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Psychotherapie: Übergriffe psychisch kranker Migranten verhindern

Schizophrenie – Frühintervention und Langzeitbegleitung

Psychoedukation bei Traumastörungen

Jede(r) dritte Geflüchtete leidet unter Posttraumatischer Belastungsstörung bzw. schwerer Depression. Doch nur die wenigsten Betroffenen erhalten eine qualifizierte Psychotherapie. Häufig werden sie erst nach einem krankheitsbedingten Übergriff zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen. "Vieles ließe sich verhindern," kritisiert die Psychiatrin Prof. Dr. Meryam Schouler-Ocak (Berlin) im ZEIT-Gespräch. "Wenn Menschen ständig furchtbare Bilder mit sich herumschleppen, damit völlig überflutet und überfordert sind, dann kann es durchaus passieren, dass sie irgendwann ausrasten. Doch darüber wird erst gesprochen, wenn andere verletzt werden. Die Lage ist katastrophal."

Daher fordert die Psychiatrin Prof. Dr. Iris Tatjana Graef-Callies: "Ziel einer Qualifizierung des Gesundheitssystems sollte sein, Migranten mit denselben Qualitätsstandards und Heilerfolgen zu behandeln wie Einheimische."

In ihrem Beitrag zum Lehrbuch ´Schizophrenie - Frühintervention und Langzeitbegleitung´ beschreiben Graef-Calliess und KollegInnen Hindernisse und Herausforderungen, u.a.: "Im Hinblick auf eine Interkulturalisierung der Beziehung zwischen Patient und Therapeut wird die Reflexion eigener Sozialisation, Überzeugungen, Handlungsmuster und politischer sowie religiöser Ansichten empfohlen. Bewusstheit über den eigenen Hintergrund kann auch die Offenheit gegenüber anderen, ´fremden´ Werthaltungen, Rollenvorstellungen und Verhaltensweisen erleichtern. Eine Haltung von Neugier und Bereitschaft zur gemeinsamen Erkundung solcher Einstellungen und Prägungen ist eher als Kultursensitivität zu verstehen als - wie häufig angenommen - umfasssendes Wissen über unterschiedliche Kulturen. Letzteres birgt eher die Gefahr von Stereotypisierungen. Ein Behandlungsteam mit unterschiedlicher ethnokultureller Herkunft bietet die Möglichkeit, sich in einer gemeinsamen therapeutischen Situation - z.B. mit einem einheimischen Therapeuten und einem Therapeuten mit Migrationshintergrund, mit verschiedenen Identitäten und damit verbundenen Konflikten auseinanderzusetzen. Der Einbezug mehrerer Therapeuten kann so gewissermaßen als Rollenmodell für eine bikulturelle Identität mit Anteilen der Heimat- und der Gastkultur dienen."

 

Ein Austausch mit Keypersons relevanter ethnischer Gruppen kann TherapeutInnen wesentliche Hinweise an die Hand geben. Der jesidische Psychotherapeut Prof. Dr. Jan Kizilhan stellt ein kultursensibles Manual für die Gruppenarbeit mit traumatisierten MigrantInnen zur Verfügung. Schouler-Ocak empfiehlt "digitale Tools. Es gibt wunderbare Videos und Apps, die Menschen dabei unterstützen, mit Angst oder einer posttraumatischen Belastungsstörung umzugehen. Die Tools sind noch nicht immer ausgereift, können aber in Zukunft gute Möglichkeiten bieten, mit Stress und Emotionen umzugehen, sich zu stabilisieren und eigene Ressourcen zu stärken. In manchen Fällen kann dies schon reichen, nicht jeder braucht eine spezifische Therapie ..."

 

Iris Tatjana Graef-Calliess et. al.: Migranten im psychiatrischen Versorgungssystem in Deutschland. 
In: M. Ziegenbein et al. Schizophrenie - Frühintervention und Langzeitbegleitung.

Pabst, 400 S., Paperback ISBN 978-3-89967-584-9 

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Jan Ilhan Kizilhan: Psychoedukation bei Traumastörungen - Manual für die Gruppenarbeit mit geflüchteten Migranten.
Pabst 180 S. + CDROM. Paperback ISBN 978-3-95853-407-0, eBook ISBN 978-3-95853-408-7

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