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Psychotherapie für Frauen: Dependente Persönlichkeitsstörungen werden oft als Liebe missverstanden

Warum bleibt eine Frau bei ihrem Mann, obwohl er sie regelmäßig verprügelt? Warum wäscht eine gut aussehende intelligente Gymnasiallehrerin die Wäsche ihres Mannes und seiner Geliebten? Das Verhalten, oft als Liebe missverstanden, zeigt eine dependente Persönlichkeitsstörung. Meist wird sie weder diagnostiziert, noch behandelt, kritisiert die Psychiatrin Dr. Monika Vogelgesang in ihrem Lehrbuch "Psychotherapie für Frauen".

Ob dependente Persönlichkeitsstörungen bei Frauen tatsächlich häufiger sind als bei Männern, ist unklar. Denn die Sozialisation von Jungen bzw. Männern erlaubt es meist weniger, eine Dependenz zu zeigen; d.h. in der Männerwelt wird das Krankheitsbild eher verdeckt und kaschiert.

Monika Vogelgesang verdeutlicht, dass eine dependente Persönlichkeitsstörung für die Therapeutin bzw. den Therapeuten eine sehr persönliche Herausforderung bedeutet: "Ein ausreichendes Maß an Empathie ist eine unverzichtbare Bedingung für eine erfolgreiche Behandlung. Es wäre allerdings ein Fehler, wenn die Therapeutin die dysfunktionalen dependenten Gedanken ihrer Patientin übernehmen würde und sich auf dieser Basis in eine Retterrolle drängen ließe. Denn diese ist unvereinbar mit dem Ziel, die Autonomie der Betroffenen zu fördern.

Deshalb sollte die Therapeutin eigene Phantasien, die Patientin zu ´retten´, überprüfen und diese ggfs. als Hinweisreize für ein weniger schützendes/direktives Verhalten nutzen. Es liegt in der therapeutischen Verantwortung, hier klare Grenzen zu setzen. Versuche der Patientin, das Arbeitsbündnis in eine Freundesbeziehung umzuwandeln, sind gemeinsam mit der Betroffenen zu identifizieren und als veränderungsbedürftige Bestandteile des dependenten Störungsmusters einzuordnen. Dabei ist es sinnvoll, unmittelbare Gedanken und Gefühle hinsichtlich der Therapeutin als Grundlage zur Untersuchung automatischer Gedanken zu analysieren ..."

Monika Vogelgesang, verhaltenstherapeutisch orientiert, berichtet in ihrem Lehrbuch für weibliche und männliche Therapeuten über weibliche Spezifika in der psychotherapeutischen Praxis. Die Therapeutin belegt, wie eine Genderspezifität die Behandlung verbessern kann. Detaillierte Fallbeispiele verdeutlichen die Möglichkeiten und Risiken.

Im Focus stehen depressive Störungen, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen, dissoziative Symptome und Störungen, Schmerzstörungen, Essstörungen, Adipositas, Body-Modification, Persönlichkeitsstörungen, dependente Persönlichkeitsstörungen, emotional instabile Persönlichkeitsstörungen vom Borderline-Typus und selbstverletzendes Verhalten, Substanzabhängigkeit, pathologisches Glücksspiel, pathologisches Kaufen, pathologischer PC/Internetgebrauch.

Psychotherapie für Frauen
Ein Lehrbuch für weibliche und männliche Psychotherapeuten
Vogelgesang, M.




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