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Schönheit ist …

Zwei Wörter sind jeweils miteinander verbunden, wenn sie sich in nur einem Buchstaben unterscheiden. Beispielsweise enthält das blaue Teilnetzwerk alle Wörter mit einem "a" in der Mitte. In einem solchen Netzwerk gibt es viele Möglichkeiten vom Ausgangs- zum Endpunkt zu gelangen, aber die Probanden suchen sich jeweils Ankerpunkte für ihre Navigation (Bild zum Vergrößern anklicken). Abbildung: Dr. Katharina Zweig

Was ist schön? Diese Frage lässt sich gar nicht so leicht beantworten, denn Schönheit ist nichts Objektives. Schönheitsideale sind kulturell und historisch bedingt, sind gesellschaftliche Normen, produzieren und reproduzieren gesellschaftliche Machtstrukturen. Anhand von Medien hat sich Prof. Dr. Heike Steinhoff vom Englischen Seminar der Ruhr-Universität Bochum (RUB) diese Ideale angeschaut. Sie stellt fest: Der Trend geht von der Optimierung des Körpers hin zur mentalen Optimierung. Liebe deinen Körper, egal wie er aussieht – das klingt zunächst gut, bürdet aber die Verantwortung für das eigene Wohlbefinden allein dem Individuum auf.

Der Körper als Projekt

„Wenn wir Reality-TV-Formate der 2000er-Jahre sehen, geht es häufig darum, den Körper zu optimieren“, fasst Heike Steinhoff zusammen. „Wir nennen das eine Makeover-Kultur, also eine Kultur, in der wir dazu angehalten sind, uns selbst und insbesondere unsere Körper wie ein Projekt zu betrachten, das es beständig zu optimieren gilt“, sagt die Amerikanistin. Die Körper sollen idealerweise schlank, trainiert und fettfrei sein. Das dominante Körperideal ist zudem weiß und nicht behindert.

„Durch die sozialen Medien hat sich der Blick auf die Schönheit weiterentwickelt“, stellt Heike Steinhoff fest. Noch immer findet eine körperliche Selbstoptimierung statt, die sich unter anderem in der Nutzung und Verknüpfung von Fitnesstrackern und Hashtags wie Fitspiration ausdrückt. Es steht dabei nicht nur die Schönheit im Mittelpunkt, sondern auch die Gesundheit und Fitness. „Wir werden im Neoliberalismus zu aktiven Subjekten, die sich selbst überwachen und normieren, auch per App“, verdeutlicht Steinhoff.

Widerstand sorgt für Verschiebung

Dagegen regt sich auch Widerstand. Die positive Sichtbarmachung medial unsichtbarer und kulturell stigmatisierter Körper ist das Anliegen der Body-Positivity-Bewegung, die in den sozialen Medien begonnen hat. Sie distanziert sich von den üblichen Schönheitsidealen und plädiert für Selbstliebe und Körperakzeptanz. Aufrufe zum Posten von Selfies, die nicht dem dominanten Bild entsprechen, gibt es in vielen sozialen Netzwerken. „Die Folge ist, dass Unternehmen auch diese Strömungen aufgreifen, und alles scheinbar diverser wird“, sagt Heike Steinhoff. Doch ein Plus-Size-Model wie Ashley Graham trägt zwar offensichtlich nicht die in der Modewelt vorherrschende Size Zero, entspricht davon abgesehen aber dem gängigen Schönheitsideal.

Und so verschwindet die Aufforderung zur Selbstoptimierung nicht. Vielmehr findet eine Verschiebung statt vom körperlichen zum mentalen Makeover. Das Credo lautet: Egal wie du aussiehst, du musst dich und deinen Körper nur lieben, egal was die anderen sagen. Emotional anrührende Kampagnen täuschen darüber hinweg, dass diese Sicht der Dinge strukturelle Ungleichheiten ausblendet, die gesellschaftliche Komponente des Ganzen ignoriert und die gesamte Verantwortung dem Individuum aufbürdet.

Es ist diverser geworden

Dabei will Heike Steinhoff kein allzu düsteres Bild zeichnen: „Es nicht so, dass sich nichts ändert – das Bild von körperlicher Schönheit ist viel diverser geworden“, fasst sie zusammen. „Unsere Aufgabe als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist es, auch diese Entwicklungen kritisch zu hinterfragen und das aufzudecken, was man auf den ersten Blick nicht sieht.“

 

Pressemitteilung

https://idw-online.de/de/news743783




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