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Wirtschaftspsychologie: Hohe Boni locken nicht die talentiertesten, sondern die gierigsten Manager in die Vorstandsetagen

Wirtschaftspsychologie: Der Mai beschert dem VW-Vorstand eine zusätzliche Bonus-Nachzahlung von gut vier Millionen Euro. Gleichzeitig erfährt die Belegschaft, dass innerhalb der nächsten fünf Jahre mindestens 5000, möglicherweise auch 7000 Stellen gestrichen werden. Die Wirtschaftspsychologinnen Katja Rost und Margit Osterloh belegen in einer umfangreichen empirischen Studie, dass CEO-Boni a la Wolfsburg weder für Unternehmen, noch für Belegschaften vorteilhaft sind; eher überwiegen die Nachteile.

Die Wissenschaftlerinnen sehen enge kausale Zusammenhänge zwischen den explosiven Einkommenssteigerungen im Spitzenmanagement, Skandalen und Krisen. "Der motivierende Effekt des Pay-for-Performance-Systems (= Bonussystem) ist nicht positiv. Er verschärft Konflikte zwischen Anteilseignern, Belegschaft und Management. Unter Umständen sinkt dabei der Unternehmenserfolg."

 

Die Wirtschaftspsychologinnen unterscheiden in Motivation und Verhalten zwei Varianten: Orientiert sich der Manager intrinsisch und verantwortungsvoll an dem langfristigen Wohlergehen des Unternehmens und seiner Belegschaft? Oder orientiert er sich extrinsisch am aktuellen Profit, um für sich den maximalen Bonus zu erzielen? Letztere Unternehmensstrategie ermöglicht allenfalls kurzfristige Erfolge - und langfristig mehr Risiken als Chancen. Den Wissenschaftlerinnen stand bei ihrer Studie das Beispiel VW - Dieselskandal und technischer Entwicklungsrückstand - noch nicht zur Verfügung.

 

Ist ein Manager zunächst intrinsisch motiviert, empfindet er sich durch eine Pay-for-Performance-Anforderung in seinem Verantwortungsbewusstsein und seiner Autonomie kompromittiert; seine Arbeitsfreude und sein Engagement sind gestört; der Bonus erzielt damit einen negativen Effekt. Positiv kann er nur wirken, wenn der Manager lediglich extrinsisch motiviert ist.

 

Der Pay-for-Performance-kompatible, extrinsische Manager fokussiert auf den Profit und ignoriert eine verantwortungsbewusste Unternehmenskultur ("organizational citizenship behavior"). Die Manipulation von Menschen und Informationen liegt nahe ("creative accounting", "cooking the books"). Volkswagen liefert die präzisen Belege und Beispiele. In den wissenschaftlichen Befunden der Wirtschaftspsychologie liegt daher auf der Hand, dass ein hochlukratives Pay-for-Performance kaum die besten Talente in die Vorstandsetagen lockt, sondern eher die gierigsten ...

Literatur zu Thema

Katja Rost, Margit Osterloh: Management Fashion Pay-for-Performance for CEOs.
In: M. Vartiainen et al. (Eds) Reward Management - Facts and Trends in Europe.
Pabst, 300 pages, Paperback ISBN 978-3-89967-479-8     

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