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Psychologie der Geschichte: Wie die Raumfahrt das Umweltbewusstsein prägte

Die Corona- und die Umweltkrise aktualisieren die Frage: Wieweit verändern historische Entwicklungen die Psyche der Menschen? Und anderseits: Wieweit beeinflusst die Psyche historische Entwicklungen? Konkret etwa: Schafft die Psyche die Anpassungsleistung, das Verhalten der Menschheit so zu verändern, dass wieder ein ökologisches Gleichgewicht erreicht und die Klimakatastrophe vermieden wird? Im neu publizierten Reader "Psychologie der Geschichte" reflektieren Gerd Jüttemann und 35 weitere WissenschaftlerInnen mögliche Wechselwirkungen.

Der Altmeister der wissenschaftlichen Psychologie, Wilhelm Wundt, erfreute sich noch eines Entwicklungs-Optimismus. Doch Gerd Jüttemann hält eher die Diagnose des Historikers Arnold J. Toynbee für realistisch: "Der Mensch hat auf dem Gebiet es Verstandes und technischer Geheimnisse blendende Erfolge gehabt, in seelischen Dingen aber elend versagt. Es ist die große Tragödie menschlichen Lebens gewesen, dass diese aufsehenerregende Ungleichheit zwischen den menschlichen Errungenschaften auf dem außermenschlichen und denen auf dem seelischen Gebiet wenigstens bisher so und nicht anders verteilt war; ist doch die seelische Seite des Menschenlebens von weit größerer Bedeutung für die Wohlfahrt des Menschen (letzten Endes selbst für seine materielle Wohlfahrt) als seine Beherrschung der außermenschlichen Natur."

Rolf Oerter zeichnet demgegenüber in seinem Beitrag positive Entwicklungspotentiale: Menschliche Arbeit war bisher fast immer mühsam und fremdbestimmt; die Freiräume für selbstbestimmte Tätigkeiten bleiben noch immer weitab vom Idealzustand, nehmen jedoch dank technischer Entwicklungen zu. Oerter resümiert, dass daher mehr denn je "Merkmale der Freiheit, der Fähigkeit zu divergentem Denken, des Selbstzwecks und der Konstruktion neuer Wirklichkeiten am Werk sind ..."

Karen Krause und Andreas Reitz sehen einen "Weltenwandel - die Raumfahrt als Inspiration zur Menschlichkeit, zu Friedens- und Umweltbewegungen: Das entstehende Bild der Erde als ´Raumschiff´ vermittelt die Fragilität des irdischen Ökosystems. Die Erde als verletzliche Heimat stellt dabei einen deutlichen Bruch in der bisherigen Wahrnehmung dar - die Erde war nun keine für die Ewigkeit geschaffene, robuste Entität mehr, sie wurde als bewahrens- und schützenswert empfunden. In dieser Sichtweise spiegelt sich kein Ringen um Macht einzelner Völker - wie es im Kalten Krieg gegeben war. Die neue Sichtweise spiegelt sich auch im individuellen Empfinden - etwa in einem veränderten Identitätskonzept ..."

 

Literatur zu Thema

Gerd Jüttemann (Hrsg.) Psychologie der Geschichte. Pabst, 280 Seiten, Hardcover
ISBN 978-3-95853-624-1, eBook ISBN 978-3-95853-625-8


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