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Sucht: Essstörungen und Alkoholabhängigkeit ganzheitlich, aber differenziert therapieren

Essstörungen sind häufig mit einer Alkoholsucht verbunden. Konzentriert sich die Behandlung auf die Verminderung der Anorexie bzw. Bulimie, kann der Alkoholismus zunehmen - und umgekehrt. Notwendig ist ein ganzheitlicher Therapieansatz, der alle Problembereiche einschließt, fordern Dr. Petra Schuhler und Dr. Monika Vogelgesang (Rehabilitationsklinik Münchwies/Saarland). Sie berichten in ihrem Reader "Essstörungen" über ihre Behandlungskonzepte und Erfahrungen.

Die Therapeutinnen halten mit Blick auf beide Störungen als grundlegende Therapieziele im Auge:

 

- Übernahme von Eigenverantwortung für das Denken, Fühlen, Wollen und Tun,

- Aufbau einer wirksamen Selbstkontrollüberzeugung,

- Erlernen einer gezielten, aktiven und adäquaten Problembewältigung,

- Verbesserung der Kommunikationsfähigkeiten,

- eine an einer individuellen Wertehierarchie orientierte Lebensplanung

 

Petra Schuhler beschreibt und analysiert ausführlich eine Patientin, bei der Essstörung und Alkoholabhängigkeit in einem ursächlichen Zusammenhang stehen. Das differenzielle Behandlungskonzept nimmt die Koinzidenz beider Störungen in den Blick. "Die phänomenologische Ähnlichkeit beider Krankheitsbilder lässt jedoch nicht zu, Prinzipien der Suchttherapie einfach auf die Behandlung von Essstörungen zu übertragen, ebenso, wie Grundsätze einer psychosomatisch-psychotherapeutischen Behandlung nicht ausreichen, um Essstörungen in Verbindung mit einer Abhängigkeitserkrankung fachgerecht zu behandeln." 

 

Die Patientin hatte sowohl ihre Essanfälle als auch ihren Alkoholkonsum genutzt, um "die Abwesenheit von Spannung und das Aufkommen von Gleichgültigkeit zu erleben. Häufig setzten der Frau die Fressanfälle und das Erbrechen so zu, dass sie wieder mit dem Trinken begann. Dann registrierte sie eine gewisse Überlegenheit des Alkohols, was die Wirkungskraft bei der Lösung von Spannungszuständen anging: Alkohol half zwar nicht schneller, aber länger anhaltend. Auf der anderen Seite konnte auch schnell getrunkener Schnaps nicht mit der Erleichterung und dem Spannungsabfall konkurrieren, den ein Ess-Brech-Anfall herbeiführen wird ..." Das jahrelange Wechselbad zwischen unmäßigem Essen und Trinken und Anspannung führte zu einem hohen Leidensdruck und einer ähnlich hohen Therapiebereitschaft.

 

Die Behandlung entwickelte sich kompliziert, herausfordernd - und schließlich erfolgreich.  

 

Literatur

 

Monika Vogelgesang, Petra Schuhler, Manfred Zielke (Hrsg.) Essstörungen - Klinische Behandlungskonzepte und praktische Erfahrungen.

Pabst, 232 Seiten. Paperback ISBN 3-89967-114-7

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