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Mit E-Zigaretten/Tabakerhitzern den Nikotinkonsum reduzieren

Um Gesundheitsrisiken durch Tabak- und Nikotinkonsum zu verringern, fordern Wissenschaftler ein Umdenken von der Politik: Statt Raucher weiter zu bevormunden, sollten Chancen in den Blick genommen werden, die E-Zigaretten/Tabakerhitzer bei der Rauchentwöhnung bieten können. Zu diesem Schluss kamen die Referenten bei dem Online-Symposium "E-Zigaretten/Tabakerhitzer: Eine Bestandsaufnahme" am 23.09.2020.

Deutschland und Österreich gehörten beim Tabak- und Zigarettenkonsum zu den "Hochkonsumländern", betont Prof. Dr. Heino Stöver, Mit-Initiator des Symposiums und Geschäftsführender Direktor des Instituts für Suchtforschung an der Frankfurt University of Applied Sciences. Notwendig sei daher eine Politik, die den nächsten Schritt macht und das Potenzial der E-Zigarette bzw.
Tabakerhitzer bei der Raucherentwöhnung erkennt. Prof. Dr. Stöver fügt hinzu, dass die E-Zigarette in Deutschland und Österreich derzeit die am häufigsten von Raucherinnen und Rauchern selbst initiierte Unterstützungsform zum Rauchstopp sei.

Die aktuelle Gesundheitspolitik sei durch eine "Bevormundung" dominiert, erklärte Priv. Doz. Dr. Alfred Uhl von der Sigmund Freud Privatuniversität (SFU): "Ein paternalistischer Public-Health-Ansatz dient den Rauchern und Nikotinsuchtkranken nicht. Wer auf eine tabak-
oder nikotinfreie Welt hofft und deshalb konsequent alles mit Tabak und Nikotin bekämpft, ist genauso unrealistisch wie jemand, der auf eine drogenfreie Welt hofft." Stattdessen müsse man aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse
mehr in den aktuellen Public-Health-Ansatz einbauen, um auf die Bedürfnisse Tabaksuchtkranker besser einzugehen.

Univ.-Doz. Dr. med. Ernest Groman (Nikotin-Institut, Wien) sowie Dr. Bernhard-Michael Mayer (Professor für Pharmakologie und Toxikologie, Institut für Pharmazeutische Wissenschaften, Karl-Franzens-Universität Graz) merkten in der Debatte an, dass das Kernproblem des klassischen Zigarettenrauchens nicht das Nikotin sei. Vielmehr sind die bei der Verbrennung entstehenden Stoffe für tabakbedingte Morbidität und Mortalität verantwortlich. Es sei wissenschaftlicher Konsens, dass Raucher mit der Umstellung auf die E-Zigarette die Schadstoffaufnahme um bis zu 95 Prozent senken können. Die Chancen, die die E-Zigarette für die Raucherentwöhnung bietet, müsste auch die zukünftige Gesundheitspolitik bestimmen.

Dr. Franz Pietsch (Gesundheitsministerium Österreich) stellte fest, dass es beim Einsatz von E-Zigaretten noch Herausforderungen gibt: "Es besteht Bedarf an strengeren Regelungen analog zu den Inhaltsstoffen in Zigaretten sowie dringender Forschungsbedarf u.a. zu den Auswirkungen auf Atemwege und Lunge." Zudem würden Inhaltsstoffe und Trägersubstanzen oft nicht deklariert und nicht ausreichend untersucht. Ob E-Zigaretten oder HTPs geeignet für eine effiziente Rauchentwöhnung eingesetzt werden können, werde laut Pietsch noch kontrovers diskutiert.

Stöver bezeichnete das Online-Symposium mit seinen hochkarätigen Teilnehmern, das von über 75 Teilnehmern im Web verfolgt wurde, als großen Erfolg: "Die Referenten stellten den aktuellen Stand der Forschung zu E-Zigaretten differenziert dar und zeigten anschaulich die Möglichkeiten der Raucherentwöhnung in verschiedenen Kontexten auf."

Heino Stöver kündigte an, dass am 15. Oktober 2020 die 3. Fachtagung "E-Zigarette: Was wir wissen, müssen" (https://www.frankfurt-universi
ty.de/de/hochschule/fachbereich-4-soziale-arbeit-gesundheit/forschung-am-fb-4/forschungsinstitute/institut-fuer-suchtforschung-isff/verans
taltungen-des-isff/3-e-zigaretten-konferenz/) als Hybrid-Veranstaltung geplant ist. Sie findet vor Ort als Präsenzveranstaltung mit ca. 50 bis 70 Teilnehmer/-innen und Referent/-innen statt (Frankfurt University of Applied Sciences) und wird z.T. gestreamt und online gestellt.

 

Pressemeldung:http://www.frankfurt-university.de/isff

Literatur zu Thema:

Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.) Tabakatlas Deutschland 2015
Pabst, 2015, 176 Seiten, Print: ISBN  978-3-95853-123-9

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