NEWSBÜCHERJOURNALEONLINE-SHOP



 

Sie befinden sich hier: NEWS » Aktuelle News Psychologie » News lesen

« zurück

Psychotherapie für Frauen: Wenn Bodystyling schadet und Körperkult zur Krankheit wird

Tattooing, Piercing, Branding, Pocketing. Die Liste möglicher Eingriffe zur "Verschönerung" des menschlichen Körpers ist lang. Den betroffenen Frauen dienen diese - medizinisch häufig bedenklichen - Eingriffe der Angleichung des eigenen Körpers an ein meist soziokulturell geprägtes Ideal. Doch wann wird aus dem individuellen Streben nach Schönheit ein Körperkult mit Krankheitswert? Dr. Monika Vogelgesang, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie sowie für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Chefärztin des AHG Klinik Münchwies, widmet sich dieser Frage in ihrem aktuellen Buch "Psychotherapie für Frauen - Ein Lehrbuch für weibliche und männliche Psychotherapeuten".

Der Begriff "Bodystyling" (oder "Body-Modification") beschreibt das wie auch immer geartete Bemühen, seinen Körper nach den individuell für gültig gehaltenen Normen und Schönheitsidealen zu gestalten - z.B. mit Tätowierungen und Piercings, Bodybuilding, Schönheitsoperationen sowie chirurgischen Eingriffen zur Faltenglättung (per Botox-Injektion u.a.). Studien zufolge kann davon ausgegangen werden, dass etwa 8,5% der Deutschen tätowiert und 6,8% gepierct sind.

Ab welchem Punkt wird der (Um-)Gestaltung des eigenen Körpers Krankheitswert zugesprochen?
"Die gängigen psychiatrischen Diagnosemanuale ICD-10 und DSM-IV führen die selbstschädigende Form des Bodystylings[…] nicht als eigenständige  Diagnoseentität auf. Am ehesten in die Richtung geht der Begriff der ‚Körperdysmorphen Störung‘. Aber nicht alle malignen Formen des Bodystylings sind hierunter zu subsummieren", so Vogelgesang.

"Von der klinischen Perspektive her hat das Bodystyling dann einen selbstschädigenden und damit pathologischen Grad erreicht, wenn aus einem bloßen Wunsch eine gedankliche Besessenheit geworden ist, den ‚perfekten‘ Körper zu formen, wenn deshalb gravierende gesundheitliche und finanzielle Nachteile in Kauf genommen werden, wenn darüber andere Bereiche, wie Beruf und Partnerschaft, vernachlässigt werden und wenn die Betroffene nicht fähig ist, bei mangelnder Zielerreichung ihre Strategie zu korrigieren, sondern […] das Bodystyling trotz Erfolglosigkeit weiter intensiviert", erklärt die Psychiaterin.

Bodystyling kann, so Vogelgesang, die Form einer inadäquaten Problemlösestrategie für die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper annehmen. Durch weitere Eingriffe wird die Problemlage intensiviert, was wiederum vermehrte Eingriffe nach dem Motto ‚mehr desselben‘ nach sich zieht. Der Teufelskreis und die Einengung der Freiheitsgrade der Betroffenen sind damit vollkommen. Die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper jedoch bleibt unverändert.

"Da bei den Betroffenen in der Regel keine Einsicht in die Selbstschädigung ihres Verhaltens besteht, werden sie selten den Weg in die Therapie finden", so Vogelgesang. Man solle sich jedoch nicht scheuen, das Problem anzusprechen. Wichtig ist dabei aber das gleichzeitige Aufzeigen von  verschiedensten Hilfsmöglichkeiten wie  Selbsthilfegruppen und ambulanter Psychotherapie. Und auch bei Anlehnung der Hilfe ist es wichtig den Kontakt nicht zu verlieren. Durch Empathie und widerholte Motivierungsversuche kann es gelingen, dass sich Betroffene letztendlich doch in eine Psychotherapie begeben.

In ihrem aktuellen Lehrbuch zur frauenspezifischen Psychotherapie gibt die Psychiaterin u.a. Einblicke in Risikofaktoren für selbstschädigendes Bodystyling, verdeutlicht die Spezifika der psychotherapeutischen Behandlung und erläutert Aspekte der Rückfallprophylaxe.  LKZ

Psychotherapie für Frauen
Ein Lehrbuch für weibliche und männliche Psychotherapeuten
Vogelgesang, M.




alttext    

 

Aktuell

Journale