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Linguistik für Psychotherapie: Sprache analysieren, differenzieren und kunstvoll einsetzen

Das wichtigste psychotherapeutische Instrument ist die Sprache. Dennoch ist erst jetzt das erste Lehrbuch zur Psychotherapie erschienen, das die Expertise der Linguistik detailliert nutzt. Max Leibetseder (Salzburg) titelt zwar "Grundlagenbuch Verhaltenstherapie", doch er bietet Angehörigen aller Psychotherapie-Schulen teils ungewohnte Einblicke und Anregungen. Alfred Pritz reflektiert in seinem Geleitwort eine "Richtung eines gemeinsamen Psychotherapiekosmos".

Leibetseder stellt Protokollanalysen, Contentanalysen und ihre linguistischen Operationalisierungen vor. Mit letzteren sind Abfolgen von Entscheidungsschritten gemeint, die sich an sprachlichen Merkmalen orientieren.

 

Bei der Darstellung der Lerntheorien nimmt der Autor auch auf die operante Konditionierung des Spracherwerbs Bezug. Dieser Bezug ermöglichst beispielsweise, die sprachgeleitete therapeutische Arbeit mit autistischen Kindern zu verdeutlichen. Ein anderes Beispiel betrifft die sozialen Konflikte und die Sprache: Werthaltungen wie Gerechtigkeit und Vertrauen oder Macht sind durch charakteristische situative und sprachliche Merkmale gekennzeichnet. Derartige Charakteristika können der Grundlagenforschung entnommen und in Rollenspielen transparent gemacht werden.

 

Im Kapitel zur Diagnostik beschreibt Leibetseder neben den einschlägigen Verfahren die linguistischen Ansätze. Wer die Kapitel Standardmethoden liest, ist von der originellen, unmittelbar praktischen Systematik überrascht: Die Standardmethoden können danach unterschieden werden, ob sie eine Änderung oder Bewältigung der Reizbedingungen anstreben; ob sie eine Änderung der internen Einstellungen oder eine Kompetenz des Problemlösens und Entscheidens anstreben oder um eine Änderung der inneren Repräsentation autobiographischer Ereignisse bemüht sind. Sie können danach unterschieden werden, ob sie eine unmittelbare Änderung des Verhaltens selbst intendieren oder an den Änderungen der Konsequenzen arbeiten. 

 

Zum Kapitel über störungsspezifische Interventionen tragen verschiedene Autoren mit Einzelbeiträgen bei: Horst Mitmansgruber (Angst- und Zwangsstörungen), Walter Renner (Posttraumatische Belastungsstörung. Schizophrenie und andere psychotische Störungen), Andrea Fahlböck (Depressionen), Max Leibetseder (Krisen und chronische depressive Zustände), Renee Kronfuss-Lessing (Abhängigkeitserkrankungen), Cornelia Draxler (Essstörungen), Hans-Jürgen Klien (Sexuelle Störungen), Doris Pühringer (Kindes- und Jugendalter).

Max Leibetseder schließt das Buch mit einem Kapitel über Selbsterfahrung ab: ein Musterbeispiel filigraner, systematischer, kritischer Reflexion, die über herkömmliche verhaltenstherapeutische Usancen weit hinausgeht.

 

Literatur

Max Leibetseder (Hrsg.) Grundlagenbuch Verhaltenstherapie. Diagnostik, Methoden, Anwendungsbereiche, Sprachanalysen.
624 Seiten. Pabst 2018. Print ISBN 978-3-95853-399-8. e-book ISBN 978-3-95853-400-1 

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