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Sucht: Wie nützlich Sozialarbeit ist und wie sie "bürokratisch" behindert wird

einfach.Leben - Die Gesichter der Sucht.

28.07.2021 Suchtkrank, gering qualifiziert, sozial abseits, in Geldnot: Die prekären Bevölkerungsgruppen wachsen. Sozialarbeit wird essentiell. Die starren Grenzen einer Standardrehabilitation müssen grundsätzlich mit einer individuellen sozialen Rehabilitation erweitert werden, um den Kreislauf des Scheiterns zu durchbrechen. Insider berichten authentisch in einem aktuellen Reader, wie dies möglich ist und wie es oft be- oder verhindert wird: "einfach.Leben.Die Gesichter der Sucht".

Die Gesundheit hängt in erheblichem Maß vom sozioökonomischen Status ab - und beeinflusst diesen wiederum in einer Wechselwirkung. Die Herausgeber Peter Schay, Roland Helsper und Marion Birkholz folgern daraus, "dass Gesundheitsförderung stärker auf die Verbesserung der sozioökonomischen Verhältnisse ausgerichtet werden muss. Die vielfältigen Bedürfnisse haben uns veranlasst, für das Recht der KlientInnen auf Leistungen zur sozialen Teilhabe zu kämpfen. Wir sind nicht mehr bereit, der Sozialbürokratie zu folgen und hinzunehmen, dass die KlientInnen zunehmend keine Rolle spielen..."

Die AutorInnen zeichnen ein ebenso kritisches wie selbstkritisches Bild: "Als institutionalisierte Profession entfernten sich Teile der Sozialen Arbeit vom Wissen um fundamentale menschliche Bedürfnisse und ihres eigenen gesellschaftlichen Auftrags - und haben sich mit den Forderungen der politisch Verantwortlichen verbündet. Das heißt: Die Soziale Arbeit und vor allem ihre Träger haben sich in eine Defensive hineinmanövriert. Dementsprechend ist zu befürchten, dass Handlungsspielräume in der Sozialen Arbeit durch Zerstückelung fachlicher Aufgaben und Verkleinerung von Kompetenzen zugunsten ökonomischer Überlegungen schrumpfen."

Der Supervisor Dr. Michael Stiels-Glenn pointiert in seinem Beitrag: "... begannen Sozialmanager und Ökonomen, die psychosozialen Dienste wie auf einem Schlachthof zu zerlegen... Der Versuch, psychosoziale Aufgaben nach dem Vorbild einer Würstchenfabrik zu organisieren - mit Leistungszahlen, einer Quantifizierung, (scheinbar) objektiven Messwerten, ist Neoliberalismus pur!"

Im Reader schlägt sich eine Menge reflektierter Zorn über "die Bürokratie" nieder. Doch ein anderer, entscheidender Faden durchzieht das ganze Buch: Die Herausgeber erinnern an die Empfehlung von Otto Kernberg, bei allen Klienten das Liebenswerte zu finden. Es lässt sich visualisieren: Marion Birkholz hat 30 Suchtkranke fotografiert und die ausdrucksstarken Portraits im Reader veröffentlicht ...

Peter Schay, Roland Helsper, Marion Birkholz (Hrsg.)
einfach.Leben - Die Gesichter der Sucht.
Pabst, 196 Seiten. Paperback
ISBN 978-3-95853-534-3. eBook ISBN 978-3-95853-535-0 
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