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Rechtsextrem: Unterwürfig, autoritär, feindselig

Die Etikettierung als "Nazi" oder "Faschist" oder "Rechtsextrem" wird häufig und meist falsch verwendet. Erich Fromm hat die zutreffende Kennzeichnung unter dem Begriff "Autoritärer Charakter" analysiert: Der Nazi scheut eigene Verantwortung, ordnet sich dem Stärkeren bzw. einer Ideologie unter, wertet (vermeintlich) Schwächere ab und dominiert sie, verhält sich feindselig gegenüber Außengruppen und übt ein starres Freund-Feind-Denken. Im Extremfall - etwa als Kapo im Konzentrationslager - entwickelten sich daraus eine masochistische Unterwürfigkeit gegenüber der Führung bzw. Ideologie und ein Sadismus gegenüber Opfern.

Eine einzigartige Dokumentation dieser Verhaltensweisen bietet John-Michael Steiner. Als deutsch-tschechischer Jude durchlitt er während des zweiten Weltkriegs jahrelange KZ-Haft. In den Nachkriegsjahren studierte er in den USA Soziologie. Zur Promotion an der Universität Freiburg (Breisgau) kehrte er nach Deutschland zurück, um NS-Täterforschung zu betreiben: 431 Angehörige von Wehrmacht und SS füllten persönliche Fragebögen aus; einzelne (verurteilte) Angehörige von KZ-Kommandos, ein Adjutant von Hitler und ein Adjutant von Himmler zeichneten ihre Autobiographien auf; in persönlichen Gesprächen äußerten sich weitere NS-Täter. 

Die Publikation des Materials scheiterte in den sechziger Jahren am Desinteresse der forensisch-psychologischen Fachwelt und der ablehnenden Haltung einschlägiger Verlage. 60 Jahre später stellten der Freiburger Psychologe Prof. em. Dr. Jochen Fahrenberg und seine Frau Anne Fahrenberg die Materialien zusammen, kommentierten sie wissenschaftlich und publizierten sie.

 

In der kleinteiligen Authentizität sind Dokumentation und Kommentierung für die politische Psychologie aufschlussreich: Die Mehrzahl der NS-Täter ist in erster Linie - wenn auch meist erst auf den zweiten Blick - als masochistisch-sadistische ´Autoritäre Persönlichkeit´ sensu Erich Fromm zu erkennen.

 

Die Dokumentation beginnt mit einem Bericht Steiners über seinen Besuch bei Hitlers ehemaligem Reichsminister Albert Speer: "Ich erinnere mich besonders an seine Augen. Sie drückten Besorgnis und Furcht aus, die Furcht beschuldigt zu werden, beschimpft, möglicherweise sogar erpresst. Natürlich geschah nichts davon. Größtenteils war das Treffen bemerkenswert friedlich, wenn auch nicht harmlos." Schließlich überraschte Speer seinen Besucher mit einem sehr privaten Bekenntnis ...  und Steiner den Leser mit einer selbstkritischen Frage ...

 

Jochen Fahrenberg, Anne Fahrenberg (Hrsg.) Täterforschung nach Auschwitz: John Steiners Untersuchungen.
Nachlass eines Auschwitz-Überlebenden

Pabst, 540 S., Hardcover ISBN 978-3-95853-799-6, eBook 978-3-95853-800-9. 

 

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