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Männliche Gewalt gegen Intimpartnerin: Typologie und Prognose

Etwa jede fünfte Frau in Deutschland erleidet einmal oder mehrfach gewalttätige Aggressivität ihres Intimpartners - und bleibt evtl. trotzdem bei ihm. Die feministisch-ideologische "Erklärung" geht pauschal von einer männerdominierten patriarchalen Gesellschaft aus, bietet jedoch keine Anhaltspunkte für individuell konkrete Motive, therapeutische Lösungsansätze oder Prognosen. Norbert Nedopil und Kollegen konkretisieren - empirisch fundiert - ein differenziertes Bild in ihrem Handbuch "Prognose: Risikoeinschätzung in forensischer Psychiatrie und Psychologie". Die Autoren unterscheiden vier Typen:

 

Typ 1.beschränkt Gewalt auf die Partnerschaft, ist psychiatrisch unauffällig und zeigt keine negativen Einstellungen gegenüber Frauen. Auslöser der Gewalt ist häufig eine Kombination aus persönlichen Defiziten (z.B. geringe soziale Fertigkeiten), Stress und einer Konflikteskalation. Das Maß an Gewalt ist eher gering.

 

Typ 2 ist psychopathologisch auffällig, oft mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung. Er hat u.U. Missbrauchserfahrungen erlitten und kann nicht oder nur mit Mühe tragfähige Beziehungen eingehen. U.U. ist er dependent, eifersüchtig, fürchtet den Partnerverlust und verfügt über nur eingeschränkte Kommunikationsfähigkeiten. Das Ausmaß an - u.U. auch sexueller - Gewalt ist mittel bis stark ausgeprägt.

 

Typ 3 zeigt häufig außerhalb und innerhalb der Familie ausgeprägt dissoziale, aggressive Persönlichkeitseigenschaften, hohe Impulsivität und geringe soziale Fertigkeiten. Charakteristisch sind feindselige Einstellungen gegenüber Frauen im Allgemeinen. Gewalt sieht er als legitimes Mittel an, um Konflikte zu lösen. Gewalt ist mittel bis stark ausgeprägt.

 

Typ 4. ist die abgeschwächte Form von Typ 3.

 

"Die Verwendung der Typologie hat sich in der Praxis bewährt. Vor allem, weil sie nicht nur hilft, ein Verständnis der Dynamik zu entwickeln, sondern auch Anhaltspunkte für das Rückfallrisiko und die Wirksamkeit spezifischer Interventionen liefert." Eine Studie belegt, dass das Rückfallrisiko in der Gruppe 1. am niedrigsten und bei Typ 3. am höchsten ist. Bei Typ 1 sehen die Untersucher die höchsten Erfolgschancen für eine qualifizierte Paartherapie.

 

Nedopil und Kollegen stellen drei erprobte Verfahren vor, mit deren Hilfe Prognosen zum Rückfallrisiko von Intimpartner-Gewalt erarbeitet werden können.

Insgesamt bietet das interdisziplinäre Buch ein umfassendes Instrumentarium für Kriminalprognosen, die die Basis für ein individuelles Risikomanagement bilden.

 

Norbert Nedopil, Jerome Endrass, Astrid Rossegger, Thomas Wolf:
Prognose - Risikoeinschätzung in forensischer Psychiatrie und Psychologie.

Pabst 368 S., Hardcover ISBN 978-3-95853-554-1. eBook ISBN 978-3-95853-555-8


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Heinfried Duncker: Gewalt zwischen Intimpartnern - Liebe, Aggressivität, Tötung.
Pabst 180 S., Paperback ISBN 978-3-934252-10-3 

 

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