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Psychologie und Gesellschaftskritik: Mit qualitativer Forschung nach Perspektiven der Kinder fragen

Leitende Maxime moderner Kindheitsforschung ist, "explizit nach der ´Perspektive der Kinder´ zu fragen statt ´über Kinder´ zu forschen." Dieses Postulat erläutert Prof. Dr. Günter Mey (Berlin) in seinem Beitrag zur aktuellen Ausgabe von "Psychologie und Gesellschaftskritik"; er gibt sie unter dem Leitbegriff "Subjektivierung" heraus.

"Heute dient generell das Modell des potenziell selbstreflexiven Menschen als Leitbild entwicklungspsychologischer Forschung. Dieses Modell geht von einem aktiv seine (Um-)Welt konstruierenden und mitgestaltenden Individuum aus - ein Individuum, das nicht nur Produkt, sondern auch Produzent seiner Entwicklung ist. Demzufolge werden Kinder - wie Angehörige anderer Altersgruppen - als aktiv Handelnde und (Mit-)Gestaltende betrachtet."
 
Für Günter Mey ist in der Kindheitsforschung zwar Methodenvielfalt sinnvoll.
 
Allerdings: "Das Vertrauen auf und der bevorzugte Einsatz von quantitativen Verfahren überrascht. Denn bei der (empirischen) Zuwendung zu Kindern/Kindheit ist viel grundsätzlicher zu reflektieren, dass ein Vorwissen - wie dies im Falle quantitativer Methoden unbedingt erforderlich sein muss, um zu prüfbaren Hypothesen zu kommen - nicht per se vorausgesetzt werden kann. Mehr noch, es bleibt zu reflektieren, in welcher Weise hier von Erwachsenen vorgegebene Kategorisierungen (und Weltsichten) durch Kinder bestätigt werden sollen.
 
Offen bleibt bei solchen Vorgaben, in wie weit es den Forschenden gelingt, sich auf eine ´andere´ und - so paradox es klingen mag - ihnen (weitgehend) fremde - ´Kultur´ zu beziehen: Fremd, weil die kindliche Lebenswelt und weil kindliche Erklärungsmuster sich von denen der erwachsenen Forschenden unterscheiden ..."
 
Im Blick auf diese Fremdheit gibt Mey in der Kindheitsforschung den qualitativen Methoden den Vorzug. Denn die qualitativen "Prinzipien der Offenheit, Fremdheit und Kommunikation scheinen für die Kleinkindforschung geradezu prädestiniert zu sein... Insbesondere scheinen qualitative Erhebungstechniken der Plastizität der kindlichen Entwicklung, den komplexen, fragilen und flüchtigen Prozessen kindlicher Persönlichkeitsbildung entgegen zu kommen ..."




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