrbuch Sucht 2020.
Pabst, 284 Seiten. Hardcover ISBN 978-3-95853-589-3. E.book ISBN 978-3-95853-590-9

Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.) Alkoholatlas Deutschland 2017.
Pabst, 144 Seiten farbig. Paperback ISBN 978-3-95853-334-9

 

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