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Report Psychologie: Selbstdarstellung per Body Modification

Tätowierungen und anderer Körperschmuck signalisieren in Naturvölkern einen qualifizierten Sozialstatus. In modernen europäischen Gesellschaften ist das Gegenteil der Fall. Arbeitslose besitzen fast doppelt so häufig Piercings oder Tätowierungen wie Berufstätige. Body Modification dient heute häufig dazu, die Zugehörigkeit in einer sozialen Randgruppe und die Abgrenzung gegenüber der Mehrheitsgesellschaft zu signalisieren, berichtet Professor Dr. Erich Kasten (Medical School Hamburg) in der aktuellen Ausgabe von Report Psychologie.

Er referiert eine Studie, in der Betroffene unterschiedlichste Motive nennen: "Körperkunst", "Erhöhung der Attraktivität", "Identitätsfindung", "Neugierde", "Mutprobe", "Sensation Seeking" u.a..
 
Kasten berichtet in "Report Psychologie": Oft ist mit Body Modification "die Erinnerung an eine bestimmte Lebenssituation verbunden. Gerade Tätowierungen können eine spirituelle Bedeutung haben. So lassen sich Menschen etwa chinesische Zeichen für Glück, Kraft, Mut oder Liebe auf die Haut tätowieren und sind überzeugt, dass die Zeichen etwas bewirken. David Beckham, der englische Fußballstar, hat sich u.a. den lateinischen Spruch ´Sie sollen mich ruhig hassen, solange sie mich fürchten´ auf den Unterarm tätowieren lassen. Die Haut spiegelt damit die Persönlichkeit des Menschen wider, wird zum Sinnbild seiner selbst und kehrt innerste Eigenschaften wie auch Hoffnungen nach außen."
 
"Nicht selten kompensieren gerade Frauen auch jahrelangen körperlichen oder sexuellen Missbrauch damit, dass sie sich Körperschmuck zulegen und damit nach außen offen demonstrieren: ´Mein Körper gehört mir!´"
 
Eine wirklich krankheitswertige Neigung zur Body Modification sieht Kasten nur in wenigen Fällen. In einem anderen Zusammenhang berichtet er über BIID - Body Integrity Identity Disorder - den sehnlichen Wunsch, ein Körperteil zu amputieren; drei Hintergründe für dieses seltene Phänomen werden diskutiert:

  • eine neurologische Steuerung mit einer fehlerhaften Repräsentation von Körperteilen im Gehirn
  • eine psychische Erkrankung
  • eine erotische Komponente



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