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Medizinisch-beruflich orientierte Rehabilitation: Angst hindert Herzpatienten an der Rückkehr in den Beruf

Während und nach einer Herzerkrankung leiden etwa 30 bis 40 Prozent der PatienInnen unter psychischen Störungen - in erster Linie Angst, in zweiter Linie Depressivität. Den belasteten Herzpatienten gelingt es wesentlich seltener, sich nach einer Anschlussheilbehandlung wieder beruflich zu integrieren. Diese Studienergebnisse berichten Dr. Michael Keck und Dr. Christoph Löschmann in ihrem Beitrag zum Handbuch "Wissenschaftliche Grundlagen der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation".

Die Wissenschaftler untersuchten 915 Herzpatienten in und nach der Anschlussheilbehandlung; 55% hatten einen konservativ therapierten Herzinfarkt, 25% waren bypassoperiert, 10% herzklappenoperiert, 8% litten unter einer Kardiomyopathie und 2% unter sonstigen Herz-Kreislauferkrankungen. Das mittlere Alter betrug knapp 43 Jahre.

Spätestens sechs Monate nach der Anschlussheilbehandlung kehrte aus den beiden letztgenannten Gruppen etwa die Hälfte in das Arbeitsleben zurück. Bei den Herzklappen- und den Bypassoperierten gelang dies jedoch zwei Drittel, bei Herzinfarktpatienten fast drei Viertel. Der Hauptunterschied zwischen den beruflich Erfolgreichen und den Erfolglosen ist offensichtlich: Die zweite Gruppe war bereits vor Beginn der Anschlussheilbehandlung psychisch schwer belastet und erlebte in der Rehaklinik eine Verstärkung der Ängste bzw. Depressionen; ein halbes Jahr nach der Entlassung war die psychische Problematik zusätzlich verschärft.

"Eine positive berufliche Reintegration nach der Anschlussheilbehandlung begünstigt offenbar auch die emotionale Bewältigung der chronischen Erkrankung, während die negative berufliche Entwicklung mit einer Zunahme der emotionalen Belastung verbunden ist. Die Grundlagen hierfür dürften in den psychisch stabilisierenden Auswirkungen der Berufstätigkeit liegen, die nicht allein auf den finanziellen Gratifikationen beruhen, sondern auch auf der Einbindung in soziale Stützsysteme ..."
 
Die Untersucher sehen "die Notwendigkeit, möglichst frühzeitig bei kardiologischen Rehabilitanden eine psychische Störung rechtzeitig zu erkennen und in das biopsychosoziale Behandlungskonzept einzubeziehen. Die Patienten sollten frühzeitig zu einer psychotherapeutischen Betreuung überwiesen werden, vor allem auch um eine Chronifizierung der Störungen zu vermeiden ..."




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