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Reinhold Beckmann: eine kluge Diskussion zum Thema "Gewalt gegen Kinder"

Die publikumswirksamen Enthüllungen zu Verbrechen gegen Kinder haben es vielen Opfern ermöglicht, sich nach langem Schweigen zu outen. Die nachhaltigen Verletzungen und der Therapiebedarf sind auch für Fachleute nicht annähernd zu überblicken. In der Gesprächsrunde bei Reinhold Beckmann verdeutlichte Anja Wille, Mutter eines getöteten Jungen, die zusätzliche Traumatisierung von Angehörigen: Die Frau leidet darunter, dass niemand in ihrer Umgebung ihre Verletztheit und Trauer ertragen kann; "die Leute weichen mir aus."

Stephanie Freifrau zu Guttenberg, Präsidentin von "Innocence in Danger", bestätigte bei Beckmann: Opfer und ihre Angehörigen werden meist alleingelassen - auch von den zuständigen Institutionen; die größte amtliche Aufmerksamkeit erfahren häufig die Täter. In diesem Kontext wäre ein Hinweis wichtig gewesen: Die Täter von heute sind in ihrer Mehrheit Opfer von gestern; das heißt: Wer den aktuellen Opfern heute therapeutisch hilft, verhindert, dass sie morgen zu Tätern werden.
 
Eine weitere Klarstellung wäre nachzutragen: Sind Pädophile psychisch krank? Prof. Dr. Kurt Seikowski stellt nachdrücklich fest: Die meisten sind es nicht; dies schließt selbstverständlich nemals aus, dass einzelne Pädophile psychisch erkranken und Kinder missbrauchen. In einer Dunkelfeldstudie hat Horst Vogt bei Pädophilen lediglich ein "irritiertes sexuelles Selbstkonzept" diagnostiziert, das für die meisten zu keiner Straftat geführt hat.
 
Bei Beckmann wurde wieder bedauert, dass misshandelte Kinder oft keine Hilfe erfahren. Gina Graichen (Landeskriminalamt Berlin) beschreibt dies differenziert: "Inzwischen werden vermehrt Anzeigen von Nachbarn, teils auch von Familienangehörigen erstattet. Andere Personen, wie Erzieher, Lehrer, Sozialarbeiter und Ärzte tun sich teilweise noch immer schwer damit, Datenschutz und Schweigepflicht in den Hintergrund zu stellen und die teils ausweglose Situation des Kindes durch einen Anruf bei der Polizei zu beenden.
 
Bei den kriminalpolizeilichen Ermittlungen wurde immer wieder festgestellt, dass Nachbarn und Angehörige durchaus mitbekommen, dass Kinder geschlagen, gedemütigt, allein gelassen werden; sie hören das Anschreien der Eltern und die darauf folgenden Schläge, sie hören das Weinen der Kinder. Und dann haben sie ein schlechtes Gefühl.
 
Der zaghafte Versuch, ihr Wissen einer öffentlichen Stelle mitzuteilen, lässt sie häufig an Personen geraten, die ´nicht zuständig´sind, die sie weitervermitteln, die nicht anwesend sind oder per Computerstimme darum bitten, auf einem Anrufbeantworter kurz und prägnant ihr Problem zu schildern..."




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