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Straftäter mit Suchtproblemen: Die Entziehungsanstalt ist weit erfolgreicher als der Strafvollzug

Etwa die Hälfte der Straftäter ist suchtabhängig. Die Mehrheit "landet" im Strafvollzug - ohne oder fast ohne Therapie. Eine wachsende Minderheit wird jedoch in einer Entziehungsanstalt behandelt. Dr. Norbert Schalast und Dr. Melanie Frey (Forensisches Institut Essen) belegen in ihrer Evaluationsstudie erstmals und zur Überraschung der Fachwelt: Die Rückfallquote nach einem Strafvollzug ist wesentlich höher als nach einem oft kürzeren Entzug.

Die Psychologen verglichen je 314 - genau gematchte - Straftäter aus dem Strafvollzug und der Entziehungsanstalt (§ 64 Strafgesetzbuch). In den ersten tausend Tagen nach Entlassung wurden aus ersterer Gruppe etwa zwei Drittel rückfällig - und aus der Therapie-Gruppe weniger als die Hälfte.

 

Für den großen Unterschied sind nicht nur das qualifizierte Engagement in den - meist kleinteiligen - Entziehungsanstalten und das vorsichtige, stufenweise Entlassungsmanagement verantwortlich.

 

Vielmehr stimuliert das Milieu der meisten großen, unübersichtlichen Gefängnisse Drogenmissbrauch und Kriminalität. Norbert Schalast: "Im Grunde befindet sich stetig ein Teil (ca. 10%) der Szene der Abhängigen von harten Drogen vorübergehend in Vollzugsanstalten. Der anstaltsinterne Drogenmarkt ist arbeitsteilig organisiert und wird von äußerst durchsetzungsfähigen Gefangenen beherrscht. Süchtige Gefangene werden zu Konsum und Verschuldung verleitet und in Abhängigkeit gebracht. Im Ansehen der Mitgefangenen gewinnt derjenige, der sich in der Subkultur behauptet. In Gefahr bringt sich, wer das Gebot ´nichts hören, nichts sehen, nichts sagen´ missachtet und sich gar aus Angst Beamten anvertraut."

 

Prof. Dr. Bernd Maelicke forderte daher "kleine Gefängnisse, um den Massenvollzug mit seiner schädlichen Subkultur zu zerschlagen; die Gefangenen intensiv auf die Entlassung vorbereiten; sie danach begleiten und kontrollieren." Schalast: Die Entziehungsanstalt (nach §64) "stellt sich als ein Bemühen dar, genau diesen Forderungen zu entsprechen."

Literatur zum Thema

Norbert Schalast (Hrsg.): Straffällige mit Suchtproblemen. Fakten, Erfahrungen und Ergebnisse der Essener Evaluationsstudie
Pabst, Hardcover ISBN 978-3-95853-461-2, eBook ISBN 978-3-95853-462-9

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Bernd Maelicke: Wie Wasser von Klippe zu Klippe geworfen - der organisierte Beziehungsabbruch als Systemfehler der Resozialisierung.
In: Lehmann, Behrens, Drees (Hrsg.) Gesundheit und Haft.
Pabst, Hardcover  ISBN 978-3-89967-897-0, eBook 978-3-89967-930-4

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