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Sucht: Selbstbefreiung ist häufig

Die Mehrheit der Substanzabhängigen - Alkohol, Drogen, Tabak - befreit sich ohne professionelle Therapie aus der Störung. Reifeprozesse, Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld, Krankheit, besondere Ereignisse tragen dazu bei. Dr. Gallus Bischof, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Suchtpsychologie, zieht in einem Beitrag zur Fachzeitschrift RAUSCH Folgerungen:

"Die Befunde widersprechen einem deterministischen Verständnis von Abhängigkeitserkrankungen, wie es z.B. im klassisch medizinischen Suchtverständnis angelegt ist. Da mehrheitlich gesundheitliche Probleme als bedeutsamer Ausstiegsgrund genannt wurde, wären frühere Motivierungsansätze und ein ´selbstheilerfreundliches gesellschaftliches Klima´ auch mit dem Ziel einer Verkürzung von Abhängigkeitsverläufen wünschenswert. Weiter könnte in Anbetracht der Bedeutung interpersoneller Konflikte ... eine Stärkung der Angehörigenarbeit zu einer früheren Erreichbarkeit von Betroffenen beitragen. Die Wirksamkeit angehörigenbasierter Interventionsformen konnte in randomisierten Studien gut belegt werden."

 

Professor Dr. Harald Klingemann unterscheidet in seinem Ratgeber-Buch "Sucht - Selbstheilung ist möglich" drei Typen Betroffener: "Der folgenorientierte Typ spürt die unmittelbaren Konsequenzen der Sucht, die er nicht weiter hinnehmen will. Der nachdenkliche Reifungstyp führt sich eher die langfristig zerstörerischen Konsequenzen vor Augen. Den dritten Typ kennzeichnet ein unmerkliches, kaum bewusstes Herausreifen aus der Sucht; Betroffene "haben es eigentlich gar nicht ´mitbekommen´, wie sie sich allmählich gelöst haben. wie sich ihr Lebenslauf so verschoben hat, dass Sucht darin keinen Platz mehr hat..."

 

Klingemann referiert eine Studie, in der Betroffene "mit etwa 20 Jahren den Drogenkonsum begannen und ihn nach dem 30. Lebensjahr wieder aufgaben. Dies schien auf einen natürlichen Lebenszyklus der Heroinsucht hinzudeuten. Opiatsüchtige steigen in die Sucht ein, um mit Belastungen und emotionalen Problemen des frühen Erwachsenenalters fertig zu werden, und lassen davon wieder ab, wenn sie in der Lage sind, die Verantwortung als Erwachsene ohne Drogen zu übernehmen ..."

 

rausch – Wiener Zeitschrift für Suchttherapie 2026-1-2
Zieloffene Suchtbehandlung
Pabst, 15. Jahrgang Print:  2190-443X, PDF:  2190-443X

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Harald Klingemann: Sucht -
Selbstheilung ist möglich,
Pabst 120 S. Paperback ISBN 978-3-95853-328-8, eBook ISBN 978-395853-329-5 

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