Von ihrer Lektüre aus der Schulzeit blieb der Autorin "besonders ein Satz aus den ´Ansichten eines Clowns´ von Heinrich Böll in Erinnerung: ´Ich wäre am liebsten hier geblieben und hätte bis an mein Lebensende Bonbons und Sütterlinhefte verkauft, mich abends mit Marie oben ins Bett gelegt und bei ihr geschlafen, richtig geschlafen bei ihr, mit ihren Händen unter meinen Achseln.´ Was mich anzog, war das Geheimnis; denn Marie und Hans hatten soeben zum ersten Mal die Sache getan, die Mann und Frau miteinander tun, wie Heinrich Böll jenes Existenz erschütternde Ereignis hinreichend erklärt. Was mich völlig faszinierte, war die Vision, mit den Händen unter den Armen eines Mannes einzuschlafen."
Juliane Vieregge zitiert Martin Luther, der aus dem hebräischen Bibeltext die Intimität eines Mannes mit einer Frau übersetzt: "Er erkannte sein Weib." Sexualität als intensivste Form persönlicher Erkenntnis, die weit über das Momentum hinausreicht
"In manchen Beziehungen hält die erotische Glut lange an. Dann hat der Sex eine gute Chance, immer zärtlicher, immer vertrauter und intimer zu werden. Die wilde Extase, die obsessive Energie treten in den Hintergrund und geben den Weg frei für Gefühle von Sicherheit und Zufriedenheit. Zum gemeinsamen Altwerden gehört es wohl schließlich auch, sich irgendwann gemeinsam von der Sexualität zu verabschieden ..."
Juliane Vieregge zieht die Bibel zu Rate, Simone de Beauvoir, Bertolt Brecht, Max Horkheimer, Niklas Luhmann, Blaise Pascal, Jean Paul Sartre, Mario Vargas Llosa, Franz Werfel und fast 100 weitere Denker. Der Essay beeindruckt mit einem Reichtum, der gewohnte Kategorien verblassen lässt.
Juliane Vieregge: Die Perle in der Auster - Ein Plädoyer für mehr Leidenschaft.
Pabst 272 S., Paperback und eBook ISBN 978-3-89967-728-7













