"Die Familienmitglieder kommen sich näher, können wichtige Konflikte aussprechen, aufdecken und einordnen. Durch die sehr intensive Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte und das Einfühlen in den jeweils anderen gelingt es häufig erstmals, nach Bekanntwerden der sexualisierten Gewalt an den Kindern/Jugendlichen, sich wieder intensiver näherzukommen. Mit den Anteilen, die jedes Familienmitglied an diesem Therapiebaustein hat, entsteht ein neues Gemeinschafts- und Zusammengehörigkeitsgefühl bzw. es wird ein bereits vorhandenes wieder aktiviert.
Die Arbeit soll nicht dazu dienen, den Kindern/Jugendlichen die Verantwortung für ihr Verhalten zu nehmen. Aber unter systemischem Aspekt ist zu verdeutlichen, dass alle Familienmitglieder Mitwirkende im System sind, und dass die verübte sexualisierte Gewalt - neben all der Grausamkeit - nicht das Einzige ist, was die Familie ausmacht. Der Fokus soll sich auch darauf richten, der Familie eine Perspektive mit auf den Weg zu geben, die es ermöglicht, einen Blick in die Zukunft zu richten.
Die Frage ist, ob die Familienmitglieder eher in eine gemeinsame oder in verschiedene Richtungen gehen können. Die einzelnen Familienmitglieder sollen im besten Fall mit der Vorstellung einer gemeinsamen Zukunft aus der Therapie gehen. Auch die Erarbeitung von zukünftig getrennten Lebenswegen kann als sinnvoll empfundenes Ergebnis stehen."
Esther Klees, Torsten Kettritz (Hrsg.) Sexualisierte Gewalt durch Geschwister -
Praxishandbuch für die pädagogische und psychologisch-psychiatrische Arbeit mit sexualisiert übergriffigen Kindern/Jugendlichen.
Pabst, 396 S., Paperback ISBN 978-3-95853-342-4, eBook ISBN 978-3-95853-343-1













