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Systemische Psychologie: heilsame Empfehlungen für Familien mit chronisch kranken Kindern

Ist ein Kind chronisch krank, beeinflusst es die gesamte Familienstruktur; sie kann ihrerseits schwerkrank werden - oder Selbstheilungskräfte aktivieren. Welche Gefahren drohen, welche Herausforderungen und Chancen entstehen? Wie können Kinder und ihre Angehörigen geschult werden, mit der Krankheit konstruktiv umzugehen? Dres. Arist von Schlippe, Stephan Theiling und Kollegen bieten in ihrem interdisziplinären Lesebuch "Niemand ist allein krank" einen Überblick - gut verständlich für betroffene Familien und ihre Therapeuten.

 

Die Psychologen beschreiben zehn riskante Verhaltensmuster:

 

- Die Familie schließt sich um das Kind so eng zusammen, dass die Einzelnen kaum noch individuelles Leben haben

 

- Die Rollenkonstellation kann "einfrieren" und erstarren; in der Sorge um das erkrankte Kind wagen die Einzelnen keine Änderung, auch wenn sie erforderlich ist

 

- Die Familie glaubt, sich keine Konflikte leisten zu können; es entsteht eine Art gezwungener Harmonie; notwendige, konstruktive Auseinandersetzungen werden verhindert und vergiften unterschwellig die Beziehungen

 

- Die besorgte Familie kann den Freiraum des Kindes vorsichtshalber zu sehr einschränken

 

- Die Außenwelt kann als gefahrvoll, überfürsorglich oder schuldzuweisend wahrgenommen werden; dann kann die Familie das Kind zu stark abschirmen

 

- Die Mutter fühlt sich in erster Linie verantwortlich, entwickelt zu dem kranken Kind ein symbiotisches Verhältnis und vernachlässigt die übrige Familie

 

- Die Eltern - vielleicht in erster Linie die Mutter - quälen sich mit der Frage nach ihrer möglichen Schuld

 

- Möglicherweise wird die Krankheit tabuisiert oder bagatellisiert; wenn nicht über sie gesprochen wird, soll sie ihre Wirkung einbüßen - doch in Wahrheit steigt ihre Belastung

 

- Eltern können sich weigern, Verantwortung zu tragen; Kinder werden darauf destruktiv reagieren

 

- Chronische Erkrankungen sind häufig über Generationen vererbt. Daraus können sich Familiengeschichten, Traditionen und Rückschlüsse ergeben - mit unterschiedlichsten Fehlschlüssen für die eigene aktuelle und künftige Entwicklung.

 

Die AutorInnen beschreiben, wie Familien ihre Lebensqualität und die Bedürfnisse des kranken Kindes immer wieder gut austarieren können. Ausführlich werden auch qualifizierte, erprobte Schulungsprogramme vorgestellt: speziell für Adipositas, Asthma, chronische Schmerzen, Diabetes, Neurodermitis. Die AutorInnen belegen den Erfolg ihrer Schulungsprogramme anhand von Einschätzungen und objektiven Ergebnissen - z.B.: Die Kinder versäumen wesentlich weniger Unterricht in der Schule.

Literatur

Arist von Schlippe, Stephan Theiling (Hrsg.) Niemand ist allein krank
Osnabrücker Lesebuch zu chronischen Krankheiten im Kindes- und Jugendalter

Pabst, 408 Seiten, Paperback ISBN 3-89967-163-5  

 

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