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Selbstmanagement-Therapie: Klient und Therapeut sind Experten auf gleicher Augenhöhe

Klient und Therapeut begegnen sich auf Augenhöhe, wenn die Psychotherapeuten und Vertreter der Selbstmanagement-Therapie (SMT) Hans Preß und Markus Gmelch postulieren: "Wesentliches Merkmal (der) Selbstmanagement-Therapie ist die Förderung einer tragfähigen, therapeutischen Allianz" und: "Die Therapiebeziehung wird auch als ‚Miteinander von Klient und Therapeut als Experten’ gesehen." In ihrem Beitrag zur Festschrift für Hans Reinecker reflektieren Preß und Gmelch die Möglichkeiten der Selbstmanagement-Therapie.

Der Klient als Experte? Dies ist für die Schüler von Hans Reinecker keine Frage, sondern Fakt, betiteln sie doch ihren Aufsatz über die SMT mit der Schlagzeile: "Der Klient als Experte! Eine therapeutische Haltung, die Selbstmanagement ernst nimmt". Während den Therapeuten die Rolle als "Experten für die veränderungsförderliche Gestaltung des Therapieprozesses" zukommt, werden die Klienten "als Experten für die Inhalte, also ihres Erlebens und Leidens, ihrer Ziele Bedeutungskonstruktionen und Wahrnehmungen verstanden".

Diese Arbeitsteilung erfordert vom Therapeuten ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit, Offenheit und Fingerspitzengefühl, da "eigentlich jede spezifische Therapiesituation einer individuellen Einschätzung bedarf". Die geläufige Empfehlung, den Klienten dort abzuholen, wo er steht, ist nicht nur für den Beginn der Therapie wichtig, sondern während des gesamten Therapieprozesses - immer wieder kann es zu Klärungen und Kurskorrekturen kommen. Der Therapieprozess ist damit nicht linear, sondern rekursiv und unterliegt der aufmerksamen Beobachtung des Therapeuten.

Der Erfolg der SMT hängt Preß und Gmelch zufolge nicht an der Anwendung bestimmter Techniken; mit Praxistipps ist dem hohen Anspruch nicht beizukommen. Umso größere Bedeutung hat - wie auch der Titel des Aufsatzes nahe legt - die Haltung des Therapeuten, also "die Art und Weise, wie ein Therapeut bestimmte therapiebezogene Überzeugungen in sozialen Situationen ‚verkörpert’ und ausdrückt". Diese gründet vornehmlich auf philosophischen Basisannahmen, unterliegt aber auch der Modifikation durch empirisch-wissenschaftliche Untersuchungen oder persönliche Praxiserfahrungen. Anders ausgedrückt: Grundlage der therapeutischen Arbeit ist sein Welt- und Menschenbild, das sich durch persönliche Erfahrungen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse weiter entwickelt. Für die Arbeit des Therapeuten, der die Selbstmanagement-Therapie vertritt, ist es demnach wichtig, sich seiner eigenen Überzeugungen bewusst zu sein. Seine Ausgangsbasis ist der Humanismus: "Menschen werden als Wesen verstanden, die ihr Leben aktiv gestalten, Bedeutung und Sinn konstruieren (…). Der Wert der Selbstbestimmung (...) des Menschen (... wird) besonders betont (…). Psychologische Theorien werden lediglich als Heuristiken verstanden, die ein Verständnis der Probleme (...) erleichtern können, bleiben dabei aber immer hypothetisch".

Dieses Menschenbild wirkt konsequent in die Therapiestunden hinein. Der Klient wird, wo immer möglich, mit einbezogen, übernimmt Verantwortung für das Ziel der Therapie, bringt - unter Anleitung des Therapeuten - seine Ressourcen mit ein, gibt mit seinem Feedback dem Therapeuten Orientierung über seine derzeitige Situation und beeinflusst damit maßgeblich Richtung und Geschwindigkeit der Therapie: "Im Gegensatz zum medizinischen Verständnis psychischer Probleme und deren ‚Behandlung’ stellt nicht das Expertenurteil des Fachmannes, sondern die subjektive Sicht des Klienten das zentrale Korrektiv der gemeinsamen Arbeit dar".




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