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Psychiatrische Patienten: Stigma und Exklusion dehnen sich weiter aus

Positionen und Perspektiven

Entwicklungen der letzten Jahre haben in der Psychiatrie viel - und dennoch zu wenig - erreicht. "Psychiatrische Versorgung und ihre Strukturen werden sich in Zukunft am Grad des psychosozialen Funktionsniveaus psychisch kranker Menschen sowie an ihrer tatsächlichen Reintegration in die Gesellschaft messen lassen müssen - insbesondere im Bereich von Arbeit und Beruf," fordert Professor Dr. Georg Juckel in seinem neuen Sachbuch ´Positionen und Perspektiven´. Der Autor ist Direktor der LWL-Universitätsklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Praeventivmedizin Bochum.

"Ganz zentrale Bedeutung kommt der Antistigmaarbeit zu, auch schizophrene und andere psychische Erkrankungen müssen in den ´Köpfen der Bevölkerung´  den Charakter wie somatische Erkrankungen bekommen. Das psychiatrische Versorgungs- und Hilfesystem muss noch viel stärker als bisher die z.T. ungeheuren Anstrengungen der Angehörigen sowie Betroffenen" integrieren.  

Eine "sektorenübergreifende und interdisziplinäre Versorgung psychisch Kranker" ist für Juckel entscheidend - mit Blick auf "die hohe Prävalenz, häufige Chronifizierungsneigung, hohe Komorbidität, verringerte Lebensqualität sowie gestiegene Kostenintensität." Ziel ist hier eine möglichst integrative und intensive Behandlung, die kontinuierlich medizinische und psychosoziale Aspekte aufeinander abstimmt. "Wesentlicher Bestandteil ist die Gemeindenähe, da nur hierdurch eine hohe Versorgungsqualität bei gleichzeitig hoher Wirtschaftlichkeit erreicht werden kann." In der Optimierung von Kooperation und Koordination liegen noch ungenutzte Wirtschaftlichkeitsreserven des Gesundheitssystems. Juckel erinnert daran, "dass bereis die in den 70er Jahren angetretene Sozial- und Gemeindepsychiatrie all die Forderungen nach einer sektorübergreifenden und interdisziplinär fachübergreifenden Versorgung beinhaltet hat. Die Gemeinde wurde als soziales System und Dreh- und Angelpunkt für den Patienten sowie für seine Behandlung als auch für den Ort seines Lebens gesehen - nicht jedoch das Krankenhaus.

Die Kontinuität des Lebens und die Behandlung des Patienten sollte in der Gemeinde durch die Koordination aller Versorgungsinstitutionen, v.a. durch ein konsequentes Case Management erreicht werden. So ist natürlich das Vorhalten aller entsprechenden Institutionen und Disziplinen in einer Gemeinde notwendig. Probleme der heutigen Sozial- und Gemeindepsychiatrie bestehen v.a. darin, dass die entsprechenden Einrichtungen aufgrund der Finanzierungsschwierigkeiten der öffentlichen Hand immer weniger werden. Darüber hinaus gibt es verstärkt Schwierigkeiten, psychiatriebereite Gemeinden zu etablieren. Stigma und soziale Exklusion dehnen sich weiter aus. Auf der anderen Seite strömen immer mehr Menschen mit Krisen, Burnout und sogenannten ´minoren´ psychiatrischen Erkrankungen in das Versorgungssystem ..."

Positionen und Perspektiven
Psychiatrisch-Philosophische Reflexionen aus vier Jahrzehnten
Juckel, Georg
Pabst, 414 Seiten, Hardcover

 




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