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Sexueller Missbrauch in der Psychotherapie: meist verleugnet und immer gefährlich

Sexueller Missbrauch in der Psychotherapie wird nach wie vor vielfach unterschätzt und geleugnet. In einer Studie räumten weniger als ein Prozent der befragten Psychotherapeuten ein, "sexuelle Bedürfnisse mit der Klientel" auszuleben; doch 55% gaben an, in den letzten fünf Jahren mindestens eine Patientin behandelt zu haben, die zuvor von einem Therapeuten missbraucht worden war. Über das Tabuthema berichtet die Psychologin Angelika Wagner-Link (München) in ihrem neu vorgelegten Taschenbuch "Frauen und Männer - Gender in der Psychotherapie".

"Die Wiederholungstäter sind mit einer Quote von 80% extrem häufig. Ihr hoher Anteil zeigt, dass das Phänomen weniger auf Empathiefehler als auf gezieltes Handeln der Täter zurückzuführen ist. Es scheint sich dabei nicht um ein spontanes Fehlverhalten, sondern um ein gezieltes Vorbereiten und Durchfühern zu handeln."
 
Häufig geben Betroffene eine therapeutische Motivation vor. Demgegenüber belegt Wagner-Link, dass es sich grundsätzlich um eine Straftat und einen für die Patientin hoch riskanten Kunstfehler handelt. Oft besteht eine "traumatische Bindung an den Täter fort", das Selbstvertrauen - insbesondere das Vertrauen in die eigene Wahrnehmungsfähigkeit - leidet, Scham entsteht. "Die Opfer leiden jahrelang an Depressivität, sozialer Isolierung, erhöhter Suizidalität, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch.
 
"In der Psychotherapie wiegt der Vertrauensbruch deshalb so schwer, weil bei den Patientinnen so gut wie alle Schutzmechanismen zusammenbrechen. Das strukturelle Machtgefälle hebt die Person des Therapeuten häufig in den Rang von Elternfiguren.
 
Problematisch ist die Aufdeckung der Fälle, da den Opfern im Gegensatz zu den Tätern kein Glauben geschenkt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Patientin über den sexuellen Missbrauch spricht, ist gering. Eine der gravierendsten Folgen sexuell grenzverletzenden Verhaltens in der Psychotherapie ist der Verlust der Sprache der Opfer ..."




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