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Photovoltaik-Anlagen: Hausbesitzer unterschätzen die Rendite der Investition

Umweltpsychologie: Nur knapp neun Prozent des Netto-Stromverbrauchs in Deutschland stammt aus Photovoltaik-Anlagen. Der Anteil und die Zuwachsraten bleiben hinter den Zielen des Klimaschutzprogramms der Bundesregierung weit zurück. Warum weigern sich viele Hauseigentümer, in Photovoltaik-Anlagen zu investieren? Eine psychologische Studie kam zu überraschenden Ergebnissen. Sie erschien in der Fachzeitschrift "Umweltpsychologie" (2/2019).

Sowohl Investoren als auch Nicht-Investoren von Photovoltaik-Anlagen sehen neben der ökologischen auch eine starke ökonomische Motivation. Investoren haben meist sorgfältig recherchiert und sind - wie das Fraunhofer-Institut (www.pv-fakten.de) - zu dem Ergebnis gekommen, dass auch unter der aktuellen gesetzlichen Situation eine nennenswerte Rendite für das Investment zu erzielen ist. Bei den meisten Nicht-Investoren wurde deutlich: Sie waren von den - überwiegend interessengeleiteten - Informationen zum Thema eher irritiert, brachen die Recherchen ab und kamen zu der irrigen Vermutung, eine Rendite sei unwahrscheinlich; der Umweltschutz-Gedanke allein reichte zur Investitionsentscheidung nicht aus.

 

Bei potentiellen Interessenten einer Photovoltaik-Anlage spielen häufig auch eine persönliche Affinität zur Technik und ein Wunsch nach Unabhängigkeit eine Rolle. Letzteres Ziel - d.h. die Eigenstromnutzung - ist gegenwärtig nur bedingt zufriedenstellend erreichbar: Einerseits verlangt der Gesetzgeber auch für den Eigenverbrauch (oberhalb einer Bagatellgrenze) eine EEG-Abgabe. Anderseits benötigt ein autarkes Photovoltaik-System Speicherkapazität, die nicht nur hohe Kosten, sondern auch in Herstellerländern Umweltbelastungen und Menschrechtsverletzungen verursacht. Erst eine neue Generation von Speichermedien wäre in der Lage, Autarkieziele zu realisieren.

 

Die UmweltpsychologInnen folgern aus ihrer Studie: "Besonders die hohe Anfangsinvestition wird als Hürde empfunden. Subventionen, Förderprogramme oder alternative Finanzierungsprogramme können helfen, diese zu überwinden. Hierbei sollten die Investitionsentscheidung für Photovoltaik und die Fördermöglichkeiten als Gewinn dargestellt werden. Besonders Nicht-Investoren berichten in dieser Studie von Problemen, verlässliche Informationen zu Fördermöglichkeiten, Kosten und Risiken sowie Rentabilität zu beschaffen. Geringes Vertrauen in Anbietende erschweren die Informationssuche zusätzlich. Neutrale Beratungsstellen, geschulte ArchitektInnen, unabhängige Gütesiegel können helfen, die Informationsbeschaffung zu erleichtern und Unsicherheiten zu reduzieren ..."

 

Das Fraunhofer Institut leistet inzwischen eine aktuelle unabhängige Übersicht - online und frei zugänglich: www.pv-fakten.de.

 

Das Klimaschutzpgrogramm der Bundesregierung postuliert, dass die Erneuerbaren Energien bis 2030 auf 65% des Bruttostromverbrauchs ansteigen. Dazu ist nach Einschätzung des Fraunhofer Instituts bei Photovoltaik-Anlagen ein mittlerer jährlicher Zubau von mindestens fünf bis zehn Gigawatt (GW) notwendig. Zwischen 2013 und 2018 wurden jedoch jährlich weniger als zwei und  2019 weniger als vier GW installiert. Damit sind v.a. Hauseigentümer herausgefordert, die eine ebenso sinnvolle wie profitable Investition wünschen.

Literatur zum Thema:

J. Köhler, J. Lange, V. Lohmann, V. Lemki, E. Dütschke, D. Hanss: Warum investieren Haushalte (nicht) in Photovoltaik-Anlagen?

In: Umweltpsychologie 2/2019, S. 12-35       

 




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