NEWSBÜCHERJOURNALEONLINE-SHOP



 

Sie befinden sich hier: NEWS » Aktuelle News Psychologie » News lesen

« zurück

Trennungsangst als Krankheit: erkennen, diagnostizieren, therapieren

Trennungsangst kann im Normalfall als Schutzfunktion dienen. Im Extremfall wird sie jedoch zu einer leidvollen Krankheit. Annähernd fünf Prozent der Kleinkinder leiden unter einer pathologischen Trennungsangst. Meist wird sie weder diagnostiziert noch optimal behandelt. Sie kann das ganze Leben der Betroffenen bestimmen - bis ins hohe Alter. Dr. Christian Fischer trägt in seinem neuen Reader erstmals das aktuelle Wissen zur Diagnostik und Therapie der Trennungsangst-Störung zusammen.

Wie die meisten psychischen Erkrankungen folgt die pathologische Trennungsangst aus einem Zusammenspiel zwischen verschiedenen genetischen und umweltbedingten Faktoren. Daher ist nur selten eine einzelne Ursache zu identifizieren. Die meisten Betroffenen versuchen, den Besuch von Kindergarten und Schule zu vermeiden. Die wenigsten Pädagogen erkennen hinter dem "Schwänzen" eine Trennungsangst-Störung. Sekundäre Folgen können eskalieren: Schulversagen, soziale Außenseiterrolle, andere Phobien, Zwangsstörungen usw..

 

Fischer stellt als aussichtsreichstes Behandlungsverfahren eine multimodal kognitive Verhaltenstherapie (CBT) vor. Sie kann unter bestimmten Umständen durch Elemente anderer - psychodynamischer - Verfahren ergänzt werden. Dabei sieht der Therapeut eine zwingende Indikation für zusätzliche eltern- bzw. familienzentrierte Interventionen. Bei einer Schulphobie empfiehlt Fischer darüber hinaus schulzentrierte Maßnahmen. Im Zentrum der Behandlung sollte immer eine Exposition in vivo stehen. Eine psychoedukative Aufklärung von Patient und Eltern ist ebenso wichtig wie eine Unterstützung bei der Bewältigung von Auswirkungen der Störung und ihrer Behandlung.

 

Eine stationäre Therapie empfiehlt Fischer nur in Ausnahmefällen - etwa bei einer extremen multiplen Angststörung, einer posttraumatischen Belastungsstörung, Suizidgefahr, Substanzmissbrauch, riskanten Begleiterkrankungen. Bleibt die Psychotherapie erfolglos, stellt Fischer mit einiger Zurückhaltung eine Pharmakotherapie zur Diskussion: Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) sind in der Lage, die Behandlung zu unterstützen.

 

Christian Fischer: Trennungsangst bei Kindern & Erwachsenen.
Symptomatik, Diagnostik, Ursachen und Behandlung der Trennungsangststörung.
Pabst 2019, 270 Seiten. Paperback ISBN 978-3-95853-527-5. eBook ISBN 978-3-95853-527-5

zum Buch im Shop

 




alttext